44. Weil mein Herz bei euch zuhause ist

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A/N: Lieben Dank an derlehrer_tv für diese schöne Idee, die ich schreiben durfte. ❤️
🐒

Noch vollkommen verschlafen tapste Frida auf nackten Füßchen Schritt für Schritt die Treppe hinunter, indem sie erst ihren rechten Fuß auf das Holz stellte und kurz darauf ihren Linken daneben. So brachte sie jede einzelne Stufe schleichend hinter sich. Ihre linke Hand klammerte sich dabei nacheinander an jede Einzelne der senkrechten Holzsprossen der Treppe. Müde rieb sie sich ihre kleinen, blauen Äuglein mit ihrem Hasi unter ihrer Achsel und öffnete beim Gähnen weit ihren Mund. Ihre verstrubbelten Haare standen vom Schlaf in alle Richtungen ab und das linken Bein ihres hellblauen Schlafanzug mit den tanzenden Pinguinen war bis über ihr Knie nach oben geschoben. Immer wieder blinzelte sie sich den Schlaf aus den Augen.
„Papi", begrüßte ihn das drei Jahre alte Mädchen und streckte ihm von der letzten Treppenstufe ihre Ärmchen entgegen, sodass ihre Ärmel herunterrutschten.
„Guten Morgen, meine Maus", lächelte Stefan sie glücklich an und schloss das Zweite der Schuhbänder seiner blauen Chucks, bevor er aufstand, zu seiner Tochter ging und sie auf seinen Arm hob. Die Zwei begrüßten sich mit einem Küsschen und Frida hielt sich mit ihren Händchen an seinem Nacken fest, während ihr Stoffhase auf ihrem Bauch lag. Ihre Beinchen schlang sie um seine Hüfte, sodass er sie mit seinen Händen an ihren Kniekehlen auf dem Arm hielt.
„Musst du schon zur Schule, Papi?", legte sie fragend ihren Kopf schief.
„Ja, muss ich", antwortete er ihr.
„Aber ich bin doch noch in meinem Schlafanzug und gefrühstückt haben wir auch noch nicht zusammen. Kommen Mami und ich heute nicht mit dir mit, damit ihr mich in den Kindergarten bringt?", zog sie enttäuscht ihre Stirn kraus und ihre Mundwinkel nach unten.
Stefan tippte seiner Tochter aufs Näschen: „Wir haben doch gestern Abend beim ins Bett gehen darüber gesprochen, dass du heute länger schlafen durftest. Mama und du haben doch heute frei, weil ihr nachher zu deinem Kinderarzt Dr. Vogt fahrt, deshalb frühstücken wir heute früh ausnahmsweise nicht zusammen und ich fahre jetzt alleine in die Schule, der Unterricht beginnt nämlich auch bald."
Wie aufs Stichwort kam Karin, die bereits ihre Kleidung für den Tag trug, aus der Küche und auf die Beiden zu, die immer noch mitten auf dem Flur standen.
„Stimmt", entgegnete das kleine Mädchen auf dem Arm ihres Papas enttäuscht, als sie sich wieder an das Gespräch des vorherigen Abends erinnerte. „Dabei haben wir noch gar nicht gekuschelt." Immer noch schläfrig schmiegte sich Frida mit ihrem Köpfchen an seine Brust, schloss ihre Augen und knuddelte Hasi in ihrem Arm.
„Das machen wir heute Nachmittag, versprochen." Stefan strich ihr über die immer noch strubbeligen Haare und vergrub für einen kurzen Augenblick seine Nase in diese. Tief atmete er ein und wieder aus und genoss das vertraute Gewicht in seinen Armen.
Mit ihrem Handrücken strich Karin ihrer Tochter über die Wange, die daraufhin wieder ihre Äuglein öffnete und verschlafen lächelte: „Guten Morgen, Mami."
Dies sorgte dafür, dass Stefan aus seiner Träumerei gerissen wurde und aufblickte.
„Guten Morgen, Frida", antwortete diese sanft, schmiegte ihre Stirn an ihre und gab ihr einen Kuss. „Kommst du zu mir auf den Arm? Papa muss jetzt in die Schule."
Ein zaghaftes Nicken folgte und Frida wanderte ohne zu murren in die Arme ihrer Mama, in die sie sich genau so schmiegte wie vorher bei ihrem Vater. Die Zwei beobachteten, wie Stefan über sein graues Shirt in seine Lederjacke schlüpfte, in die er sein Handy steckte, sich seine Tasche über die Schulter warf und nach seinem Schlüssel griff.
„Ich möchte Papi noch winken", verkündete Frida leise und so standen die Drei kurz darauf an der Haustür.
„Tschüss, mein Muckelchen", verabschiedete er sich von seiner Tochter mit einem Kuss.
„Tschüssi, Papi. Ich hab dich lieb", antwortete sie zuckersüß.
„Ich dich auch", erklärte er ihr mit einem Streichen über ihr Köpfchen. „Und die Mama auch", wandte er sich danach an Karin, die er damit zum Lächeln brachte. Ein knapper Kuss folgte, die ihn daraufhin neckisch ermahnte: „Keine Explosionen im G-Kurs, wenn ich nicht da bin."
Stefan öffnete die Tür, durch die ein kalter Wind ins Innere fuhr. Sofort griff er nach seiner dunkelblauen Sweatshirtjacke, die auf der weißen Bank lag. Fridas Ärmchen steckte er durch die Ärmel und die Kapuze setzte er zum Schutz vor der Kälte auf ihr Köpfchen, sodass er sie darin einwickelte und ihr kleiner Körper quasi unter seiner Jacke verschwand.
„Bis heute Nachmittag", lächelte er anschließend seinen Mädels entgegen und wandte sich zum Gehen. Blitzschnell griff Karin nach seiner Hand und zog ihn nochmal zu sich zurück. Ihre Gesichter waren nah beieinander und ihre Lippen fanden sich zu einem liebevollen Kuss. Als sie sich wieder voneinander lösten, hielten sie noch einige Momente intensiven Blickkontakt bis sich Stefan nach einem Stups mit seiner Nase gegen ihre umdrehte und zu seinem Wagen ging.
Er warf seine Tasche auf den Beifahrersitz, ließ sich danach auf den Fahrersitz fallen und startete den Motor seines geliebten Mercedes, um diesen rückwärts vom Hof zu fahren.
Aus dem Nest aus blauen Stoff, aus dem bisher lediglich Fridas Gesicht lugte, die still und heimlich die Verabschiedung zwischen ihren Eltern beobachtet hatte, wurschtelte sich nun ein kurzes Ärmchen, das euphorisch zu winken begann.
„Tschüss, Papi" hallte Fridas helle Stimme, während sich ihre Hand zum Abschied immer noch ausgelassen drehte. Auch Karin winkte, was Stefan erwiderte, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwand.

Ein perfekter Moment, den möchte man am liebsten einfrierenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt