Heimreise

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Meridas Augen klebten am Horizont, als der Zug durch die schneebedeckte Landschaft der Highlands schoss. Irgendwie hatte sie eine seltsame Einstellung zum Winter. Auf der einen Seite hatte es viel schönes an sich und der kleine Rotschopf liebte Weihnachten über alles! Doch nun erinnerte sie die eisige Kälte und das weiße Funkeln der Schneedecke immer mehr an Jack.
Ihr Herz krampfte sich bei jedem kleinen Gedanken an ihn zusammen, als wäre es tödlich vergiftet worden.

Fröstelnd schloss die Schottin die Arme um ihren Körper und zog ihre Beine an. So zusammen gekauert, wie sie dort auf den Zugsitzen saß, kam sie beinahe einem ängstlichen Kind gleich. Wer konnte es ihr verübeln?
Immer wieder hallten ihr die fiesen Dinge durch den Kopf, die einige auf den Gängen über sie getuschelt hatten. Dunkle Lady. Merida wird sicher einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten!
Sehr ihr nicht in die Augen, sie versteinert euch sonst! Mich überrascht es nicht, die war immer schon gewaltätig.

Merida schnaubte. "Idioten...", murmeltesie zu sich selbst und legte ihren Lockenkopf auf ihren Knien ab, um die sie ihre Arme geschlungen hatte. Wie konnte man ihr das so lange verheimlichen? Sie, die Tochter einer der wohl schlimmsten, dunklen Zauberer der Welt. Kam sie wirklich nach ihrem Vater? War sie tatsächlich so grausam wie er? Sie konnte sich noch immer nicht vorstellen, dass sie mit ihm in irgendeiner Weise verwandt war.

Erschöpft von ihren eigenen Gedanken schloss sie für eine Weile die Augen, doch sofort riss sie sie wieder auf. "Trollgnomiger Wichtelbiss!", fluchte sie. Ihr Gesicht vergrub sie in den Händen und schüttelte ihren Kopf wiederholt, als wolle sie einen gewissen Gedanken loswerden. Doch sie schaffte es nicht, was auch der Grund war, weshalb ihre Augenringe inzwischen so tief schienen, wie der Grand Canyon.
Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie ihn. In der Hütte, wie er vor ihr auf dem Bett saß und sie schließlich aus dem Nichts heraus einfach auf den Mund küsste.
"Er liebt mich...", murmelte sie zu sich selbst. Dann kam von ihr ein verächtliches Schnauben. Jedoch schaute sie augenblicklich wieder hinaus auf die wunderschöne Schneelandschaft, die wie eine weiße Decke über das Land gelegt war.

Hatte er die Wahrheit gesagt? Gab es einen Grund dafür, dass er sie allein gelassen hatte? Sie hatte so starke Zweifel und so große Angst. Angst vor erneuter Verletzung. Vor dem Allein sein. Noch nie hatte sie sich einer Person emotional so geöffnet, wie Jack. Niemand hatte von ihrer Animagusgestalt jemals gewusst, abgesehen von ihrer Familie.. und Jack.
Es tat ihr immer wieder weh, wenn sie an diesen einen Moment dachte, in dem Jack sich mit diesem kalten Blick von ihr abgewandt und Mavis und Elsa zugedreht hatte. So, als wäre sie nichts mehr für ihn. Nicht einmal mehr seine Rivalin... Denn selbst als er sie noch gehasst hatte, hatte er sie beachtet und sie aufziehen wollen. Gut, er hatte es auch geschafft. Eine Schottin zur Weißglut zu treiben, war auch nicht gerade schwer.

Die Kälte, die sie umgeben hatte, war so furchtbar gewesen, dass sie sich schwor, das niemals wieder erfahren zu wollen. Und wenn sie Jack dafür aus ihrem Leben ausschließen musste, so sollte sie es tun....

"Boharm! Alle, die nach Boharm wollen, aussteigen, bitte!"

Merida hob ihren Kopf. Scheinbar war sie angekommen. Träge, aber dennoch schnell genug, zog sie ihren Koffer von der Gepäckablage und verließ den alten Zug. Am Bahnsteig warteten bereits ihre Mum und Fergus auf sie. Beide schauten sie besorgt an, als sei sie vom Astronimieturm gefallen. Elionor kam sofort auf Merida zugelaufen und drückte ihre Tochter fest an sich. Diese fing an zu zittern, bevor sie sich fest an ihre Mama drückte und prompt zu schluchzen begann.

"Oh Merida...", wisperte Elionor leise. "Wir gehen heim, ja? Und dann erklären wir dir alles, Schätzchen..."

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

In Hogwarts war die Stimmung ausgelassen und wundervoll. Da Weihnachten vor der Tür stand, war die Große Halle festlich geschmückt und alle Tische waren mit den leckersten Speisen bedeckt. So kurz vor den Festtagen nahmen sich alle Lehrer wohl zum Ziel, die Schüler von den grausamen Vorkommnissen der letzten Zeit abzulenken. Tiana und Naveen konnten endlich wieder in Menschen verwandelt werden, nachdem Professor Maui wohl alle erdenklichen Bücher gewälzt hatte. Vaiana hatte ihm dabei tatkräftig geholfen, vor allem, weil der große Kerl ziemlich schnell die Konzentration verlor.

Arielle hatte leider ihre Stimme bisher noch nicht wieder bekommen, doch ihren Schwarm Eric schien das nicht zu stören. Er beschäftigte sich liebend gerne mit der rothaarigen Gryffindor und half ihr beim Verständigen immer gerne.
Im Grunde schien jeder eine tolle Zeit zu haben... Allerdings nicht die engsten Freunde von Merida.

Hicks saß dort mit Astrid an einem der großen Tische und stocherte missmutig in seinen Erbsen herum, die so oder so alle vor der Gabel zu fliehen schienen. Astrid rupfte von ihrem Brotstück immer mal wieder ein wenig ab, tunkte es in die Sauce für den Braten und schob es sich in den Mund, kaute allerdings auch verdächtig lange, ehe das nächste Stück folgte.
Auch Rapunzel schien kaum noch zu Essen und Jack? Niemand hatte ihn zur Nahrungsaufannahme gebracht. Er saß da, hatte einen Becher Kürbissaft vor sich und starrte in die Leere.

"Hey, Leute", kam eine leise Stimme von der Seite. Mulan kletterte über die Bank und setzte sich neben Punzie an den Tisch. "Habt ihr was von Merida gehört?"
Kollektives Kopfschütteln.
Die Asiatin ließ den Kopf hängen. "Ich auch nicht..."
"Ich hätte für sie da sein sollen", murmelte Jack. Alle Augen richteten sich auf den coolen Slytherin, der weiterhin seine Augen in die Leere bohrte.

"Jack, mach dir keine Vorwürfe... du bist nicht Schuld!", sagte Rapunzel vorsichtig und legte ihrem Freund eine Hand auf die Schulter.
"Ich gebe Jack Recht", sagte plötzlich jemand völlig unerwartetes. Hicks grüne Augen hatten einen stechenden Blick drauf, als er den Slytherin anschaute.
"Hicks, du kannst doch nicht...", versuchte Astrid einzuleiten, aber ihr Freund unterbrach sie.

"Du hast sie im Stich gelassen, Frost. Du hast ihr die kalte Schulter gezeigt und sie durch die Hölle geschickt. Glaub mir, wäre ich da nicht eine Statue gewesen, hätte ich dir die Nase gebrochen!"
Alle starrten den eigentlich so stillen und ruhigen Ravenclaw fassungslos an. Kaum einer erkannte ihn wieder.
"Aber... ich habe das doch nur gemacht, um sie zu schützen!", versuchte Jack sich zu verteidigen.
"Und doch ist sie dadurch in Pitch's Arme geraten, oder? Du willst, dass es ihr besser geht? Dann hör auf, dich selbst zu bemitleiden, raff dich auf und denk dir was aus, um sie wieder aufzubauen! Du gibst ja auf, bevor du gekämpft hast!"

Ruckartig stand der Drachenzähmer auf und stürmte aus der Halle, die Blicke seiner Freunde geweitet auf ihn gerichtet.

"Beim Hang zur Dramatik kann Hicks niemand das Wasser reichen", sagte schließlich Mulan.

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Und hier das neue Kapitel. Ich hoffe, ihr findet es gut :)

Welche Figur würdet ihr noch gerne in meiner Story sehen? Lasst mal einen Kommentar da und vielleicht tauchen ein paar aus den Wünschen ja auf? ^^

Love you all,

Sunhine_at_July

That's HogwartsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt