Als eine atomare Katastrophe die Erde vor 97 Jahren zerstört und mit ihr fast die ganze Menschheit auslöschte, retteten die wenigen Überlebenden sich auf eine Raumstation, um den nuklearen Winter auszuharren.
Und hinterließen die Erde strahlenverse...
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chapter ten Armbanduhr
Die Sonne hing tief über dem Tal, goldenes Licht tropfte wie flüssiger Bernstein durch die Baumkronen. Freya und Verak gingen nebeneinander über den schmalen Pfad, der sich vor dem Grounder-Dorf entlangzog. Das Lager lebte – Stimmen, Rufe, das metallische Klirren von Waffen und Werkzeugen füllten die Luft. Überall roch es nach Rauch, Erde und Schweiß. Freya zog die Kapuze ihres Mantels ein Stück tiefer, weniger aus Scham, sondern weil sie die neugierigen Blicke satt war. Einige Grounder musterten sie noch immer wie etwas, das nicht hierher gehörte – zu weich, zu fremd, zu anders. Doch sie ließ sich nichts anmerken.
„Heda will bald Rat halten," sagte Verak ruhig, ohne sie anzusehen. „Ich weiß," antwortete Freya. Ihre Stimme war gedämpft, aber fest. „Ich bin bereit." Er nickte kaum merklich.
Am Rande des Platzes hockten mehrere Grounder um einen Stapel seltsamer Gegenstände – Metallstücke, glänzende Reste, Stoffe, Kabel, Plastikteile. Sie hatten sie vom alten Drop Ship geholt, von jenem Ort, an dem einst alles begann. Jetzt lagen die Überreste der Vergangenheit vor ihnen, bedeutungslos für die Grounder, aber voller Erinnerungen für sie. Freya blieb stehen. Einer der Männer – groß, kantig, das Gesicht mit Ruß beschmiert – hielt gerade etwas in die Luft. Ein leises, schnappendes Geräusch, ein kurzes Klicken. Freya erkannte es sofort. Eine Armbanduhr. Silber, schlicht, zerkratzt – aber eindeutig. Clarkes Armbanduhr.
Freya erstarrte. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, dann klopfte es doppelt so laut. Freya trat vor, fast unbewusst. „Woher hast du das?" fragte sie. Der Grounder blickte auf, blinzelte, dann lachte leise. „Gefunden. Vom Metallvogel." „Das gehört jemandem." „Jetzt gehört's mir."
Freya spürte, wie sich Wut in ihr aufbaute, ein heißes, brodelndes Gefühl, das sie kaum unter Kontrolle halten konnte. Sie machte einen Schritt nach vorne, streckte die Hand aus. „Gib sie mir. Sofort." Ein paar der anderen Grounder hoben neugierig die Köpfe. Der Mann verzog das Gesicht zu einem spöttischen Lächeln. „Du bist keine von uns, Sky Girl," zischte er und wandte sich ab.
Freya griff nach seinem Arm. Nur einen Moment – nicht grob, nur fest genug, um ihn aufzuhalten. Der Schlag kam schnell. Kein voller Hieb, mehr eine instinktive Abwehr. Sie taumelte zurück, stolperte, fing sich gerade so. Er lachte – rau, kurz, abfällig – und ging weiter. Die Uhr verschwand in seiner Hand.
Freya stand still. Ihre Finger zitterten, ihre Lippen bebten, doch sie sagte nichts. Nur ihr Atem verriet, wie tief der Zorn in ihr arbeitete.
Verak hatte alles gesehen. Er stand einige Schritte hinter ihr, die Arme verschränkt, der Blick unergründlich. Dann trat er näher. „Lass es," sagte er leise. „Die Uhr gehört jemandem," entgegnete sie, die Stimme gepresst. „Ich weiß." „Dann tu etwas!" „Nicht hier. Nicht jetzt."