Warum eigentlich nicht? Sag mal, bist du jetzt eigentlich völlig von allen guten Geistern verlassen, Florian? Dieses Mädel kommt hier rein gelaufen, entlockt dir all das, was du so lange mühevoll geheim gehalten hast und jetzt willst du dich auch noch auf sie einlassen. Wie beeinflussbar die eigenen Gefühle einen machen konnten. „Geht schon." sagte ich kalt, schob Mariella von mir weg und stand auf. Verwirrt blickte sie mich von unten an, mit diesem typischen Hundeblick. Abartig, wie sie mich versuchte um den Finger zu wickeln. Hastig griff ich nach meinen Sachen, wobei ich versehentlich die Kunstrose umstieß, die stilvoll in der Mitte des Tisches platziert worden war. Ich stellte sie schnell wieder auf. Um das schlanke Glas herum lagen jetzt unzählige von diesen kleinen Deko-Steinchen, aber das war ja jetzt nicht mehr mein Problem. Den Sinn von den Dingern hatte ich sowieso noch nie verstanden. Ich hastete zur Tür. Auf dem Weg nach draußen warf ich mir meinen Mantel über, was ziemlich bescheuert ausgesehen haben musste. Mit einem Laptop in der Hand machte es sich nicht ganz so gut, einen zielstrebigen und siegessicheren Eindruck zu hinterlassen. Durch einen energisch festen Griff an meinem Oberarm wurde mein Vorhaben weiterhin gestört. Und ich hatte schon gedacht ich könnte einen kunstvollen, filmreifen Abgang hinlegen. Genervt und irgendwie neben mir stehend drehte ich mich um. Vor mir stand Mariella, die mindestens eineinhalb Köpfe kleiner war als ich und mich am Arm festhielt. "Was soll denn das jetzt?" fragte sie auf eine Art, die nicht wirklich zu ihr passte, insofern ich das bis jetzt einschätzen konnte. "Wie? Was soll das? Du kennst mich doch gar nicht. Vielleicht bin ich immer so." keifte ich zurück. Natürlich war ich nicht immer so, aber ich hatte viel zu viel Angst vor zu persönlichem Kontakt, um das zuzugeben. Ich steigerte mich völlig in die Situation hinein. Wollte einfach nur noch weg. Schnell vergessen, wem ich da gerade meine ganze Lebensgeschichte aufgetischt hatte und was das zur Folge haben könnte. Zu meinem Glück ließ Mariella mich bei meinem nächsten Fluchtversuch - ohne ein weiteres Wort zu verlieren - gehen und ich raste förmlich aus dem Café. Hätte es eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Fußgänger gegeben, hätte ich diese heute definitiv überschritten. Vollkommen darauf fixiert, nicht noch einmal von irgendwem angehalten zu werden, stürmte ich durch den Ort. Ließ mich nicht - wie sonst immer - von der beruhigenden Wirkung des Meeres einfangen. Ich fügte mich den wenigen Menschen, die ich auf der Straße traf. Wollte wenigstens einmal so normal sein wie sie. Dann wäre das alles hier doch nie passiert. Ich war nie der Typ gewesen, der sofort heulte, wenn er ein Problem hatte. In diesem Moment wäre es vermutlich fast soweit gewesen, wenn mich nicht ständig diese Angst übermannt hätte, angesprochen zu werden. Es war alles so auswegslos, unheimlich bedrückend und einsam. Was sollte ich denn überhaupt noch machen. Wo blieb der Sinn des Lebens? Den Sinn des Lebens gibt es doch nicht! Die Frage ist nur, was man aus dem Leben macht, das man geschenkt bekommt. Danke, Florian der Vergangenheit, für diese ausgesprochen weisen Worte. Worte, die durchaus weiterhelfen können. Worte, die aber unglaublich bescheuert sind, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. Tja, wer anderen eine Grube gräbt... Mit gesenktem Kopf und ziemlich abwesend kam ich an meinem Haus an und schloss die Tür auf. Die Türklinke war eiskalt. Als ich sie berührte, spürte ich, wie die Kälte durch meinen ganzen Körper fuhr und schließlich mein Herz erreichte. Selbst die wohlige Wärme im Wohnbereich konnte meinen inneren und äußeren Frost nicht sofort zum Schmelzen bringen. Es dauerte eine Weile bis ich wieder halbwegs klar denken konnte. Was war da eigentlich gerade passiert? Ziemlich weggetreten setzte ich mich auf das kahle Fensterbrett. So ganz ohne Blumen wirkte es äußerst kühl. Aber das passte dann ja zu meiner aktuellen Lage. Ich blickte aus dem Fenster. Fühlte mich wie ein ganz kleines Licht in der riesengroßen Welt. Nicht mehr hell genug um zu strahlen und viel zu hell, um zu verschwinden. Das hatte ich mir heute wieder einmal bewiesen. Ich konnte mich nicht für immer verstecken und in einem Loch verkriechen. Was ist das Leben, wenn man seinen Sinn aus den Augen verloren hat? Es wird zu einem Scherbenhaufen, dessen Zusammensetzung nie wieder einen heilen Spiegel ergeben wird. Einem Scherbenhaufen, der es aber dennoch verdient hatte, durch einen neueren, schöneren Spiegel ersetzt zu werden. Und Diana hatte es verdient, dass ich ihr dieses Drehbuch zuende schrieb. Auch wenn ich dafür wieder in die Öffentlichkeit und das stressige Arbeitsleben gehen müsste. Mit dem Laptop auf dem Schoß tippte ich einige Seiten. Wirklich zufrieden war ich damit nicht, aber immerhin konnte ich mich wenigstens etwas von der echt verzwickten Situation ablenken. Wie gesagt, nur ganz leicht. Stand ich jetzt nicht in Mariellas Schuld? Ich musste mich doch für mein Verhalten entschuldigen. Aber letztendlich war sie nur ein Fan. Eine einzige Person, die mich wie so viele andere nur aus den Medien kannte. Sie hatte sich doch gar nicht so privat für mich zu interessieren und noch lange nicht das Recht dazu, mich dermaßen auszufragen und dann noch eine Entschuldigung zu erwarten. Bei aller Liebe: Da hatte ich echt keine Lust drauf. Zugegeben war das vielleicht wieder nur ein Vorwand, um mich selbst in Sicherheit zu wiegen und bloß keine Schuldgefühle und damit verbundene Pflichten aufkommen zu lassen. Verbissen richtete ich meinen Blick wieder auf den grellen Bildschirm. Wirklich kreative Gedanken kamen natürlich nicht mehr zustande und so beschloss ich, diesen echt beschissenen Tag für heute abzuschließen. Draußen dämmerte es schon und ich suchte nach meinem Haustürschlüssel. Es war mir schon immer schleierhaft gewesen, wie Menschen, ohne die Tür zu verschließen, ruhig schlafen konnten. Dass ich diesen verdammten Schlüssel nicht finden konnte, reizte mich noch mehr als mich der restliche Tag schon auf 180 gebracht hatte. Unheimlich grob suchte ich das ganze Haus ab. So viele Möglichkeiten gab es doch hier gar nicht. Wie verwirrt musste ich denn schon gewesen sein, um einen Schlüssel in einem so kleinen Haus zu verlieren? Unruhig raufte ich mir die Haare. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Keine Ahnung, wie mich dieser Schlüssel so fertig machen konnte. Meinen letzten Ausweg sah ich in meiner Jackentasche. Vielleicht hatte ich ihn auch dort hinein gesteckt. Wobei ich das für ziemlich unwahrscheinlich hielt; das machte ich nämlich nie. Als ich in die Jacke griff, fand ich natürlich keinen Schlüssel. Was ich stattdessen in der Hand hielt, verwirrte mich noch mehr. Gefühlt stand ich kurz vor einem Zusammenbruch, vor dem ich mich nur aus reiner Neugierde und wachsender Verwirrtheit bewahren konnte. Zwischen meinen vor Nervosität zitternden Fingern befand sich ein kleines Kärtchen und ich brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, was das eigentlich war.
Dieses Mädel wusste offensichtlich nicht, dass es Grenzen gab und wo diese Grenzen zu ziehen waren. Genau wie all die anderen Fans.
--------
Sorry für den Cliffhanger :D Das Kapitel wäre sonst aber deutlich zu lang geworden. Aber so könnt ihr euch sicher sein, dass es nächste Woche sehr spannend wird :)
Ich hoffe das Kapitel gefällt euch trotzdem :b

DU LIEST GERADE
Soll ich mal pusten? (Florian David Fitz FF)
FanfictionBist du schon mal durch eine Stadt gelaufen, in der Hoffnung du würdest eine Person treffen? Du suchst nach jemand ganz bestimmten, dessen Leben du meinst in- und auswendig zu kennen, der dich aber vielleicht noch nie gesehen hat, der nicht einmal v...