Six Feet Deeper

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  I'm six feet deeper and I can't dig my way out.
She got me buried so low.
Keep her to keep her six feet deeper, help me now.   


Diesmal hattest du dir rosa Zuckerwatte ausgesucht. Sie schmeckte noch besser als die blaue und du dachtest bereits über eine zweite Portion nach.

Gut, dass du Shun überredet hattest noch eine Nacht zu bleiben. Das Volksfest endete heute Nacht mit einem Feuerwerk und das wolltest du nicht verpassen – Feuerwerk war etwas Schönes.
Und da Shun dich jetzt wohl für tot hielt, konntest du es auch genießen. Ganz allein und mit einem Haufen Zuckerwatte!
Du verbotst es dir an Kakuzu zu denken. Nicht heute. Nicht an so einem schönen Abend, der in einem farbenprächtigen Feuerwerk enden sollte.
Die Sterne funkelten und beobachteten das rege Treiben auf dem Fest. Noch immer warst du etwas eifersüchtig auf die jungen Damen in Yukatas, aber du redetest dir ein dass diese ziemlich unbequem sein mussten. Nichts für dich, du mochtest es gemütlich und mit Tragekomfort. Schön waren die Muster aber schon – besonders die Blumenmuster gefielen dir.
Dein Blick schweifte über den Hauptplatz des Dorfes, an dessen Rande du saßt. In der Mitte des Platzes und an den Straßenseiten waren Magnolienbäume gepflanzt – die zu deiner Verwunderung blühten. Magnolien blühten doch sonst im April, aber es war Juli. Sehr selten, dachtest du dir und lecktest den Holzstiel deiner Zuckerwatte ab. Zeit für eine zweite Portion. Am liebsten noch einmal rosa!
Verwundert sahst du auf, als dir eine rosafarbene Wattewolke unter die Nase gehalten wurde. Kakuzu stand neben dir, leicht im Schatten der Nacht und vermied deinen Blick.
Als du zögertest, wedelte er mit der Leckerei vor deinem Gesicht herum und du nahmst sie ihm ab.
»Danke.«, murmeltest du leise, doch er knurrte nur. Ein Grinsen konntest du dir nicht verkneifen und botst ihm etwas von der Süßigkeit an.
»Ich hasse diesen süßen Scheiß.«, erwiderte er kühl und lehnte sich neben dir gegen die niedrige Mauer.
»Was willst du, außer mir Zucker zukommen zu lassen?«, fragtest du und warfst ihm einen Seitenblick zu. Hatte er seine Position nicht klar gemacht? Und du deine auch?
»Wenn ich das wüsste.«, wich er aus und verschränkte die Arme vor der Brust. Er wollte dich sehen, das war die ganze Wahrheit – und das wusstest du natürlich auch. Wenn du ihn damit aufzogst würde er wahrscheinlich sofort wieder gehen, also verkniffst du dir einen Spruch und sahst auf die Uhr, die auf dem Hauptplatz war.
»In einer halben Stunde gibt's ein Feuerwerk.«, ließt du einen sehr offensichtlichen Hinweis fallen und Kakuzu stöhnte auf.
»Im ernst?«
»Magst du kein Feuerwerk?«
»Ich hab dir doch schon diesen Scheiß besorgt!« Du warst dir sicher dass er das Ganze schon jetzt bereute. Da hatte er sich selbst reingeritten, also musste er da jetzt auch durch.
»Wer weiß« Du lehntest dich ein paar Millimeter näher zu ihm. »Vielleicht veranstalten wir ja später unser ganz eigenes Feuerwerk?«
Er zögerte, schien zu überlegen.
»Weißt du, ich denke vom Dach des Gasthauses aus sieht man das Feuerwerk viel besser.«, knurrte er nach einigen Sekunden und ein amüsiertes Schnauben konntest du dir nicht verkneifen.
Männer. 


»Und sowas findest du gut?«, hakte Kakuzu nach und lehnte sich zurück. Ihr beide saßt auf dem Vordach des Gasthofes, welches gerade genug Platz für euch zwei zum bequemen sitzen bot. Der Schwarzhaarige schien alles andere als begeistert, aber das ignoriertest du stur.

Blaue, rote und grüne Feuerwerkskörper explodierten am Nachthimmel und mit großen Augen beobachtetest du das Spektakel.
»Ooh, guck mal, die war toll!« Mit kindlicher Begeisterung zupftest du am Ärmel seines Mantels, doch er wehrte dich mit einem Knurren ab.
»Du benimmst dich als wärst du 12.«
»Und du benimmst dich als wärst du 60, was du ja auch bist.«, kontertest du schnippisch und er zog die Brauen zusammen.
»Das hat Thalia dir also auch erzählt?«


Mit einem Gähnen strecktest du dich und legtest den Kopf auf seiner Brust ab. Nach dem Feuerwerk hatte er dir die Kleidung beinahe vom Leib gerissen – er schien es ja ganz schön nötig gehabt zu haben. Die Nacht verbrachtet ihr zwei zusammen und der Uhr an der Wand nach war es schon halb 4. Es wurde Zeit zu schlafen, doch deine Gedanken waren noch am rasen und überschlugen sich vor Fragen.

»Wie bist du zu denen gekommen?«, fragtest du und zupftest neckisch an den Nähten auf seiner Brust.
Er schien, im Gegensatz zu dir, müde zu sein und sah dich genervt aus seinen grünen Augen an.
»Das geht dich einen Scheiß an.«
Mürrisch schürztest du die Lippen, hobst dann aber den Arm an und zeigtest auf eine weiße Narbe an der Innenseite des Oberarms.
»Das ist jetzt 3 Jahre her. Da hast du mich mit meinem eigenen Kunai erwischt.« Du erhobst dich von seiner Brust und fuhrst mit den Fingern an drei runden Narben an deiner Taille. »Und da hast du mich mit deinen Fäden mal durchbohrt. Hat verdammt weh getan.«
»Worauf willst du hinaus?«, hakte er nach, aber du brachtest ihn mit einem Blick zum Schweigen.
»Und hier« Am Schienbein fuhrst du mit den Fingerspitzen eine sehr tiefe Narbe nach. »Da hast du mir das Schienbein gebrochen – der Knochen stand richtig heraus.«
»Da erinnere ich mich gar nicht mehr dran.«, wich er aus, aber du schütteltest ernst den Kopf und beugtest dich über ihn.
»Du hast mir so viele Narben verpasst, Kakuzu.« Deine Stimme war ernst, aber in keinster Weise vorwurfsvoll. »Du hast mir sehr viele Schmerzen bereitet. Ich habe ein Recht zu erfahren was dir Schmerzen bereitet.«
»Bullshit!«, grollte er, aber die Überzeugung in seinem Blick wankte. »Es geht dich einfach nichts an, Punkt!«
Ihm wurde die Situation sichtlich ungemütlich, denn er drückte dich weg von sich und drehte dir den Rücken zu. Du beobachtetest das genau und dir war klar, dass hier nicht nur Sturheit eine Rolle spielte.
Du hattest am heutigen Abend sehr ernsthaft darüber nachgedacht und dir war klar geworden, dass es hier nicht darum ging dass er dich nicht mochte. Sondern dass es für ihn nicht möglich war. Sein Wesen war verbittert und dunkel, verdreht bis ins Innerste. Viele Dinge hatte ihr Zeichen in seiner Seele hinterlassen und die Geschichte, wie er an diese Narben gekommen war, gehörte sicher mit dazu. Thalia hatte dir verraten dass ich mal das Herz gebrochen wurde und die Vermutung lag nahe, dass er einfach Angst hatte.
Du legtest sanft die Hand auf seine Schulter und strichst behutsam über die warme Haut, bis hin zu seinem Hals. Er zuckte nicht einmal.
»Kakuzu«, flüstertest du und deine Fingerspitzen fuhren durch das schwarze Haar. »Warum bist du heute Abend zu mir gekommen?«
Es dauerte einige Sekunden bis er sich regte und sich zu dir umdrehte. Eure Blicke trafen sich, doch er sah ausweichend zur Seite.
»Du weißt wieso.«, erwiderte er rau, schob dich jedoch von sich weg. »Und ich hasse dich dafür.«
Du lächeltest.
»Ich weiß.«

Big Bad WolfWo Geschichten leben. Entdecke jetzt