Samira Welsh

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Ich hielt mir kurz die Nase zu,bis ich mich auf den beißenden Gestank vorbereitet hatte.

"Ich übernehme die obere Etage",beschloss ich naserümpfend und tappste leise die hölzernen Stufen hinauf.

Oben angekommen sah der Flur genauso edel und gepflegt aus wie das Haus von außen.Der Boden bestand aus dunklem Holz und die Wände waren in einem hellen braun gestrichen.Die Türen waren ebenso dunkel und auch aus Holz,die Klinken waren goldfarben.

Links von mir waren zwei Türen und rechts genauso.

Ich wählte die erste Tür rechts und öffnete sie vorsichtig.

Auf dem ersten Blick erkannte ich dass es ein Kinderzimmer war.Die Wände waren rosa gestrichen und der Raum war voller süßer Spielsachen.
Ein großes Puppenhaus stand neben dem Himmelbett und ein großer Kleiderschrank stand auf der rechten Seite.

Ich verließ das Zimmer und ging in das andere neben dem Mädchenzimmer.

Es war dem anderen ähnlich.Nur waren hier die Möbel anders aufgestellt und and den mintgrünen Wänden hingen Poster von Kinderstars.Einige davon kannte ich sogar noch.

Im nächsten Zimmer stellte ich fest woher der üble Geruch kam.Ich hielt mir meine Hand vor meinem Mund und meine Nase.

In diesem wunderschönen Zimmer,mit riesigem Bett und schöner,schlichter Deko saß eine Frau an einem Schreibtisch.Ihr Kopf lag auf der Oberfläche,neben ihr eine Waffe,wodurch die Wunde an ihrer Stirn kommen musste.Das dunkle Blut war angetrocknet und lief bis zu ihrer Nasenspitze.Als ich genauer hinsah lag ihr blonder Schopf auf einem Notizheft,welches aufgeschlagen war.

Ich ging vorsichtig auf die Frau zu und hob ihren Kopf mit größter Vorsicht an.Zögernd nahm ich mir das graue Büchlein und legte ihren Kopf behutsam zurück auf den Tisch.

Langsam trat ich zurück und ließ mich auf die äußerst bequeme Matratze fallen.

Als ich die erste Seite aufschlug fiel mir die hübsche Schreibschrift auf.
Stirnrunzelnd las ich mir das aufgeschriebene durch und blätterte bis zur letzten Seite weiter.

Mir fällt es schwer diesen Text zu schreiben,denn es wird das letzte sein was die Welt noch von mir hat.
Ich mache mir viele Gedanken.Erinnerungen und Wissen ist das einzige was in dieser Welt noch zählt.Und Menschen.Man muss miteinander arbeiten und aufeinander acht geben um einander nicht zu verlieren.

Ich habe jemanden verloren.
Es ist gestern geschehen.
Deshalb verabschiede ich mich in diesem Brief....von wem auch immer.

Mila und Alice waren draußen und haben im Wintergarten gespielt,während sie unsere Tomaten abgeerntet haben.Ich sagte noch.."Passt auf,die Tür schließ nicht mehr richtig."....Einer der Untoten kam hinein und überraschte meine kleinen Mädchen.Ich fand sie zerrissen im blutüberströmten Wintergarten...

Mein Leben hat keinen Sinn mehr.Ich habe meine Kinder geliebt und versprach auf sie aufzupassen,doch ich habe es nicht geschafft!Das ist die einzige Aufgabe einer Mutter und ich habe versagt.

An die Person die das hier liest:
Du musst dich wirklich für andere Menschen interessieren,wenn du den Brief einer toten Fremden liest.

Lost /Daryl Dixon #Wattys2018Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt