Als eine atomare Katastrophe die Erde vor 97 Jahren zerstört und mit ihr fast die ganze Menschheit auslöschte, retteten die wenigen Überlebenden sich auf eine Raumstation, um den nuklearen Winter auszuharren.
Und hinterließen die Erde strahlenverse...
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
chapter eight
du hast überlebt
Die Sonne brannte tiefer heute. Der Staub auf dem Trainingsplatz war trocken, feiner, wirbelte bei jedem Schritt auf. Freya stand in der Mitte, Schweiß auf der Stirn, der Stock fest in beiden Händen. Verak stand am Rand, die Arme verschränkt, beobachtend. Ihr Gegner war ein junger Grounder – kaum älter als sie. Schnell, drahtig, überheblich. Sein Name war Reko, und er hatte sie beim letzten Training grinsend zu Boden geschickt. Diesmal war es anders.
Die Menge am Rand war kleiner als sonst. Zwei Kriegerinnen, ein älterer Mann. Einer kaute Wurzel, murmelte leise etwas. Aber es war ruhig. Konzentriert. Verak hob die Hand. „Beginnt."
Reko stürmte sofort vor – aggressiv, ohne zu zögern. Der Stock kam von rechts, schnell, aber Freya war vorbereitet. Sie duckte sich, ließ ihn über sich hinwegsausen, trat zur Seite und konterte mit einem Hieb in seine Rippen. Ein Krachen aus Holz auf Leder. Kein Treffer – aber ein Warnsignal. Reko wirbelte herum, schlug tief – sie sprang zurück, keuchte, verlor fast den Halt, aber fing sich. Veraks Stimme durchbrach die Spannung: „Nutze seine Wut. Er denkt, du bist schwächer."
Freya spürte es. Reko wurde ungeduldig. Er griff erneut an – ein tiefer Schwung, dann ein falscher Stoß. Sie erkannte das Muster. Verak hatte ihr gezeigt, wie man es lesen konnte. Ein angedeuteter Schlag nach rechts bedeutete: der echte kam von links. Sie drehte sich weg, spürte den Luftzug – dann trat sie nach vorn, senkte den Stock und rammte ihn Reko gegen das Schienbein. Er schrie auf, fiel leicht vornüber – und in diesem Moment holte sie aus. Ein lauter Knall, als ihr Stock auf seine Schulter traf. Reko taumelte, ging zu Boden. Der Kampf war vorbei. Stille.
Dann ein Nicken von Verak. Kurze Anerkennung. Reko knirschte mit den Zähnen, rappelte sich auf. „Nicht schlecht, Luson bilaik.", murmelte er, nicht freundlich, aber auch nicht spöttisch.
Freya stand schwer atmend da, der Stock in der Hand, der Blick starr auf den Boden gerichtet. Sie konnte kaum glauben, was passiert war. Ihre Finger zitterten. Verak trat zu ihr. "Was heißt das?" wollte sie gleich wissen. Verak konnte sich ein kleines lachen nicht verkneifen. "Luson bilaik. Die schwache Waffe." übersetze er ihr. Gleich atmete Freya ein.
"Du siehst es als etwas schlechtes. Der Name mag Zerbrechlichkeit und schwäche zeigen. Aber sie nehmen dich war. Außerdem ist die Waffe im Laut ein Zeichen des Fortschritts." Seine Stimme war ruhig. Dann wechselte er das Thema. „Du hast gelernt, wann du wartest. Und wann du zuschlägst." Sie schaute zu ihm hoch, Freude in ihrem Blick. „Ich hab gewonnen." grinste sie stolz auf sich selbst. „Du hast überlebt." Ein kurzes Lächeln kam von ihm.
Freya senkte langsam den Stock. Für den Bruchteil einer Sekunde – ganz kurz – fühlte sie sich, als würde sie dazugehören.
Dunkle Wolken zogen über den Himmel, nur einzelne Sterne blitzten gelegentlich zwischen ihnen hervor. Es war still. Keine Stimmen, kein Licht, nur das ferne Heulen eines Tieres irgendwo in den Bergen begleitete den Wind, der über den leeren Trainingsplatz strich. Freya stand allein auf dem alten Sandkreis zwischen den uralten Steinsäulen, in die Zeichen und Narben längst vergangener Kämpfe eingeritzt waren. Sie bewegte sich konzentriert, in wiederkehrenden Abläufen – schnelle Schritte, präzise Schnitte, das Zischen der Luft, wenn ihre Klinge durch sie fuhr. Schweiß glänzte auf ihrer Stirn, doch sie ignorierte ihn. Jeder Schlag, jede Drehung war ein Ventil. Für Druck. Für Wut. Für Gedanken, die sie nicht aussprechen konnte. Sie war in sich versunken – bis eine Stimme die Stille durchschnitt. „Du tanzt hübsch für jemanden, der mitten in der Nacht trainiert."
Freya zuckte leicht zusammen, wirbelte herum und hob ihre Waffe. Ihr Blick huschte in die Dunkelheit – bis er sich an einer Gestalt verfing, die sich aus dem Schatten löste. Verak. Er trat mit verschränkten Armen aus der Dunkelheit, das vertraute spöttische Grinsen auf den Lippen. „Oder versuchst du nur, einen Geist zu vertreiben?"
Freya senkte langsam die Klinge, schnaubte leise. „Ich wollte nicht beobachtet werden." „Tja. Dumm gelaufen." Mit der Selbstverständlichkeit eines Jägers trat er auf den Platz, lautlos, leichtfüßig. Seine dunklen Haare waren vom Wind zerzaust, sein Blick ruhevoll, aber wachsam. „Willst du helfen oder mich einfach nur nerven?" fragte sie, während sie sich wieder in Position brachte. „Beides klingt ehrlich gesagt sehr verlockend", erwiderte er trocken, zog seine grobe, kampferprobte Klinge vom Rücken und drehte sie spielerisch in der Hand. „Aber ich entscheide mich fürs Training. Vielleicht kannst du ja was lernen." „Große Töne für jemanden, der sich die Haare nach hinten bindet wie ein Hofpoet", konterte sie scharf.
„Und trotzdem würdest du mit mir nie freiwillig sparren, wenn ich nicht auftauche, stimmt's?" Er grinste. Sie verdrehte die Augen – doch ihr Mundwinkel zuckte kurz. Dann gingen sie in Stellung. Die ersten Angriffe waren vorsichtig, abtastend. Ein Spiel von Klinge gegen Klinge, Schritten im Sand, rhythmischem Atmen. Doch mit jedem Schlag, jedem Ausweichen, wurde das Tempo schneller. Verak sprach dabei die ganze Zeit – typische Verak-Manier. „Du lässt zu viel offen links – Freya, deine Schulter – konzentrier dich – der Feind wartet nicht, bis du mit dem Kopf zurück bist." Sie fauchte zurück: „Wenn du still wärst, wäre das einfacher." „Ach so, der Feind schweigt also höflich? Gut zu wissen."
Dann – sein Fehler. Er öffnete den Mund, wollte gerade wieder etwas sagen, als Freya ihre Chance sah. Sie ließ sich absichtlich einen Moment zurückfallen, ließ ihn glauben, sie sei im Rückzug – dann wirbelte sie mit einem Tritt herum, fegte sein Bein weg, und brachte ihn zu Boden. Sand stob auf, Verak landete hart auf dem Rücken. Bevor er reagieren konnte, kniete Freya schon über ihm, ihre Klinge sanft an seinem Hals, ihre Augen blitzend vor Triumph. „Du darfst nicht abgelenkt sein", sagte sie leise, mit einem kecken Grinsen.
Verak blinzelte, dann brach er in ein kurzes, raues Lachen aus. „Verdammt. Du hast mich mit meinen eigenen Worten geschlagen." „Und das fühlt sich hervorragend an", entgegnete sie. Für einen Moment sagten beide nichts. Der Sand legte sich langsam wieder, die Nacht hüllte sie in eine fast unnatürliche Ruhe. Nur das leise Rauschen der Blätter im Wind begleitete ihre Nähe. Sie sahen sich an – zu nah, um neutral zu bleiben, zu still, um es nicht zu spüren. Freya wollte gerade zurückweichen, da sagte er leise: „Vielleicht solltest du öfter nachts trainieren. Du bist gefährlich, wenn du niemandem etwas beweisen willst." Sie senkte ihre Klinge. „Und du solltest öfter den Mund halten. Dann bleibst du auch mal stehen."
Sie stiegen beide auf. Doch etwas blieb. Etwas Unausgesprochenes zwischen ihren Blicken, in der Art, wie sie sich kurz zu lang in die Augen sahen.