Dieser Tag [Your Choice]

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Dieser Tag [Your Choice] by Kookie

Er war schon immer ein spezieller Junge. Hat sich nie richtig gebunden. War immer frei. Ich hatte mich lange dumm gefühlt, weil ich mich ausgerechnet in jemanden verliebe der nie eine Verpflichtung eingeht, der jeden Tag neue Menschen um sich hat. Ich war mir sicher das ich keine Chance bei ihm habe. Er wollte immer Abwechslung, neue Sachen entdecken, jeden Tag etwas neues.
Ich war das graue Mäusschen der Schule, das Mauerblümmchen, an mir gab es nichts interessantes und ich verabscheute die Abwechslung.
Doch wenn ich sah, wie er jede Woche einen neuen Look hatte, fragte ich mich selbst wieso das so ist. Wieso bei mir jeder Tag gleich ist. Wieso ich nichts neues probiere. Wieso ich mich immer mit den gleichen Leuten umgebe. Ich hatte nie vor dich aus zu tauschen oder ähnliches, ich fragte mich nur, wieso nach all dieser Zeit, ich nur dich habe. Und wieso unsere Freundschaft so lang hielt. Ich beschloss offener zu sein für Unbekanntes. Natürlich lag dahinter der Gedanke ihm zu gefallen, beziehungsweise ihm aufzufallen. Aber ein Stück weit war es auch für mich. Ein großes Stück weit, denke ich.
Ich dachte ich würde träumen, als er mich auf mein Oberteil ansprach.
Ich war an diesem Morgen so nervös gewesen, weil es das erste mal war das ich ein Fanshirt in der Öffentlichkeit trug, von einer vollkommen unbekannten Band dazu. Ich hatte sie auf der Suche nach anderen Stilen in der Playlist deines Bruders gefunden.
Ich danke dir das du mich unterstützt hast.
Er hat mich auf die Band angesprochen und gesagt das ich einen guten Geschmack hätte was Musik angeht. Innerhalb seiner ersten zwei Sätze zu mir war ein Kompliment! Ich musste mich beherrschen um nicht um zu kippen.
Es war gut das du mir vorher Tipps gegeben hattest wie ich mich in der Anwesenheit meiner vermeindlich großen Liebe beruhigen kann. Es schien als hättest du wirklich Erfahrung damit.
Danke das du mir gesagt hast was ich tun soll.
Das Gespräch mit ihm lief so gut das er mir sogar seine Handynummer gegeben hat. Seine Nummer! Eine Möglichkeit Kontakt mit ihm auf zu nehmen außerhalb der Schule! Privat! Nur wir beide.
Ich war so nervös.
Ich habe ihm noch am selben Tag geschrieben. Zwei Stunden lang haben wir uns via Nachrichten unterhalten, von Musik, über Kleidungsstilen, bis hin zu Zukunftsplänen. Es war wunderschön. Ich habe diese Zeit so genossen.
Von diesen zwei Stunden aus haben wir täglich kommuniziert. Über Wochen hinweg.
Bei jedem Blinken meines Handys habe ich gehofft das er es ist.
Wenn ich die Nachrichten las, flackerte mein Herz.
Es war so wundervoll.
An den Feiertagen ist seine Familie weggefahren. Von Heiligabend bis zum zweiten Januar.
Er hat mich gefragt ob ich Silvester mit ihm verbringen möchte.
Ich habe dir schon so oft erzählt wie sehr ich davon träume an Silvester, pünktlich um null Uhr, wenn das Feuerwerk startet, geküsst zu werden. Eine Neujahrs Tradition wie man sie in Filmen sieht. Eventuell noch mit ein paar Kerzen. Ich fand den Gedanken so romantisch. Und so habe ich gehofft das dieser Abend der Abend unseres ersten Kusses sein würde.
Er hatte mich zu einer Frei Licht Party eingeladen. Nicht so romantisch wie ich es gehofft hatte, aber er würde da sein. Das genügte. Mehr brauchte ich nicht.
Ich habe mich mindestens zehn mal umgezogen, bis ich mit meinem Outfit halbwegs zufrieden war. Ich war extrem nervös. Wir würden uns dort treffen, was ist wenn er so sehr in der Masse untergeht das ich ihn nicht finde? Du hast mir gesagt das ich ihn finden und meinen Kuss kriegen werde.
Danke das du mich beruhigt hast.
Mit wackligen Knien bin ich aus deinem Wagen gestiegen. Ich glaube ich war in meinem Leben noch nie so nervös.
Es waren viele Menschen da. Doch es war leichter als ich dachte ihn zu finden. Er hatte seine Haare blondiert. Fast alle anderen hatten schwarze oder braune Haare. Ich habe ihn sofort entdeckt.
So schnell wie möglich ging ich zu ihm. Es war noch früh. Zehn Uhr in etwa. Zwischen den Menschen war noch genügend Platz zum laufen.
Ein paar Schritte von ihm entfernt, als er mich noch nicht sehen konnte, blieb ich stehen, um ein letztes mal tief durch zu atmen.
Gerade als ich losgehen und ihm auf die Schulter tippen wollte kam mir jemand zu vor. Ein Junge mit bunten Haaren und schwarzen Klamotten. Er drehte sich sofort um, und ohne eine Sekunde zu zögern küsste er ihn. Einfach so. Er küsste diesen Jungen. Und nicht mich.
Mir kamen Tränen in die Augen. Ich konnte es nicht verhindern. Ich machte auf dem Absatz kehrt und lief von der Party weg. Egal wohin. Einfach weg. Verzweifelt überlegte ich wohin ich gehen könnte, um den Schmerz zu lindern. Was ich tun könnte. Sollte ich ihn anrufen? Ihm sagen das ich nicht komme, das ich ihn hasse? Nein. Ich wollte nicht mit ihm reden und ich könnte ihn nicht an lügen. Und so ging ich.
Ich ging einfach, bis ich wie von selbst an unserem Ort ankam.
Deinem und meinem.
Ich beobachtete die Enten, so gut es in der Dunkelheit ging, tauchte meine Füße in das kalte Wasser und weinte, ich weinte bis es nicht mehr ging.
Ich dachte an dich. Ich schrieb dir eine Nachricht. Wo ich bin. Nicht mehr. Nicht was passiert ist, nicht ob du kommen könntest, einfach nur wo ich bin. Ich wusste das du kommen würdest. Du kamst immer, wenn ich dich brauchte.
Danke das du für mich da warst.
Es dauerte keine zehn Minuten, bis ich deine weiche Hände auf meinen Schultern spürte. Du hast nichts gesagt, mich nur in den Arm genommen. Du hast gewartet bis ich bereit war es dir zu erzählen.
Danke das du so geduldig warst.
Du hast meine Tränen weg gewischt, mir gesagt, dass er ein Idiot ist, dass ich besseres verdient habe und dass er, wenn er einen anderen küsst, nicht der Richtige für mich war.
Danke das du mich getröstet hast.
So saßen wir da.
Als ich das nächste mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Dir war es auch schon aufgefallen. Du hast gefragt ob ich die Nacht bei dir verbringen möchte, um nicht allein zu sein. Natürlich stimmte ich zu.
Danke das du mich eingeladen hast.
Als wir bei dir ankamen sagtest du, ich solle einen Moment warten. Ich saß in deinem Zimmer und wusste nicht was ich tun soll, worauf ich warte. Wenige Minuten vor Neu Jahr kamst du wieder. Du hast meine Augen mit deinen Händen verdeckt, während du mich in den Garten deiner Familie geführt hast. Deine Hände zitterten. Du warst nervös. Langsam nahmst du  sie von meinen Augen, und hast mir so die vielen Kerzen die du aufgestellt hast gezeigt. Mit großen Augen drehte ich mich um und sah dich an.
Du hast den Mut gefasst, um es auszuspreche.
Dies war der Abend an dem du mir zum ersten mal gesagt hat, dass du mich liebst.
Danke das du dich getraut hast es mir zu sagen.
Es war der Tag an dem ich meinen Kuss unter dem Feuerwerk bekam.
Danke das du mich geküsst hast.
Der Tag der mir zeigte, wen ich wirklich liebte. Wie sich ware Liebe anfühlt, das er nicht der richtige war.
Danke das du mich eines besseren belehrt hast.
Der Tag der alles veränderte. Der Tag der daran Schuld ist das ich heute so traurig bin.
Danke das ich dich so lange lieben durfte.
Wäre dieser Tag nicht gewesen, hätte mich dein Ende nicht so getroffen.
Ich hätte niemals die Ärzte für ihren Fehler verklagt.
Ich würde nicht jeden Abend betrunken vor dem Fernseher sitzen.
Ich wäre vielleicht noch glücklich.
Danke, dass dieser Tag Wirklichkeit war.
Denn auch wenn ich heute traurig bin, so war die Zeit mit dir die beste die ich je hatte.

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