10.8. Psychologische Kriegsführung

72 8 30
                                        

Ich wollte zu diesem Thema ein einzelnes Kapitel haben, weil psychologische Kriegsführung ja sowohl in Duellen als auch in Schlachten und Belagerungen angewendet wird und ich es etwas schade finde, wenn das alles im Text verstreut ist.

Zunächst einmal: Was ist das Ziel von psychologischer Kriegsführung?

Sie soll den Feind im besten Fall so sehr einschüchtern, dass man schon vor dem eigentlichen Kampf gewonnen hat! Natürlich funktioniert das nur in den wenigsten Fällen, aber trotzdem kann die Einschüchterung des Feindes helfen, um den Kampf zu gewinnen. Ein verängstigter Krieger ist schon halb besiegt.

Fangen wir mit den leichtesten Sachen an: Selbst das Aussehen der Krieger, also deren Rüstung oder Körperbemalung, kann schon helfen, um dem Feind Angst einzujagen. Alles, was nicht nach Mensch aussieht, ist durchaus von Vorteil. Noch besser ist es, wenn man aussieht wie etwas, das vom Feind verehrt oder stark gefürchtet wird. Im ersten Fall fragen die feindlichen Krieger sich, warum ihr Gott auf der Seite des Feindes kämpft, und trauen sich vielleicht nicht, ihn anzugreifen, weil sie seine Rache fürchten. Im zweiten Fall haben sie einfach nur Angst. Stellt euch vor, ihr seid ein stark gläubiger Christ und plötzlich taucht vor euch etwas auf, was wie ein wahrhaftiger Dämon aussieht. Würdet ihr dann trotzdem noch kämpfen? Wahrscheinlich eher nicht, denn er ist viel stärker als ihr und würde euch wahrscheinlich sofort töten.

Ein gutes Beispiel hierfür findet sich in der Serie »Viking«, also...

SPOILER ZU STAFFEL 5 EPISODE 3 VON »VIKINGS«!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

In dieser Serie geht es, wie man schon am Titel erkennt, um Wikinger. Ivar der Knochenlose nimmt in dieser Episode an einer Schlacht in einer Stadt teil. Dabei wird er jedoch von seinem Wagen gestoßen und da seine Beine gelähmt sind und er alleine ist, kriecht er vor seinen Wagen, setzt sich dort hin und fängt an zu schreien. Er lacht auch und brüllt Sachen auf Altnordisch, die seine Feinde, die Christen, nicht verstehen. Zusätzlich ist er noch blutüberströmt und sieht allgemein etwas irre aus. Ein Pfeil, der auf ihn geschossen wird, verfehlt ihn, was er scheinbar sehr lustig findet. Und obwohl er alleine und quasi hilflos ist, trauen die Christen sich nicht, ihn anzugreifen. Sie denken mit großer Wahrscheinlichkeit, dass er von einem Dämon besessen ist, und mit denen ist nicht zu spaßen. Ihr Zögern und ihre Angst halten sie so lange zurück, bis Ivars Verstärkung ankommt.

SPOILER ENDE!!!!!!!!!!!

Der Glauben kann übrigens auch eine psychologische Waffe sein. Wie gesagt: Niemand möchte gegen einen Gott kämpfen. Aber wenn der Gott auf der eigenen Seite kämpft, ist der Sieg ja wohl sicher, oder? Es gab so einige Feldherren, die sich zum Gott oder Halbgott ausgerufen haben. Einige haben sogar absichtlich irgendwelche »Zeichen« gefälscht oder uralte Prophezeiungen »gefunden«, die beweisen sollten, dass sie wirklich ein Gott sind. Und natürlich folgt man dem Gott als gläubiger Soldat dann auch bis in den Tod.

SPOILER ZU »DAS LIED VON EIS UND FEUER« VON GEORGE R. R. MARTIN!!!!!!!!!!!

Stannis Baratheon ist der ältere Bruder des verstorbenen Königs und möchte jetzt selbst König werden, weil er erfahren hat, dass die offiziellen Kinder seines Bruders gar nicht von ihm sind. Das bedeutet, das Stannis der nächste in der Thronfolge ist. Aber er hat kaum Soldaten und es gibt noch ein paar weitere, die den Thron haben wollen. Also, was macht er? Richtig, er holt eine Priestermagierin zu sich, kramt eine uralte Prophezeiung hervor und fälscht die Zeichen, die darin beschrieben werden. Damit ist er nicht nur der prophezeite Held und Erlöser, sondern auch gleich der Herrscher der gesamten Welt.

SPOILER ENDE!!!!!!!!!!!!

Allgemein verunsichert es den Feind auch sehr stark, wenn man trotz Unterzahl oder einem deutlichen anderen Nachteil vollkommen selbstbewusst und entspannt aussieht. Ohne Rüstung in eine Schlacht zu ziehen, ist natürlich ziemlich dumm, aber bei einem Duell würde das zum Beispiel mächtig Eindruck machen. Der Gegner denkt sich dann: »Wtf? Ist er wirklich so gut, dass er denkt, er bräuchte gegen mich keine Rüstung?« Und direkt ist er verunsichert. Voraussetzung dafür, dass so etwas funktioniert, ist natürlich immer, dass man auch selbstbewusst und sicher rüberkommt.

Schreibtipps & -tricksWo Geschichten leben. Entdecke jetzt