Oh, Merida....

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Was sollte er jetzt tun? Zu seinem Vertrauenslehrer konnte er nicht. Seit Professor Yzma weg war, war Pitch ihr neuer Vertrauenslehrer und sich ihm darüber anzuvertrauen, wäre die schlimmste Idee seit Menschen gedenken. Vor allem, weil Jack die Vorahnung hatte, dass Merida in seiner Gewalt war. Sein damaliges Treffen mit dem Professor für Zauberkunst bekräftigte das jedenfalls.

Seine Hände ballten sich zu Fäusten, als er sich vorstellte, dass dieser schlacksige, gruselige Verschnitt vom Slenderman Merida was angetan haben könnte.

Dafür würde er bezahlen, so viel stand fest. Aber erstmal müsste er überhaupt zu Merida kommen.

Schließlich zog er sich an, verließ den Slytheringemeinschaftsraum und rannte geradewegs zu Professor Merlins Büro. Der Wasserspeier öffnete seine Augen und starrte Jack an. Es war eine neue Funktion. Wenn man kein Passwort hatte, konnte man sein Anliegen hier vortragen.

"Ich möchte mit Professor Merlin sprechen. Es geht um eine verschwundene Schülerin, Merida DunBroch. Ich weiß, wo sie ist!", sagte er dem Steinvieh. Es schloss die Augen und wenige Minuten später öffnete sich die Tür.

Merlin stand dort mit einer schief sitzenden schlafmütze auf dem Kopf, den Leib in einem Nachthemd verhüllt.

"Jack, wie erfreulich, dich zu sehen", sagte er und lächelte freundlich, bevor er sich setzte.

"Professor, ich glaube, ich weiß, wo sich Merida befindet." Der Schulleiter nickte und sah Jack wartend an.

"Es klingt absurd, aber ich hatte einen Traum, in dem sie mich in Gestalt eines Bären und dann in kleinen Feuergeistern zu einer Hütte nahe Hogsmead geführt hat." Jack erklärte ein wenig stammelnd, als hätte er Angst, Merlin würde ihm keinen Glauben schenken, doch er nickte bloß.

"Sie ist dort. In einem kleinen, verfallenen Haus und ich glaube, irgendwer hält sie fest und beeinflusst sie. Sie war ganz panisch, ihre Augen waren rot. Also nicht, als wenn sie geweint hätte, ich meine ihre Iris war rot!"

Merlin erhob sich. "Wir müssen jetzt erstmal Ruhe bewahren. Dass etwas derartiges passiert, hatte ich schon befürchtet...", begann er dann langsam.
"Hör zu, Jack. Das, was Merida dort gemacht hat, war unbewusste Geistesübertragung. Ihr Unterbewusstsein schreit nach Hilfe und sie hat somit ihren Patronus freigelassen und ihn dir im Traum zugesendet."

"Warum mir?", fragte Jack.
"Weil du scheinbar derjenige bist, den sie am meisten liebt."
Jacks Kehle wurde ganz trocken. Er hatte sie auf Abstand gehalten. Er war die letzten Wochen so kalt zu ihr gewesen und nun... nun erfuhr er, dass sie ihn liebte.
Er liebte sie ja auch, aber dass das erwidert wurde, hatte er sich nicht träumen lassen.

"Was soll ich machen?", fragte er fast stimmlos.

"Ich werde Professor North, Professor Bunnymund und Professor Tooth wecken lassen. Sie werden dich zu Meridas Standort begleiten. Ohne dich wäre es wohl sinnlos, da ich nicht im Glauben bin, dass Merida ohne Schutzmaßnahmen festgehalten wird. Und wenn diese Schutzmaßnahme keine Ketten sind, dann wird sie wohl unter einem Zauber stehen", erklärte Merlin.

"Und wieso bin ich da hilfreich?", fragte Jack.

Merlin lächelte, was seinen Bart sich leicht kräuseln ließ.
"Liebe, Jack. Liebe. Selbst die stärksten Zauber halten der Liebe nicht stand."

Jack schluckte. Er hatte Angst. Angst um Merida und Angst um sich. Aber primär eigentlich um Merida. Was, wenn er ihr nicht helfen konnte? Was, wenn sie für immer in der Gewalt von diesem Psycho blieb?

Nach einer halben Stunde standen die Lehrer in Merlins Büro. Bei ihnen... waren Rapunzel, Viana, Hicks und Astrid.

"Was macht ihr denn hier?!", fragte Jack mit einem verwirrten Gesichtsausdruck.
"Ich habe gesehen, wie du den Gemeinschaftsraum verlassen hast, und bin dir gefolgt", erklärte Astrid schulterzuckend.
"Wir haben das Gespräch von Professor Tooth und dem Gemälde belauscht und sind ihr dann gefolgt. Wir kommen mit!", erklärte Rapunzel mit einem entschlossenem Gesichtsausdruck. Jack sah erst zu Merlin, der nickt, dann grinste er seine Freunde an.
"Ihr seid die größten!" 

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Es war dunkel und kalt. Es hatte de gesamte Nacht geschneit. Irgendwie seltsam, dachte sich Jack, in meinem Traum hatte es auch geschneit... Aber dann fiel ihm auf, dass es gar nicht seltsam war, da Merida ihm ja ein Bild der Gegenwart geschickt hatte...

"Jetzt dort in den Wald", flüsterte der Slytherin, der der Gruppe voraus ging. Er hatte seinen Zauberstab in der Hand, der das helle Licht des Lumos von sich gab, um ihnen den Weg zu leuchten.

"Habt ihr das gehört?", zuckte Bunnymund zusammen. North lachte schallend auf, wodurch er ein kollektives "Schhhhh!!" kassierte.
"Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast Angst, Hasemann", sagte er in seinem russischen Akzent und klopfte dem Professor auf die Schulter.
"Ach, halt doch den Mund, du Christbaumkugel", murrte Bunnymund.
"Ruhe jetzt, alle beide. Es geht hier um ein Kind!", zwischte Professor Tooth und zog beiden an den Ohren.

Die Gruppe stapfte durch den tiefen Schnee, bis Jack irgendwann stehen blieb.

Vor ihm ragte die Holzhütte im Mondlicht empor und warf einen unheilvollen Schatten auf den Rettungstrupp.
"Wie unheimlich", sagte Rapunzel und klammerte sich an Vaiana fest. Sie strich der blonden Ravenclaw über das Haar und nickte.

"Dort ist Merida", murmelte Hicks, klopfte auf Jacks Schulter und ging dann mit ihm weiter.

Als sie die Tür öffneten, knarrte sie laut und verheißungsvoll. Alle zogen ihren Zauberstab.
"Oh, sieh mal, Ursula. Wir haben Besuch", sagte eine alte, krächzige Stimme. "Ich sehe es, Yzma", antwortete eine tiefere, trotzdem weibliche Stimme.

Aus dem Schatten traten die verschwundenen Professorinnen, beide lächelten fies und hielten ihre Zauberstäbe nach oben.
"Ich kann mich nicht erinnern, euch eingeladen zu haben", krähte Yzma. Ursula nickte. "Ihr seid nicht erwünscht! Stupor!"

Sofort schnellte Bunnymund nach vorne vor Jack und brüllte: "Protego!" In den Augen des Professors war die Wut entbrannt und sein Körper wandelte sich zurück in den des übergroßen Hasen-Kängurus.

Jack verfluchte sich innerlich, dass er seinen Stab im Schlafsaal vergessen hatte. Alles was er bei sich Trug war sein Zauberstab. Die Professorinnen jagten den sieben ohne Unterlass Zaubersprüche um die Ohren, die mit einem großen, von Tooth, North, Astrid und Vaiana erzeugtem Schild abgewehrt wurden. Bunnymund, Jack, Hicks und Rapunzel dagegen feuerten wütend zurück.

Als dann schließlich Ursula auf dem Boden lag und nur noch Yzma übrig war, wurde der Raum auf einmal von einem schwarzen Schatten erfüllt. Alle verdreckten sich die Augen, um die kleinen, schwarzen Sandkörner nicht in die Augen zu bekommen.

"Sieh mal einer an, wen haben wir denn da? Die nervigen drei und ihre Lieblinge", spottete eine samtige Stimme.

"Pitch", knurrte Jack, als sich der Sand im Raum verflüchtigt hatte.
"Jack.. Ich dachte, wir hätten eine Abmachung und du würdest mir nicht in die Quere kommen", höhnte der schwarze Mann.

Jack funkelte ihn an. "Und Sie haben diese Abmachung gebrochen, indem sie Merida entführt haben!", schrie er ihn an. Pitch aber lachte nur hallend.
"Tja, Pläne ändern sich. Und Merida... nun...Liebes, kommst du mal bitte?", rief er die Treppe hinauf.

"Pitch, ich schwöre dir, wenn dem Mädchen was passiert ist, dann schlage ich dir die Zähne aus!", fauchte Tooth, wollte auf ihn losgehen, wurde aber von North aufgehalten. Er sah seine Kollegin und Freundin an und schüttelte wortlos den Kopf.

Im Flur ertönten nun Schritte. Jacks gesamter Körper spannte sich an. Gleich würde er Merida wiedersehen.

Als sie am oberen Ende der Treppe erschien, stockte ihm der Atem. Seine Kehle wurde trocken. Er konnte kaum noch denken.

Stumm schritt sie die Stufen hinab, gekleidet in einem schwarzen Kleid, die Augen feuerrot und die Haare in einen Zopf gebunden. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Regung.

"Merida, Liebes. Wer bist du? Sag deinen Freunden, was du vor ein paar Tagen herrausgefunden hast", forderte Pitch sie mit einer sanften, aber gleichzeitig spottenden Stimme auf.

"Ich bin Merida Black. Ich bin Pitch Blacks Tochter", sagte Merida monoton und richtete ihren Blick schließlich auf den Boden. In ihren Augen konnte Jack das Glitzern einer einzelnen Träne erkennen.



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