8.Kapitel

276 7 0
                                    

//Emilia//

„Ich möchte nach Hause", nuschelte ich irgendwann an Kathis Schulter. Sie stimmte mit einem stummen Nicken zu und wir brachen Richtung Neustadt auf. Unterwegs gab Kathi Marco bescheid, dass er sich keine Sorgen machen brauche und bestimmt den Vorfall mitbekommen habe, weshalb wir gegangen sind.
Daheim genehmigten wir uns noch ein, zwei Bier. „Warum müssen alle Männer immer so scheiße sein?", mittlerweile war auch ich ziemlich betrunken, aber das meinte ich genauso. Und wieder liefen mir dabei die Tränen über die Wangen, während ich mit meinem Kopf auf Kathis Beinen lag. Sie strich dann und wann ganz sanft über meine Haare. "Weißt du Mila", setzte sie leise an, "jeder Mensch verarbeitet eine Trennung anders. Ich denke, er meint das alles gar nicht so. Aber eine Sache weiß ich ganz genau, nämlich, dass du irgendwann dein Glück mit dem richtigen wirklich finden wirst." "Und ich weiß, dass ich dich liebe", brummte ich noch, ehe ich auf der Couch einschlief.

Als ich am nächsten Tag aufwachte, war es bereits zwölf Uhr mittags. Mir brummte ganz schön der Schädel und mein Kreislauf war quasi auch noch nicht vorhanden. Ich wollte aufstehen, aber das gelang mir nur semi. "Ich bin zu alt für den Scheiß!", lachte ich schief, als auch Kathi wieder unter die Lebenden trat. "Nicht nur du!" "Siehst du beschissen aus!", sagten wir dann wie auf Kommando gleichzeitig und prusteten los. 

Wir verbrachten den ganzen Tag auf der Couch und schauten Netflix. Abends bestellten wir noch uns noch alles mögliche an Essen. "Oh das wird das Essen sein!", sagte Kathi als es klingelte und schälte sich von der Couch, um Richtung Haustür zu schlurfen. "O...oder auch nicht", hörte ich sie deutlich genug murmeln. Ich ging zu ihr und traute meinen Augen nicht. "Ich geh dann mal kurz ins Badezimmer", flüsterte Kathi und ging davon. Eigentlich wollte ich im selben Moment die Türe zuschlagen, doch Wincent war schneller und stellte seinen Fuß dazwischen.

"Mila bitte! Darf ich kurz reinkommen?"

Immer diese unschuldigen Blicke! Aber nicht mit mir. Ich seufzte.

"Ehrlich gesagt wüsste ich nicht warum." Mit vor der Brust verschränkten Arme blieb ich im Türrahmen stehen.

"Weil es mir leid tut! Ich hab gestern zu spät gemerkt, dass ich dich wahrscheinlich mit meiner Aktion und dem was Marco dir erzählt hat verletzt habe. Aber ich war jedes mal stockbesoffen und es hat rein gar nichts mit mir gemacht. Im Gegenteil ... ich hab mich hinter her immer leer und ausgekotzt gefühlt!" Er redete sich um Kopf und Kragen, irgendwie war das süß.

"Ehrlich gesagt, habe ich gerade gehörig die Schnauze voll von Männern und die ständigen Erklärungen, Entschuldigungen wie auch immer. Ich meine, gut das du all das erkannt hast ... Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Aber lass mich dir auch sagen, dass das alles noch ein verdammt langer Weg ist. Melde dich erst wieder bei mir, wenn du weißt was und wenn du willst!"

Damit knallte ich ihm endgültig die Tür vor der Nase zu.

//Wincent//

Und damit hatte ich es wieder einmal erfolgreich verbockt. Wobei, kann man überhaupt etwas verbocken, wenn es noch gar nicht richtig angefangen hatte? Aber auch ich hatte von Anfang an diese Spannung zwischen uns bemerkt und wollte zu schnell zu viel.

Ich versuchte all das erstmal hinter mir zu lassen und fuhr wieder nach München. Schließlich war es an der Zeit die Proben für die Sommertour zu starten. Doch immer wieder schwirrte Mila mir durch den Kopf. Ihre Gänsehaut, wenn ich nah bei stand, ihr zartes Parfum.

Irgendwie musste ich das wieder gerade biegen und während ich den Sommer in vollen Zügen genoss und geile Konzerte gab, kam dämmerte mir auch schon langsam eine Idee. Ich würde Mila bestimmt nicht so schnell aufgeben. Auch wenn ich sie noch nicht wirklich kannte und es ein mehr als holpriger Start war. Doch irgendwas war da zwischen uns.
Über Yvonne kam ich mit der Zeit immer besser hinweg, auch dank einer Therapie, die ich noch in München gestartet hatte.

An WunderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt