31.Kapitel | Throwback

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//Frühjahr 2026 // Mila//

Immer und immer wieder sah ich alles genau vor mir. 
Wie ich mit Lars in unserem Schlafzimmer gesessen und ihm all meine Ängste und Sorgen anvertraut hatte.
Dann die Schmerzen - wie ein Messer im Unterleib. Das Zittern, der kalte Schweiß, das Zusammensacken. 
Und immer wieder hatte ich Lars' Stimme im Ohr ... "Mila? Mila, alles gut?" 

Mittlerweile waren einige Wochen seit den traumatischen Vorkommnissen vergangen, aber mein Körper und vor allem meine Seele knabberten schwer daran, all das zu verarbeiten.

Wie so oft schreckte ich mit ebendiesem Schweißfilm und Zittern aus dem Schlaf hoch, schnappte panisch nach Luft. Seit dem Vorfall passierte dies regelmäßig - seither hatte ich keine ruhige, erholsame Nacht mehr erlebt und begann, Panikattacken zu entwickeln. Sobald ich die Augen schloss, fing der Film vor meinem inneren Augen immer wieder von vorne an. Und ich hasste mich dafür. 
Leise schlich ich in Richtung Wohnzimmer, legte mich mit einer Wärmflasche auf die Couch und sah der Sonne dabei zu, wie langsam Frankfurt aufweckte. Irgendwann kam Lars auch aus dem Schlafzimmer geschlurft. "Hey, du bist ja schon wach", stellte er überrascht fest. "Konnte nicht mehr schlafen", murmelte ich leise. Er kam auf mich zu und gab mir einen langen Kuss auf die Stirn. "Albtraum?", fragte er ebenso leise zurück, während meine Antwort nur ein stummes Nicken in seine Richtung war. Lars' Augen waren in diesem Moment der Spiegel meiner Seele - so voller Schmerz und Trauer. Und keiner von uns beiden war in der Lage, dem anderen auch nur ansatzweise diesen Schmerz zu nehmen. "Komm nochmal mit ins Bett, Mila. Es ist Sonntag und wir haben keine Pläne - perfekt für einen langen Morgen im Bett", er streckte mir seine Hand hin und sah mich erwartungsvoll an. "Okay", ich nickte vorsichtig. Eine Hand hielt die Wärmeflasche am Unterleib fest, während die andere nach Lars' Hand griff. 

// Lars//

Ich bemerkte genau, wie bei Mila wieder das Zittern und die Kälte einsetzte.
Wie sie anfing, nach Luft zu schnappen.
Und dass sie sich ganz leise, weil sie mich nicht wecken wollte, aus dem Zimmer in Richtung Wohnzimmer schlich. 

Es brach mir jedes Mal aufs Neue das Herz, sie mit diesem Schmerz zu sehen und nichts tun zu können.
Weil sie sich Stück für Stück mehr verschloss. Vor mir. Vor ihr. Vor dem Geschehenen. 
Doch so einfach wollte ich sie nicht aufgeben. 
Ich würde kämpfen. Um sie. Um mich. Um uns und unsere Beziehung. 

Doch war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, dass es nie wieder ein "Wir", wie wir es mal waren, geben würde. 

Dass ich Mila am verlieren war.

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