Schatten der Dienerschaft

588 26 1
                                        

Ich lag auf meinem Bett und betrachtete die Klebesterne an der Decke, meine Mum hatte sie angebracht, während ich in Hogwarts war, es sah aus wie mein Zimmer bei Oma.
Hier war alles wie immer, die Wände creamweis, die Slytherinflage über dem Bett, dazu die passende Bettwäsche, der helle Schreibtisch, mit einem Laptop darauf. Der Kleiderschrank, daneben mein Koffer, ein kleiner Fernseher und das Handy am Ladekabel.
Wie ein Muggelzimmer, auf den ersten Blick.
Wären da nicht die Bücher im Regal, die Aufschriften hatten, wie "Verwandlung für Fortgeschrittene", "Animagie für Einsteiger", "die Kunst der Zaubertränke" und auch der Zauberstab aus Hasselnussholz, der auf dem Nachtisch lag, verriet das es das Zimmer einer Hexe war.
Auf dem Schreibtisch liegen einige Briefe, ein Paar von Freunden, wobei dass sehr wenige sind, mit Nata und ihren Freunden schreibe ich per WhatsApp, die meisten sind von Draco Malfoy, meinem Freund.
Wir hatten uns in den vergangenen zwei Wochen noch nicht gesehen, was ich verstehen kann, da sein Vater gerade verurteilt wurde.

Liebste Lizi,
Du fehlst mir entsetzlich! Tante Bellatrix stapft ständig durchs Haus und nervt mich, sie huscht um Mum herum und nervt sie mit unwichtigen Dingen. Immer wieder redet sie davon, das das so schlimm alles nicht ist, mit Dad im Gefängnis, das der Tag der Rache kommen wird.
Sie haben einmal auch über dich geredet, ich habe lange überlegt, ob ich dir das schreiben kann. Aber ich muss ehrlich zu dir sein.
Man überlegt dich anzuwerben, es dir anzubieten, nicht das du eine Wahl hättest...
Ich weis das du das bereits ahnst und mir war es auch schon klar gewesen.
Ich dachte ich sage es dir, damit du dich darauf vorbereiten kannst.
Es ist schwierig, ich verstehe das, aber Bitte überlege gut, du hast Freunde und Familie, vergiss das nicht!
Ich muss jetzt leider aufhören zu schreiben, da meine Tante mich schon wieder ruft.
Ich liebe dich, Lizi und denke immer an dich.
Wir sehen uns baldmöglichst!
Draco

Dieser Brief hielt mich wach, da er bestätigte, was wir Ende des letzten Schuljahres vermutet hatten.
Ich weis das Mum und Dad Todesser sind, nicht weil sie böse sind, sondern weil man nicht einfach damit aufhören kann.
Einmal drin, dienen ein Leben lang oder tot.
Die Entscheidung fällt da recht einfach.
Währe ich alleine würde ich den Tod wählen und ihn freudig entgegen nehmen, den mein Leben ist mir nicht mehr lieb. Ich verabscheue es sogar, aber ich muss Leben für alle um mich herum.
Manchmal fällt es mir schwer aufzustehen, zu laufen, zu essen oder zu atmen. Meine Mum versucht mich krankhaft zu stopfen, aber ich gehe immer nach dem Essen ins Bad, drehe das Wasser auf und kotze. Sie liebt mich und sie weis das etwas nicht stimmt und sicher weis sie auch was auf mich zukommen wird und will mich deshalb mit Liebe überschütten.
Das ich mir die Haare gefärbt habe fand sie nicht so toll, sie hatte sie in ihren Händen gehalten, am ersten Abend zu Hause. "Aber die alte Farbe war doch so schön.", hatte sie gesagt und fast geweint. Ich hatte meine dünnen Arme um sie geschlungen, um sie zu trösten.
Ich fragte mich , ob meine leibliche Mutter sich auch solche Sorgen machen würde. Sicherlich nicht. Die Frau die mich seit dem ersten Jahr immer in den Ferien aufgenommen hatte, war meine Mum. Es störte sie nicht wenn ich Mum sagte und Daphne und Astoria auch nicht.
Das war Familie für mich, trotzdem war ich naher am Absturz.
Nachts lag ich wach, ich kratzte oft meine Haut auf oder weinte unkontrolliert auf meinem Bett.

Ich stand langsam auf, um mir ein Glas Wasser aus der Küche zu holen. Ich war im Flur, als ich Stimmen hörte, Mum und Dad.
Mum klang so als würde sie weinen.
"Es ist sicher ihre Idee gewesen, sie muss Lizi dem dunklen Lord vorgeschlagen haben. Wer sonst hätte daran Interesse?
Bitte John, ich verstehe ja das Draco Hilfe brauchen wird, wenn der dunkle Lord bei seinem Plan bleibt, aber warum meine Lizi?" Mum klang richtig verzweifelt und ich sank auf eine Treppenstufe, als ich Dad hörte.
"Du hast Recht Amanda, aber wir können seine Meinung nicht ändern, er weis wie außergewöhnlich sie ist. Wir können froh sein, dass er sie im Moment nicht für etwas festes vorgesehen hat, nicht wie Draco. Es sammelt Gefolgsleute, solang bis er stark genug ist und Dumbledore nicht mehr im Wege ist. Jeden Tag sterben Menschen und wenn unsere Tochter eine Todesserin werden muss um weiter zu leben, dann ist das wohl das geringste Übel.", Dad war angespannt, klang jedoch sehr sicher. Es traf auf Dracos Brief zu.
Ich beschloss doch nichts zu trinken und in mein Zimmer zurück zu kehren, als Mum anfing laut zu weinen.
Warum ich?
Mir laufen die Tränen beim einschlafen übers Gesicht.

Der Traum den ich habe ist grausam.
Ich liege im kalten Schnee und jemand fickt mich erbarmungslos. Ich kann nicht schreien, aber ich höre andere schreien, meine leiblichen Eltern und ich höre Mum weinen.
Und am kalten Himmel über mir steht das dunkle Mal.
Und ich liege auf dem Boden und blute.
Ich kann nichts mehr tun, nur hören wie alle um mich herum für mich leiden müssen.
Ich höre Draco, in der Ferne immer wieder meinen Namen rufen, ich will ihm antworten, aber es geht nicht.

"Lizi! Lizi auf stehen! Komm schon mein Schatz."
Das ist meine Mum, sie ruf mich und ich schlage die Augen auf.
"Bin wach." Murmele ich immer noch verschlafen und sie betritt mein zimmer, sie sieht ernst und Traurig aus, über dem Arm hält sie ein Kleid und einen Umhang.

Sie legt beides Sorgsam über meinen Schreibtisch stuhl.
"Was ist los?", frage ich sofort.

"Liebes es tut mir so leid." Sie hält mich fest und ich wage nicht mich zu bewegen. "wir müssen gleich zum Anwesen der Malfoys, Dad kann leider nicht mit, aber wir müssen hin." Sie klingt verzweifelt und ich ahne langsam worum es geht.
"Kommen Astoria und Daphne nicht mit?", frage ich hektisch, da ich jetzt in panki gerate.
"Neine, Liebes nur wir beide.", antwortet sie und schaut auf ihre Füße.

"Ich soll eine Todesserin werden oder?"
Stille.

"Oder Mum? So ist es doch, ich hab euch gestern Nacht reden gehört." Sie sieht mich erschrocken an und ich weis das es gemein war das zu sagen.
Dann nickt sie langsam und vorsichtig. Sie beginnt zu weinen, eigentlich will ich auch weinen, aber das geht jetzt nicht, ich muss sie trösten.
"Schon gut Mum, ich schaff das schon. Ich hab dich lieb." Ich muss sie davon überzeugen das ich klar komme, um jeden preis. Also stehe ich auf und nehme mir das Schwarze Kleid, es ist lang und aus glatter Seide, der Umhang ist auch lang und deutlich bauschiger als mein Schulumhang.
Mum sieht mich erschrocken an und ich lächle sie an.
"Ich zieh mich eben an."
Sie nickt stumm und verlässt mein Zimmer.

Wie in Trance ziehe ich das Kleid an und den Umhang darüber, laufe die Treppe hinunter, esse einen Apfel und gehe dann zu Mum. Ich klammere mich an sie und dann, Plop, stehen wir vor dem Tor zum Anwesen der Malfoys.

Es ragt über mich und sein Schatten erdrückt mich fast,

er besiegelt mein Schicksal.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Dienen ein Leben lang,

oder tot.


Slytherin HeartsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt