Teil 11
Die freien Tage waren viel zu schnell auch schon wieder vorbei und nun ist es an der Zeit, dass wir uns wieder integrieren und unser neues Leben richtig starten.
Um Punkt sechs Uhr am Montag morgen ertönt das schrille Geräusch unseres Weckers. Jayce brummt irgendetwas unfreundliches, als der Wecker uns unsanft aus dem Schlaf reisst. Er vergräbt sein Gesicht in seinem Kissen und presst sich jeweiligen Enden auf seine Ohren.
Ich strecke mich erst einmal, um die noch vorhandene Verschlafenheit zu vertreiben und stehe dann gemütlich auf.
Wie ich sicherlich schon mal erwähnt habe, bin ich ein Morgenmensch, was man von meinem Schein-Ehemann jedoch nicht behaupten kann. Ich mache mir erst gar nicht die Mühe denn Wecker abzuschalten. Sonst wird es noch zu meiner Aufgabe den faulen Sack, auch bekannt als Jayce Winston, aus dem Bett zu bringen und darauf habe ich gerade keine Lust. Fröhlich pfeifend, öffne ich meinen Teil von Kleiderschrankes, den Jayce und ich uns teilen, und nehme mir meine Kleidung für heute raus.
Mit den Kleidern unter dem Arm, gehe ich ins angrenzende Badezimmer, um dort zu duschen und mich danach anzuziehen.Knappe zehn Minuten später stehe ich frisch geduscht und angezogen wieder im gemeinsamen Schlafzimmer von Jayce und mir.
Etwas irritiert betrachte ich wie der Wecker immer noch in voller Lautstärke klingelt aber Jayce wie zuvor noch im Bett liegt und anscheinend tatsächlich wieder eingeschlafen ist.
Irgendetwas stimmt doch nicht mit diesem Mann...
Ich verlasse das Schlafzimmer, um die Kinder zu wecken. Bei Dylan funktioniert das ganz gut.
Ich muss ihn nur einmal rufen und schon steht er von selbst auf. Anscheinend bin ich nicht die einzige Frühaufsteherin in dieser neuen Familie.
Bei Grace hingegen stellt sich heraus, dass sie genauso wie Jayce, einfach nicht wachzukriegen ist.
Trotz rufen und den vergeblichen Versuchen sie wach zu rütteln, schläft sie einfach weiter. Einen Moment lang habe ich sogar Angst, dass die kleine tatsächlich gestorben ist, da ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Mensch so tief schlafen kann.
Genervt von den beiden Schlafnasen stampfe ich die Treppe runter in die Küche, in der Dylan schon wartet.
„Dylan willst du mir helfen, die anderen beiden wach zu kriegen?" Frage ich den kleinen Jungen verschwörerisch, vorauf hin er als Antwort einfach nur nickt.
Gut, dann starten wir mal die Mission.
Ich nehme mir zwei Gläser aus dem Küchenschrank und fülle sie mit eiskaltem Wasser.
Mit einer Kopfbewegung deute ich Dylan mir zu folgen und so laufen wir gemeinsam wieder nach oben in Gracys Schlafzimmer.
„So alles was du jetzt machen musst, ist deiner Schwester dieses Wasser über den Kopf zu schütten, danach sollte sie hoffentlich wach sein." Erkläre ich Dylan und drücke ihm eins der beiden vollen Gläser in die Hand.
Ein fieses Grinsen bildet sich auf seinem Gesicht und er kippt den Inhalt des Glases ohne zu zögern komplett über seine Schwester.
Als Gracy erschrocken aus ihrem Bett springt, rennen Dylan und ich kichernd aus dem Zimmer raus.
Draussen klatschen wir uns ab und machen uns auf zum Zimmer neben an, um unser nächstes Opfer zu wecken.
Immer noch grinsend schleichen wir uns an Jayce ran. Dieses Mal bin ich an der Reihe und mit einer schnellen Bewegung schütte ich das Wasser auf Jayce. Er reisst entsetzt seine Augen auf und setzt sich ruckartig auf.
Böse sieht er zu uns und beobachtet wie wir uns erneut ein Hight five geben, um unseren Sieg zu feiern.
„Ihr..." knurrt er bedrohlich und das ist unser Zeichen, sofort von hier abzuhauen.
Schnell flüchten wir aus dem Schlafzimmer und gehen, immer noch lachend, zurück in die Küche.
„Ich würde sagen, wir haben unsere Mission erfolgreich abgeschlossen." meine ich und Dylan stimmt mir zu indem er grinsend nickt.
Ich mag diesen Jungen, auch wenn er vielleicht ein wenig merkwürdig ist.
Ich beschliesse das Frühstück vorzubereiten. Nachdem mir Dylan gesagt hat, was er essen möchte, stelle ich ihm eine Schüssel Cornflakes hin und das Selbe mache ich für Gracy, die immer noch verschlafen aber fertig angezogen, ein paar Minuten später in die Küche schlurft.
Als die beiden Kinder und ich unser Frühstück schon fast beendet haben, beehrt uns auch noch Jayce mit seiner Anwesenheit.
„Du musst dir dein Fruhstück selbst machen, wenn du so spät kommst." Informiere ich ihn.
Wie so oft murmelt er nur irgendetwas vor sich hin und holt sich danach auch eine Schüssel für Cornflakes.
In Rekordzeit isst er sein Essen auf, wünscht den Kinder alles gute für ihren ersten Tag im Kindergarten und macht sich danach mit einer kurzen Verabschiedung auf den Weg zu seiner neuen Arbeit.
Einige Minuten später ist es auch für uns an der Zeit, langsam zu gehen.
„Kommt Kinder, wir dürfen nicht zu spät kommen an eurem ersten Tag!" rufe ich durchs Haus.
Gracy, die noch etwas in ihrem Zimmer geholt hat, kommt schnell die Treppe runter und flitzt an mir vorbei zum Auto.
Von Dylan jedoch ist nichts zu sehen.
„Dylan?" rufe ich nochmal, da er mich vielleicht nicht gehört hat.
Als er dann aber immer noch nicht kommt, drehe ich mich um und frage Grace: „Wo ist dein Bruder, Gracy?"
Als Antwort zuckt diese nur mit ihren Schultern, weshalb ich genervt auf die Suche nach dem Jungen gehe.
Schlussendlich finde ich ihn vollständig angezogen auf der Couch im Wohnzimmer.
„Was machst du denn hier Dylan? Wir müssen los, sonst kommen wir auf jeden Fall zu spät und das macht einen schlechten ersten Eindruck." Ich deute ihm mit einer Handbewegung mir zu folgen doch er reagiert nicht auf mich. Ich seufze und gehe auf ihn zu.
„Was ist los?" frage ich ihn mit einer möglichst beruhigenden Stimme,obwohl ich ihn am liebsten einfach mit zum Auto schleifen möchte.
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Unpünktlichkeit hasse?
„Was wenn die mich komisch finden und mich nicht mögen?" Fragt er mich so leise, dass ich mühe habe, ihn überhaupt zu verstehen.
„Oh." ist mein hilfreicher Kommentar dazu.
Ich brauche erst mal eine Weile um zu überlegen was ich jetzt sagen soll, da ich echt mies im Trösten bin. Vor allem im trösten von Kindern.
„Eh weisst du Dylan, es wird immer Menschen geben, die dich nicht mögen. Aber genau so wird es auch immer Menschen geben, die dich wirklich gernhaben. Ehm... also was ich damit sagen will ist, dass du keine Angst haben musst. Sei einfach du selbst und du wirst mit Sicherheit ein paar Freunde finden." Er nickt verstehend, spring von der Couch und läuft ohne ein weiteres Wort an mir vorbei.
Etwas irritiert sehe ich dem Sechsjährigen nach.
Okay?
Also ich hätte jetzt damit gerechnet, dass er irgendwas darauf antwortet oder fragen stellt, aber was solls. Scheinbar haben meine Worte ja irgendwie funktioniert und wie sagt man so schön: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Schnell eile auch ich zum Auto und nachdem ich gecheckt habe, ob die Kinder angeschnallt sind und wir alles dabeihaben, was wir haben müssen, fahre ich los.Als wir beim Kindergarten angekommen sind, begleite ich die Kinder noch mit rein, da man das als Mutter so macht, denke ich jedenfalls...
Innen angekommen führe ich noch ein kurzes Gespräch mit der Kindergärtnerin.
Recht schnell im Verlauf von diesem Gespräch verabschiedet sich Grace bereits von mir mit einer schnellen Umarmung und einem
„Bis später Mom." Danach läuft sie zu den anderen Kindern, um mit ihnen zu spielen.
Dylan bleibt aber die ganze Zeit über dicht bei mir und versteckt sich halb hinter meinen Beinen.
Nachdem alles geklärt ist und ich mich von der jungen und sehr netten Kindergärtnerin verabschiedet habe, will sie Dylan mit rein zu den anderen nehmen, doch dieser weigert sich strikt dagegen.
„Ich will doch nicht gehen Mom, sie werden mich nicht mögen." meint er eingeschüchtert und klammert sich verzweifelt an mein Bein.
Überrascht schaue ich ihn an.
Das Grace Jayce und mich relativ schnell als ihre Eltern akzeptieren und uns auch so behandeln würde, habe ich schon vermutet. Doch bei Dylan habe ich erwartet, dass er sich schwer damit tun würde, uns als Eltern oder Vertrauenspersonen anzusehen. Immerhin ist er im Vergleich zu seiner Schwester eher der schüchterne und verschlossene Typ und vertraut auch nicht jedem sofort.
Auf irgendeine Weise, die mir vollkommen unbekannt ist, berührt es mich, dass er mich «Mom» genannt hat.
Ich gehe auf die Knie, um mit Dylan auf einer Augenhöhe zu sein und frage: „Weisst du noch, was ich dir gesagt habe, bevor wir losgefahren sind?"
Er nickt.
„Gut, dann weisst du ja auch, dass du nichts zu befürchten hast."
Er scheint nicht so überzeugt zu sein, denn er sieht mich nur zweifelnd an und weigert sich immer noch mit der Kindergärtnerin mit zu gehen.
In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass Dylan ziemlich intelligent ist. Er weiss wahrscheinlich genau so gut wie ich, dass Kinder grausam sein können, in der Art wie sie andere behandeln und es sein kann, dass er hier wirklich keine Freunde findet.
Ich seufze auf und ziehe in ein wenig näher zu mir.
„Okay Dylan, hör mir zu. Du weisst nicht wie etwas ist, bevor du es nicht ausprobiert hast, oder? Ich denke du solltest dem Allem hier eine faire Chance geben, bevor du etwas behauptest, was wahrscheinlich gar nicht stimmt." Damit habe ich ihn dann wie es aussieht doch noch überzeugt. Schüchtern blickt er zur Kindergärtnerin auf, die ihn ebenfalls aufmunternd zunickt. Er umarmt mich nochmal zum Abschied und geht langsam mit der jungen Frau mit.Das was das 3. und somit zweitletzte Kapitel der Lesenacht.
Ich hoffe es gefällt euch 😊
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My new life
ChickLitStell dir vor: Dein Leben ist einfach nur perfekt. Alles verlief genau so, wie du es immer wolltest. Doch dann findest du heraus, dass dein Nachbar ein kranker Psychopath ist und noch dazu der Anführer einer der grössten Strassengangs des Landes. ...