Er muss dich beißen. Diese Worte brannten sich in meinen Kopf. Ich wollte selbst entscheiden können und wenn ich ehrlich war, so hatte ich auch Angst. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals und ich traute mich nicht, zu Hunter wieder hochzusehen.
Ich kannte ihn doch gar nicht richtig! Er bedeutete mir viel, das konnte und wollte ich nicht leugnen, jedoch entscheidet das nicht darüber, wie sehr ich ihm vertraue. ,,Schon verstanden.", sagte Hunter kalt und wandte sich ohne ein weiteres Wort zu sagen, ab. Ich hörte den verletzten und auch wütenden Unterton in seiner Stimme.
Ich öffnete meinen Mund und schloss ihn wieder, brachte jedoch die Frage, dessen Antwort ich bereits kannte kurz bevor er den Raum verließ, heraus. ,,Was bedeutet ,markieren'?" Ich traute Katies Antwort nicht, auch wenn mir das der einzige Satz zu sein schien, bei dem die vermutlich die Wahrheit gesagt hatte.
Hätte ich die Bücher doch einfach schon gelesen und mich nicht einfach von einem Alpha küssen lassen! In diesem Moment kam ich mir wirklich dämlich vor, obwohl Hunter mich nicht ansah, als würde er das gleiche denken.
,,Ich beiße dich in deinen Hals. Es hört sich schmerzhafter an, als es ist!" Den zweiten Satz sagte er schnell hinterher, als er meinen erschrockenen Gesichtsausdruck sah. ,,Nach diesem Biss verändert sich dein Geruch für andere Werwölfe, sodass sie wissen, dass du mir gehörst.", er knurrte leise am Ende.
Ich zog sauer meine Augenbrauen zusammen und hob mein Kinn. ,,Du weißt aber schon, dass ich kein Gegenstand bin, oder?", fragte ich ihn und obwohl meine Stimme ruhig klang, so konnte man den wütenden Unterton ohne Schwierigkeiten heraushören. Was bildet er sich eigentlich ein?
,,Du bist meine Mate, du bist meins.", sagte er ernst. ,,Fick dich, Hunter.", meinte ich mit gleicher Ernsthaftigkeit und sprang von der Arbeitsplatte herunter. ,,Ich bin kein Gegenstand, den man besitzen kann, Alpha." Mit Absicht sprach ich seinen Titel abfällig aus und sah ihn verständnislos an.
Seine Augen verrieten mir nicht, was er dachte oder vermutlich sagen würde. Ohne ein weiteres Wort lief ich an ihm vorbei, nahm den Teller mit den Pancakes mit und lief die Treppen rauf. Ich hasste das Gefühl der unbändigen Wut. Gestern noch war er jemand gewesen, der mich respektierte und akzeptierte und jetzt? Jetzt tat er so, als wäre ich etwas besitzbares oder Materielles.
Ich aß die Pancakes, doch auch diese halfen gegen den Frust nicht, der sich in mir staute. Auf dem Tisch vor dem Bett lag das Handy, welches Violet mir gegeben hatte und ich zögerte keine Sekunde, diese anzuschreiben.
,Autorennen?', schrieb ich und musste keine zehn Sekunden auf ihre Antwort warten. ,,Bin fast da.' Das Handy verstaute ich in der eingenähten Hoodie-Tasche, bevor ich mir Schuhe anzog und den letzten Pancake in meinen Mund stopfte und aus dem Haus lief.
,,Elisa! Warte!", rief Hunter, doch die Tür war bereits zu und ich hatte auch kein Interesse daran, mit ihm zu reden. Eingebildeter Pavian.
Violet stand bereits in dem Autohaus und lief grübelnd zwischen den teuren Sportautos hin und her. ,,Lamborghini?", fragte sie und ich zuckte mit den Schultern, wer wusste schon, ob sie nicht das gleiche Du-gehörst-mir-Syndrom hatte.
Sie fragte nicht nach, stieg jedoch schnell in den Aventador ein. Mein Blick blieb an dem Centenario hängen, in den ich dann auch einstieg und aus dem Autohaus auf die matschige Rennstrecke fuhr. Ich ließ den schwarzen Wagen mit den roten Details einmal laut an der Startlinie aufheulen.
Das Handy stand in der Konsole und laut hörte ich Violet's Stimme aus diesem heraus. ,,Drei", zählte sie. Später würde ich mit ihm noch einmal reden müssen. ,,Zwei.", fuhr Violet fort. Ich bin kein Gegenstand. ,,Eins und los!" Nur eine Sekunde später rasten wir beide los und ich schüttelte die Gedanken ab.
,,Weshalb bist du sauer?", fragte Violet bereits in der ersten Kurve, wo ich sie überholte und aggressiv um die Kurve schlitterte. ,,Weil ich kein Gegenstand bin, den man besitzen kann!", zischte ich. Selbst als die Kurven enger wurden, drosselte ich nicht das Tempo.
,,Es ist nun mal Hunter, der Alpha von einem riesigen Rudel, von dem wir hier sprechen.", meinte Violet gelassen und sah im Rückspiegel, wie sie etwas Boden gutmachte. ,,Das ist keine Entschuldigung dafür, dass er mich wie einen Gegenstand behandelt, Violet.", sagte ich und fuhr auf den asphaltierten Teil, der größtenteils frei von dem Schnee und dem Matsch war.
,,Wenn du eine Entschuldigung haben willst, dann musst du später mit ihm reden.", schlug sie vor und ich seufzte laut. ,,Okay.", gab ich nach. ,,Okay, ich rede später mit ihm." Dass dieses ,später' jedoch bereits wenige Minuten später war, wusste ich nicht.
Violet und ich hatten das Rennen beendet und hatten die Autos zurückgestellt, bevor sie mich zurückbegleitet hatte und sich dann verabschiedet hatte. Egal was sie sich denkt, ich werde Hunter nicht recht geben, ich habe meinen Stolz.
Nur einen Schritt weit war ich in die Villa gekommen, bevor Hunter mich an seine Brust gezogen hatte. ,,Gott Elisa, tu mir das nie wieder an! Das nächste Mal sollte ich dich einfach festketten.!", knurrte er, während er mich an sich drückte. Und schon wieder. Ich drückte mich von ihm weg und sah ihn wutverzerrt an. ,,Stopp!", sagte ich bestimmt.
Hunter sah mich mit hochgezogener Augenbraue an und hob beinahe spöttisch seine Arme hoch, um mir zu zeigen, dass er nichts tat. ,,Wenn das irgendwann zwischen uns funktionieren sollte, habe ich eine Regel, Hunter." Ich sah ihm direkt in seine Augen und zögernd nickte der Alpha.
,,Okay, damit kann ich leben. Was ist die Regel?", fragte er. Verdammt sei sein gutes Aussehen! Ich verschränkte die Arme vor meiner Brust. ,,Keine Besitzansprüche. Irgendwann gehöre ich vielleicht zu dir, aber niemals gehöre ich dir. Verstanden?", forderte ich ernst.
Ich sah seinen angespannten Kiefer und hörte sein starkes Seufzen, spürte die Spannung, die in der Luft lag. Mehrere Sekunden vergingen, in denen wir einfach herumstanden. Keiner von uns bewegte sich wirklich.
,,Okay.", stimmte er schließlich zu und ich verlor an Spannung. Ein Grinsen schlich sich in mein Gesicht. In meinem Innern jubelte ich. ,,Aber-", fuhr er fort. Aber? Giftig sah ich Hunter an. Dieser hatte ebenfalls ein kleines Grinsen in seinem Gesicht.
,,Sobald du mir vollkommen vertraust, darf ich dich markieren." Damn it! Ich biss mir auf meine Lippe um das nicht auszusprechen, was ich ihm jetzt am liebsten an den Kopf werfen würde. ,,Einverstanden."
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Vollmond total - Violett
Hombres Lobo▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
