Teil 32
„Ich wusste nicht, dass du so gute Ohrfeigen verteilen kannst." Meinte er und ein breites Grinsen schleicht sich auf seine Lippen.
Er legt seine Hände auf meine Wangen, um mir sanft die Tränen wegzuwischen.
„Ich kann mich besser verteidigen, als du vielleicht denkst." Erwidere ich und geniesse gerade einfach nur seine Berührungen, die meine Haut kribbeln und die Schmetterlinge in meinem Bauch ein Party feiern lassen.
„Es tut mir leid." Haucht er und legt seine Stirn an meine.
„Ich wollte dich und die Kinder nie verletzten und dennoch habe ich keinen anderen Weg gesehen..." Ich lege meine Hände sanft auf die seinen, die immer noch auf meinen Wangen liegen.
„Ich weiss, Jayce, aber jetzt ist alles vorbei und das nächste Mal, wenn du irgendein Problem hast, kommst du einfach zu mir und wir finden zusammen eine Lösung." Sage ich woraufhin er sich plötzlich wieder von mir entfernt. Er tritt einen Schritt zurück und nimmt seine Hände von meinen Wangen. Sofort vermisse ich seine Wärme und das Gefühl von seiner Haut auf meiner.
„Nein, Kaitlyn, es ist noch nicht vorbei..." verwirrt runzle ich die Stirn.
„Isaac Morris, aber ich denke Sie bevorzugen es Jayce Winston genannt zu werden, richtig?" Fragt plötzlich Nicki und reicht Jayce ihre Hand. Ich habe gar nicht bemerkt, wann sie zu uns gekommen ist, aber eigentlich ist das ja klar, immerhin hatte ich anderes zu tun, als auf sie zu achten.
Mit einem kritischen Blick betrachtet mein Ehemann die junge, blonde Frau, bevor er ihr schliesslich doch noch die Hand schüttelt.
„Ich bin Special Agent Baker und ich muss Sie darüber informieren, dass falls Sie den Plan, ihren Vater zu befreien, weiterhin ausführen wollen, ich sie jetzt auf der Stelle verhaften werde." Meinte sie so, als ob sie mit ihm über ein falsch parkendes Auto spreche würde.
„Ich habe keine andere Wahl, Special Agent Baker. Sie werden meiner Frau und meinen Kindern etwas antun, wenn ich sie jetzt erneut hintergehe und das kann ich nicht zulassen. Lieber verrotten ich im Gefängnis." Meint er in dem genau gleichen sachlichen Tonfall.
„Ich weiss und deshalb will ich auch, dass Sie mir sagen, wo ich ihre Brüder finden kann, um sie festzunehmen. Wir werden Sie dort auch selbstverständlich auch verhaften, damit der Verdacht, dass Sie ihre Familie verraten haben, nicht ganz so offensichtlich bewiesen ist. Somit versuchen wir Sie und ihre Familie aus dem Zeugenschutzprogramm zu beschützen." Erklärt Nicki ihm und er runzelt nachdenklich die Stirn.
„Also soll ich euch sagen, wo wir uns als nächstes treffen, damit Sie uns alle zusammen festnehmen können, um mich nachträglich wieder laufen zu lasen. Versteh ich das richtig?" Fragt er nach und Nicki nickt zur Bestätigung.
„Der Verdacht wird dennoch auf mich fallen und falls was schief geht oder sie irgendwann doch ausbrechen können, sind wir in einer noch viel grösseren Gefahr als wir es bisher waren." Wendet er skeptisch ein.
„Wir werden sagen, dass wir euch nur verhaften konnten, weil irgend eine andere Person einen Fehler gemacht hat. Ausserdem wird keiner in das selbe Gefängnis kommen und jeglicher Kontakt zueinander oder zu anderen wird ihnen untersagt." Jayce ist ganz offensichtlich noch nicht wirklich überzeugt vom Plan der Polizistin.
„Und wer soll diese Person sein, die einen Fehler gemacht hat?" Fragt er und Nicki erwidert nur schulterzuckend: „Ich weiss es nicht, sagen Sie es mir."
Jayce überlegt eine Weile und sagt dann: „Mein Bruder, Glenn, sollte heute noch jemanden auf unsere Seite ziehen, zur Unterstützung. Niall Pritcher, so heisst der Typ. Wenn ihr sagt, dass er Glenns Informationen gegen uns verwendet hat, indem er damit zu Polizei gegangen ist, könnte es klappen. Glenn war nie wirklich gut im Umgang mit Menschen und Pritcher ist ein Arschloch, den Tim nur mit an Bord nehmen wollte, weil es uns mehr Sicherheit für den Erfolg des Ausbruchs gegeben hätte."
Nickend schreibt die Polizisten alles Wichte, was Jayce gesagt hat, auf einen Zettel.
„In Ordnung, wir werden es ihren Brüdern genau so erzählen."
Jayce ist immer noch nicht überzeugt von der ganzen Sache. Er hat seine Arme vor der Brust verschränkt und die Stirn gerunzelt.
„Meine Brüder, oder eigentlich nur Tim, ist nicht dumm. Er wird diese Schauspiel höchstwahrscheinlich durchschauen." Gibt er zu bedenken.
„Naja, so leid es mir auch tut, aber Sie haben keine andere Wahl, Mr. Winston."
Er seufzte niedergeschlagen und nickt.
„Ich weiss... ich glaube, ich sollte mich langsam auf den Weg machen, nicht das meine Brüder noch misstrauisch werden wieso das hier solange dauert."
Bei seinen Worten, habe ich auf einmal das Gefühl, als ob sich mein Herz schmerzhaft zusammen ziehen würde.
Er wird wieder gehen und alleine der Gedanke daran schmerzt. Auch wenn ich weiss, dass es nicht lange dauert, bis ich ihn schon wieder sehen werde und sogar mit ihm Nachhause gehen kann.
„In Ordnung. Nun müssen Sie mir nur noch sagen, wo wir euch verhaften können. Ach und brauchen Sie noch etwas, damit es so aussieht, als ob Sie ihren Auftrag hier erledigt haben?" Fragt Nicki und reisst mich aus meinen Gedanken.
„Wir treffen uns in etwa drei Stunden beim Hauptbahnhof, für eine kurze Lagebesprechung und da unser Plan sowieso bald vereitelt wird, werden meine Brüder auch nicht erfahren, dass ich meine Aufgabe nicht gemacht habe."
Verwirrt runzle ich die Stirn. Ich habe zwar absolut keine Ahnung von Ausbrüchen und anderem illegalem Zeugs, aber ich bin mir relativ sicher, dass es nicht klug ist am helllichten Tag, beim Hauptbahnhof eine Lagebesprechung abzuhalten.
„Wieso tut ihr das beim Hauptbahnhof? Habt ihr nicht irgendein geheimes Hauptquartier, wo ihr das tun könnt?" Frage ich ziemlich unpassend, da Nicki und Jayce bereits dabei sind weiter Details der Festnahme zu besprechen. Dementsprechend verwirrte Blick erhalte ich von beiden.
„Wo versteckst du am besten einen Baum?" Stellt mir Jayce eine Gegenfrage. Irritiert schüttle ich den Kopf. „Was ist das den für eine Frage? Und was hat sie mit meiner Frage zu tun?"
Er lacht nur und schliesst mich liebevoll in seine Arme. Augenblicklich kuschle ich mich an seine starke Brust und fühle mich sofort wohl.
„Einen Baum versteckt man am besten in einem Wald. Am Hauptbahnhof sind immer extrem viele Menschen unterwegs, so viele dass drei weitere Personen gar nicht auffallen. Ausserdem ist ein Hauptbahnhof nicht umbedingt der Ort, an dem die Polizei ihre Verbrecher sucht."
Das was er sagt, ergibt durchaus Sinn, aber die Antwort auf meine Frage ist mir längst nicht mehr wichtig. Ich geniesse einfach nur seine Nähe.
„Ich muss jetzt gehen, nicht dass sie mich noch suchen kommen." Murmelt Jayce in meine Haare und drückt mich stärker an sich.
„Du kommst aber wieder, oder?" Hauche ich und sehe zu ihm auf, direkt in seine wunderschönen, sturmgrauen Augen. „Natürlich. Ich liebe dich, Kaitlyn, deshalb werde ich auch immer wieder zu dir zurück kehren, versprochen."
Ich muss lächeln und nähere mich langsam seinem Gesicht.
„Ich liebe dich auch, Jayce. Glaub mir, du wirst mich nie wieder los." Flüstere ich gegen seine Lippen.
„Das will ich aber auch hoffen." Meint er und überwindet die letzten Millimeter zwischen uns.
Das Gefühl, welches dieser Kuss in mir auslöst, ist einfach unglaublich. Überall wo er mich berührte scheint meine Haut förmlich zu brennen. Ich kann nicht mehr klar denken, alles in mir schreit nur noch nach Jayce und seinen Berührungen.
„Ehm... also ich störe ja nur ungern diesen romantischen Augenblick, aber Sie sollten sich vielleicht mal auf den Weg machen..." unterbricht uns Nicki leicht verlegen.
Widerwillig beenden wir unseren Kuss.
„Ich bin schon bald wieder bei dir und dann gehen wir zusammen zurück zu unseren Kindern." Sagt er und drückt mir einen letzten, sanften Kuss auf die Lippen, bevor er sich endgültig von mir löst. Mit einem letzten Blick zu mir, verlässt er die Feuerwehrwache und macht sich auf den Weg zu seinen Brüdern.
„Wir sollten auch wieder zurück zum Hauptquartier." Meint Nicki nach einer Weile, in der wir einfach nur auf dem Vorhof der Feuerwehrwache stehend, Jayce hinterher geschaut haben. Ich nicke und folge ihr zu ihrem Auto.Wie schon bei der Hinfahrt lasse ich sie nicht ans Steuer und fahre selbst. Dieses Mal stimmt sie sogar zu, ohne irgendetwas dazu zu sagen.
In Gedanken immer noch bei Jayce fahre ich zurück zum Hauptquartier.
„Er scheint nett zu sein." Meint Nicki plötzlich, als ich gerade rückwärts einparke.
„Wer?" Frage ich so intelligent wie ich nun mal bin.
„Na dein Ehemann!" Lacht Nicki und steigt aus dem Wagen. Ich tu es ihr gleich und gemeinsam laufen wir zu den Fahrstühlen.
„Ja natürlich, wer den sonst?" Schmunzle ich über meine eigene Verpeiltheit und drücke den Knopf für den zweiten Stock, in dem sich Nicki und Ians Büros befinden.
„Keine Sorge, es wird alles gut und in wenige Stunden kannst du wieder mit ihm in aller Öffentlichkeit rumknutschen."
Lachend boxe ich meine Freundin spielerisch gegen die Schulter.
„Du bist doch nur eifersüchtig."
Plötzlich wird ihr Gesicht wieder ernst. „Du hast gerade eine Polizistin geschlagen. Das ist Körperverletzung und dann auch noch bei einem Beamten! Weiss du, was das für Folgen haben wird?"
Ich spiele mit und sage flehend: „Nein, bitte Agent Baker ich habe einen Mann und zwei Kinder. Sie dürfen mich nicht ins Gefängnis stecken!" Sie kann ihr Pokerface nicht länger aufrecht erhalten und bricht in lautes Gelächter aus und auch ich musste erneut lachen.
Wir lachen immer noch, als sich die Fahrstuhltür im zweiten Stock öffnet, doch kaum haben wir aufgesehen, vergeht uns beim Anblick der Person, die dort direkt vor uns steht, das Lachen wieder.
„Wo wart ihr?" Fragt Ian so kühl, wie ich es noch nie erlebt habe.
„Bei der Feuerwehrwache." Sagen Nicki und ich genau gleichzeitig.
„Wieso hat mir niemand Bescheid gegeben?" Will er wissen und betrachtet uns beide immer noch mit seinem strengen Blick.
„Du hattest doch das Gespräch mit deinem Boss, deshalb wollten wir dich nicht stören und es ist ja nichts passiert." Sage ich schnell, um ihn ein wenig zu besänftigen.
Er seufzt auf und ich kann sehen wie seine Wut langsam wieder verfliegt.
„Ich hab mir Sorgen um euch gemacht..." beginnt er doch, sieht dabei aber nur mich an.
„Wir waren dort nicht nur zum Spass, wir haben gearbeitet und jetzt müssen wir uns beeilen, wir haben nur noch zwei Stunden um alles am Hauptbahnhof vorzubereiten." Ruft Nicki aufgeregt und drückt sich an Ian vorbei, um wahrscheinlich zum Boss zu gehen und ihr von dem Fortschritt und der bevorstehenden Festnahme zu erzählen.
„Was hab ich verpasst?" Fragt mich Ian verwirrt, als Nicki verschwunden ist.
Ich hole tief Luft und beginne damit für ihn die letzten Stunden zusammenzufassen.
„Also hör gut zu...."Hier ist der erste Teil der Lesenacht. ❤️
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My new life
ChickLitStell dir vor: Dein Leben ist einfach nur perfekt. Alles verlief genau so, wie du es immer wolltest. Doch dann findest du heraus, dass dein Nachbar ein kranker Psychopath ist und noch dazu der Anführer einer der grössten Strassengangs des Landes. ...