Wir blieben vor einer Tür, der Größe nach jedoch eher einem Tor, stehen. Ich hatte sie einige Meter zuvor mehrere Male zufallen sehen und den lauten Knall gehört, die diese dabei verursachte. Hinter uns standen alle weiteren Menschen in einer Reihe, einige fluchten über ihre bulligen Uniformierten, andere weinten oder schrien sich die Seele aus dem Leib. In der Anspannung hatte ich mich gerade aufgerichtet und meinen Blick aufmerksam durch die Gegend gleiten lassen. Ich war die einzige, die gleich zwei Männer bei sich hatte und noch immer hielten sie jeweils einen meiner Arme fest. Wenigstens jedoch nicht die Einzige im Pyjama.
Das Tor bestand aus Stahl oder einem anderen schweren Metall und war mit schwarzen Bolzen versehen, welche mehrere Schichten zusammen zu halten schienen. Die Bolzen glänzten in dem Sonnenlicht, welches meine gesamte Umgebung in goldenes Licht badete. Sehr unpassendes Wetter in einer solchen Situation, aber über die kurzzeitige Wärme in meinem Rücken beklagte ich mich nicht. Ich blinzelte und wandte meinen Blick von der Tür ab, als das Licht meine Augen traf, die schon immer deutlich Lichtempfindlich waren. Die Ärzte hatten gemeint, dass es an der Augenfarbe lag. Blaue Augen seien grundsätzlich lichtempfindlicher als braune oder grüne Augen.
Das Tor öffnete sich wieder nach innen und die beiden Männer führten mich hinein. Ich atmete leise und tief aus, um die Kontrolle über meine Gefühle und die aufkeimende Panik zu behalten. Im Gegensatz zu dem strukturiertem Äußeren, so führte jeder Gang im Inneren in einen anderen, der dort nicht hätte sein sollen. Ich bekam das Gefühl, dass sie wollten, dass man sich verlief. Sodass niemand alleine heraus fand. Jeder Gang war dunkel und bestand aus kaltem, hellgrauen Beton, der bei jedem Schritt einen kalten Schauer von meinen nackten Füßen hoch in meinen Körper sandte.
Ich versuchte, mir jede Kurve zu merken und war bereits kurz darauf hoffnungslos orientierungslos. Ganz im Gegensatz zu den Uniformierten, die wortlos mal links abbogen und mal rechts. Schreie hallten von allen Seiten zu mir und machten mich ungewollt nervös. Doch viel nervöser machte mich etwas, was ich nicht einschätzen oder verstehen konnte. Knurren, Bellen und Heulen. Mal laut, mal leise. Hoch und tief, es hing ganz davon ab, in welchem Gang ich mich gerad befand. Ich erkannte das Ende des Betonbodens und lief schon bald über kalte, weiße Fliesen ohne Muster. Das Laufen endete schließlich vor einem Raum, der mit einer Schiebetür von dem Gang getrennt war. Sie stand offen. Wer waren diese Leute und was wollten sie von mir?
Ich begann von Sekunde zu Sekunde, meine Geduld zu verlieren. Von Beiden wurde ich in den Raum gedrängt und sofort schrillten unerträglich laute Alarmglocken in meinem Kopf. ‚OP' war das erste, was mir durch den Kopf raste. Der Geruch nach sterilem Desinfektionsmitteln stieg mir in die Nase und es schien bis in meine Lunge hinein zu dringen, was mir das ungute Gefühl nicht wirklich nahm, sondern es eher schlimmer machte. Ich sah auf den zweiten Blick eine Liege, bezogen mit blauen Stoff in der Mitte des Raumes stehen. Ein weißer Schrank mit ebenso blauen Griffen stand dahinter und verhieß genauso wenig etwas Gutes. Einige, für mich sinnlos erscheinende Kabel, lagen miteinander verknotet auf dem Boden an den Wandseiten entlang, als wäre der Raum provisorisch geräumt worden. Ich versuchte stehen zu bleiben, doch bereits im nächsten Moment spürte ich wiederum das kalte Metall an meinem Hinterkopf. „Weiter."
Mit einer Stimme so kalt wie Eis und schneidend wie eine Glasscherbe, forderte mich der andere Mann an, weiter zu gehen. Ich lief auf die Liege zu und tat damit genau das, was ich um alles in der Welt vermeiden wollte. „Hinlegen.", lautete seine nächste Anweisung. Als ich mich nicht bewegte hörte ich in der Stille des Raumes ein Knacken, als würde die Waffe in seiner Hand entsichert werden, weshalb ich mich wiederstrebend auf die Liege legte. Der blaue Stoff war ebenso kalt die die Fliesenplatten auf meiner Haut. Beide kamen auf mich zu und banden schwere, dicke Schnallen um meine Arme, Beine und zusätzlich noch um meinen Bauch und die Schultern. Ich konnte mich keinen Millimeter bewegen.
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Vollmond total - Violett
Werewolf▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
