32.Kapitel

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"...ich hab die Box gefunden ... Kathi kam rein ...  hat erzählt wie tief der Schmerz noch in dir sitzt" 
In diesem Moment riss die Narbe, welche schon vor einigen Wochen kleine Risse bekommen hatte, endgültig in einem Rutsch auf. "Und weiter?", flüsterte ich ganz leise und forderte ihn auf, alles zu erzählen. "Nichts weiter. Ich ... ich hab die Box gefunden und wusste nicht, wie ich mit dir darüber reden sollte", erklärte er ruhig, meine Hände weiter in seinen. Es versetzte meinem Herz zusätzlich einen Dämpfer, hatte ich doch gehofft, er würde mir von den Texten erzählen. "Wincent ...", fing ich mit zitternder Stimme an, "ich kann dir nicht böse sein, oder sauer auf dich", ein Funken Hoffnung leuchtete in seinen Augen auf, während mein Blick zu unseren Händen wanderte. Meine Stimme wurde mit jedem Wort leiser und brüchiger, "aber ich bin enttäuscht und traurig, dass du nicht mit mir geredet hast." Noch einmal holte ich tief Luft, ehe ich das, was mir Angst bereitete, aussprach. "Weißt du, ich hab die Texte in deinen Hosentaschen gefunden." Dabei drehte ich mich, ohne Wincent anzuschauen, weg Richtung Kommode und holte die gefalteten Zettel hervor. Wincent schien ebenso enttäuscht über mich, wie ich über ihn. Nun löste sich auch bei ihm aus dem Augenwinkel eine Träne.
"Warum hast du mir nichts davon erzählt?", warf ich ihm leise vor. "Ich mein ... was hat das zu bedeuten? Hängst du noch an ihr?" Bei mir brachen nun alle Dämme und die Tränen liefen über meine Wangen. 

Wir redeten noch lange über all das. Wincent war mitten in den Arbeiten zum neuen Album angekommen - die Vergangenheit holte ihn dabei ein und er verarbeitete seine Gefühle komplett in diesen Liedern. Es war also ein Abschied. Von der Vergangenheit, von Yvonne. Und ein Lichtblick nach vorne.
Ich erzählte ihm noch von meinen Panikattacken, der Therapie und den depressiven Verstimmungen. Auch wenn ich in Therapie gewesen war, war all das noch immer ein Teil von mir. Und ab und an leider immer noch die ein oder andere Panikattacke.

Mittlerweile saßen wir Arm in Arm im Bett und sahen schweigend aus dem Fenster, während leise Schneeflocken vor eben diesem tanzten. Ich genoss jede Sekunde dieser Umarmung, Wincents Arme fest um mich geschlungen. Mein Kopf lehnte an seiner Brust, sein Herz schlug langsam aber intensiv. "Wincent?", murmelte ich in die Stille hinein. Er hob den Kopf so, dass wir uns in die Augen sehen konnten. Fragend schaute er mich an. "Versprich mir, dass du nie gehst!", wieder war da ein leichtes Zittern in meiner Stimme und feuchte Augen. "Niemals werde ich gehen, Mila, versprochen!", antwortete er und gab mir einen sanftes Kuss auf die Stirn. Das erste Mal seit Tagen schaute ich ihn so voller Liebe an und er mich. Er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht, lies seine Hand auf meiner Wange ruhen. Und endlich, endlich trafen sich unsere Lippen wieder. Mich durchströmte wie ein Blitz, eine unbeschreibliche Wärme und eine Gänsehaut kribbelte über meinen Körper. Endlich waren da wieder diese liebevollen, weichen und warmen Lippen. Und in diesem Moment, nach diesem Gespräch wusste ich, dass wir zusammen alles schaffen würden.

Irgendwann klopfte es ganz leise an unserer Tür und Kathi steckte vorsichtig den Kopf hinein. "Hey ihr zwei! Wenn ihr möchtet, steht unten Abendessen bereit. Wir haben Fondue vorbereitet." Sachte hob ich meinen Kopf an, um zu Kathi schauen zu können. Unsere Blicke sagten mehr, als Worte es je hätten tun können. In ihrem Blick sah ich, dass sie froh und erleichtert war, dass wir alles geklärt hatten, und auch ein wenig Stolz. 
Seit Wincent hatte sich viel bei mir verändert. Meine hohe emotionale Mauer bröckelte - auf positive Weise - mit jedem Tag, den ich mit ihm war. Mit ihm konnte ich meine Gefühle viel eher zu lassen und brauchte mich nicht dafür zu schämen. "Ja, gerne", sagten wir im Chor und unsere Mägen gaben im Einklang ein Knurren von sich.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Aug 31, 2025 ⏰

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