Ich liege im Bett. Das Bett ist weich, etwas zu weich für meinen Geschmack. Aber es ist schön. Wie auf Wolken schwebe ich dahin. Zufrieden drehe ich mich auf die rechte Seite und lege meinen Kopf auf meinen Oberarm. Ich blicke in zwei wunderschöne Augen. Momentan kann ich nicht zuordnen wer es ist, aber mir liegt die gerade für mich schönste Frau gegenüber. Um uns herum ist alles leuchtend weiß. Wo sind wir hier? Schwerelosigkeit umgibt mich. Mein Bauch kribbelt. Ich nehme eine Hand der fremden Frau und hauche ihr einen Kuss auf die Stirn. Ich weiß nicht wer dieser Mensch ist, aber ich weiß, dass es richtig ist. Ein Ruckeln durchfährt meinen Körper.
Das Kribbeln stoppte abrupt, niemand interessierte sich für mich und eigentlich war ich ganz alleine. Aus meinem Traum gerissen und zur Hälfte liegend in dem weichen Flugzeugsitz. Das vermeintlich verliebte Kribbeln war das Gefühl gewesen, das beim Landen eines Flugzeuges jeden und auch mich schon oft genug durchfahren hatte. Hatte ich jetzt von Diana geträumt? Herzlichen Glückwunsch zur vollkommenen Verwirrtheit, Herr Fitz. Vermutlich war mein Körper zur Zeit weder in der Lage seine Probleme zu verarbeiten, noch andere Dinge zu verstehen. Dummerweise versuchte ich es trotzdem immer wieder. Wieso machten wir eigentlich so einen großen Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe? Gab es überhaupt einen? Ich verstand eben nicht mehr viel von solchem philosophischen Geschwafel. Verschlafen fuhr ich mir über das Gesicht und durch die Haare. Ich fühlte mich total zerknittert. Wie ein Stück Papier zusammengeknüllt und nur zur Hälfte wieder auseinander gefaltet. An der einen oder anderen Stelle etwas eingerissen. Doch vielleicht würde es bald jemanden geben, der das passende Klebeband hatte und bereit war mich wieder in Ordnung zu bringen.
Offensichtlich verwirrt erhob ich mich aus meinem Sitz, griff mir meine Sachen und trottete aus dem Flugzeug. In der riesigen Halle suchte ich nach dem Fließbahn für meinen Flug und hätte die 20 Meter wohl auch recht schnell überwunden. Jedoch gab es hier in Berlin einen regelrechten Ameisenhaufen aus Fans und "Fans", die meinten sie wären meine engsten Freunde, nur weil ich gefühlt jedes Meet-and-greet mit ihnen verbracht hatte. Komisch, dass ich selten jemand anderes persönlich hatte kennenlernen dürfen. Die kleinen, schüchternen Mädels, die am Roten Teppich immer ganz hinten standen und das Geschehen aus sicherer Entfernung genossen vielleicht. Oder die, die gar nicht die Möglichkeit hatten, auf solche Events zu kommen. Während ich einige Fans umarmte, Fotos mit ihnen machte und ihnen dabei erfolgreich verklickerte, dass ich nur so aussah, weil ich die letzte Nacht wenig Zeit zum Schlafen gehabt hatte, erblickte ich ein unscheinbares Mädchen an meinem Fließband. Sie beobachtete mich ganz genau und schien sich damit abgefunden zu haben, dass sie nie jemand sein würde, der eine Person des öffentlichen Lebens dermaßen belagern wollte. Endlich alle glücklich gemacht, stellte ich mich an das schwarze Band, das hier unermüdlich seine Runden drehte. Das schüchterne Mädchen blickte mich unauffällig von der Seite an. Na, das war ja jetzt auch nicht das Wahre. Mädel, dann sag doch einfach was! Sie war gerade im Begriff Luft zu holen, da lief jemand auf sie zu und drückte sie lachend an sich. "Da bist du ja! Hier: Deinen Koffer habe ich schon mitgenommen. Komm mit Mariella. Wir müssen los. Dein Onkel wartet schon." jubelte die Frau, die die Tante sein musste, nahm das Mädchen am Handgelenk und zog sie aus dem Flughafen. Nun gut, sollte mir recht sein.
Ich ergriff auch sogleich die Flucht, als ich meinen Koffer gegriffen hatte. Vor dem Flughafen hielt ich Ausschau nach Diana. Vielleicht holte sie mich ab. Aber vielleicht war es ihr auch nicht so wichtig. Nach gestern, also eher heute früh, konnte ich sie sowieso nicht mehr einschätzen. Ich hatte den Gedanken noch gar nicht zu Ende gedacht, da hielt ein großes Familienauto direkt vor meiner Nase. Ich konnte nur in das Hinterfenster blicken. Doch ich wusste trotzdem, dass Diana am Steuer sitzen musste. Aus der leicht getönten Scheibe blickten mich zwei riesengroße Kulleraugen an. Die Kleine glich Diana wie ein Ei dem anderen. Die Medien hatten definitiv nicht zu viel versprochen. Jedoch konnte ich in ihren Augen auch Arnes nachdenklichen Blick wiedererkennen. Sie schaute kurz nach vorne und machte dann eine Handbewegung, die mir wohl andeuten sollte, dass ich doch bitte einzusteigen hatte. Lächelnd lief ich um das Auto, verstaute meine Sachen und öffnete die Beifahrertür. Eine unglückliche Umarmung folgte auf eine missglückte Begrüßung. Auf der Fahrt schwiegen wir uns noch mehr an als wir uns zu sagen gehabt hätten. Jedoch wusste wohl keiner, was er dem anderen zuerst sagen wollte. Hoffentlich legte sich das noch. Wobei ich bei dem Gedanken an einen Erzählabend mit Arne schwarz sah. Ich hoffte inständig, dass er zur Zeit aus dem Haus war. Und einmal in meinem Leben sollte mein Wunsch unbeeinflusst zur Wirklichkeit werden. Immernoch ziemlich schweigsam, nur ab und zu etwas kichernd, weil wir über alte Zeiten lachten, schloss Diana die Tür auf. Es schien tatsächlich niemand da zu sein. Nur der angenehme Duft, der mich sofort in Erinnerungen schwelgen ließ...
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Soll ich mal pusten? (Florian David Fitz FF)
FanfictionBist du schon mal durch eine Stadt gelaufen, in der Hoffnung du würdest eine Person treffen? Du suchst nach jemand ganz bestimmten, dessen Leben du meinst in- und auswendig zu kennen, der dich aber vielleicht noch nie gesehen hat, der nicht einmal v...