Leise summte ich den Text des Liedes mit, welches durch die Musikboxen des Badezimmers drang.
Kennen tat ich es nicht, jedoch war es beruhigend und verbreitete gute Laune, die ich nach dem ganzen Tag eindeutig gebrauchen konnte.
Gleichzeitig bürstete ich meine widerspenstigen Haare, was durch die Länge meiner Haare zusätzlich erschwert wurde.
Ruckartig ließ ich meine Arme sinken, als der Spiegel von der Wärme beschlug und ich nichts mehr sehen konnte.
Ich entschied mich, kurz das Fenster zu öffnen, um etwas kalte Luft hereinzulassen.
Sobald meine Haare endgültig entknotet waren, zog ich über die Unterwäsche einen von Hunters Pullovern.
Mir war von Anfang an klar gewesen, dass er groß war, zumal ich, um ihm in seine Augen sehen zu können meinen Kopf in den Nacken legen musste aber das war schon wirklich extrem.
Der Pullover ging mir bis fast zu meinen Knien.
Hauptsächlich war ich gerade aber froh, dass ich den ganzen Dreck und den Schlamm abwaschen konnte.
Und die leichten Wunden die ich von meinem ,Kampf' mit Adrian davongetragen hatte, hatten bereits aufgehört zu bluten.
Dennoch würde ich das nächste Mal mit dem Messer gerne Hunter treffen, sollte er erneut wagen, irgendetwas oder irgendwen in mir wecken zu wollen.
Gott, ich verabscheute es extrem, dass ich so lange im Koma lag.
Ich wusste absolut nichts über das, worüber die meisten hier sprachen.
Luna, Mate... ich fühlte mich so, als würde ich eine neue Fremdsprache lernen.
Für einen Moment ließ ich meine großen, blauen Augen einfach resigniert über den Spiegel wandern, bis ich meinen Blick entschlossen abwandte.
Ich werde alles nachholen, was ich in den letzten zehn Monaten verpasst habe.
Und zwar heute, hier und jetzt.
Ich griff nach den dreckigen Sachen und schmiss sie in Hunters Schlafzimmer in den Wäschekorb in der Ecke, bevor ich mir im Laufen und dabei hüpfend Socken und eine lockere Jogginghose anzog, die natürlich auch ihm gehörte.
Ich machte die Musik aus und ging zur Treppe.
Am Treppenabsatz rief ich seinen Namen, doch es kam keine Antwort.
Er war also noch nicht wieder da.
Hoffentlich ist er in den Matsch gefallen.
Entspannt lief ich die Treppe herunter.
Selbst durch die Socken fühlten sich die Marmorstufen ziemlich kalt an.
Als ich beinahe unten war, rutschte ich mit einem Fuß eine Stufe herunter.
Ich riss meine Augen auf, bekam jedoch mit dem anderen Fuß keinen Halt auf der nächsten Stufe, sodass ich schneller als gedacht unten am Ende der Treppe auf meinem Hintern saß.
,,Au'', stöhnte ich schmerzerfüllt und stand vom Boden auf.
So viel Pech kann auch nur ich haben.
Da ich keine Schmerzen in meinen Füßen hatte, lief ich suchend in der Villa herum.
Vielleicht gab es wirklich Bücher, die mir helfen könnten?
Andererseits existieren diese Wesen auch erst seit dem violetten Vollmond.
Im Wohnzimmer sah ich nichts, was mir weiterhelfen könnte außer einer Zeitschrift für den Fernseher.
Selbst als ich die Schränke durchsuchte, entdeckte ich nicht ein einziges Buch, weshalb ich die Küche gleich ausließ und mich weiter umsah.
Neben der verschlossenen Haustür im Flur entdeckte ich einen dunklen Gang, der in einer Treppe schräg herunter führte.
Ich überlegte nicht lange und lief die Treppen herunter.
Und je weiter ich ging, desto rustikaler wurde es.
Die hellgrauen Tapete wichen und wurden von bloßem Putz abgelöst, auch die Marmortreppen wurden durch grobe Steintreppen ersetzt.
Und es wurde dunkler, einzelne Glühbirnen beleuchteten den steilen Weg weiter hinunter.
Ich hoffe nur, dass ich jetzt gleich nicht in einem Folterkeller lande.
Mit meinen Händen tastete ich mich an dem Putz entlang, während die Treppen nicht zu enden schienen.
Kurz überlegte ich einfach umzudrehen und später Hunter zu fragen, entschied mich aber fast im gleichen Augenblick dagegen.
Ich bin und werde niemals sein kleiner Schoßhund sein, der ihm hinterherdackelt und nur das tut, was er sagt und wann er es sagt.
Also lief ich entschlossen, aber mit pochendem Herzen weiter, bis ich kurz darauf auf kaltem Gestein stand.
Etwas weiter entfernt hörte ich regelmäßiges Tropfen von Wasser, konnte jedoch nicht sagen von wo genau es kam.
Ungefähr Zehn Meter von mir entfernt entdeckte ich hinter dem spärlichen Licht einer Glühbirne, die tief im Gang hing eine Tür.
Es war auf genaueren Blick eine Metalltür, leicht rostig und demnach ziemlich alt.
Auf dem Weg zu dieser musste ich stark darauf achten, wohin ich trat denn überall auf dem Boden lagen Bretter, Nägel und sonstiges herum.
Nur in Socken hier herunter zu laufen war vielleicht doch nicht die beste Idee von mir gewesen zu sein.
Umdrehen und zurückgehen kam für mich jedoch nicht mehr infrage.
Unsicher sah ich mich in dem Gang um.
Ich konnte nichts und niemand gefährliches erkennen, jedoch war mir dieser Keller auch definitiv nicht geheuer.
Habe ich früher zu viele Horrorfilme geschaut? Man weiß es nicht.
Mit langsamen Bewegungen öffnete ich die überraschend leichte Tür und gerade als ich einen Schritt durch diese gegangen bin, knallte diese laut hinter mir zu.
,,Ahh!''
Ich schrie vor Schreck, fasste mich jedoch schnell wieder.
Man weiß es doch.
Mein Blick wandte sich von der Tür ab und auf einen weiteren Gang gerichtet, der auch mit wenigen Glühbirnen beleuchtet war.
Es waren nur ein paar Meter die ich lief, bis ich um eine Ecke bog.
Mit offenem Mund blieb ich stehen.
Vor mir erstreckte sich eine gigantisch große und mit extrem langen Gängen versehende Bibliothek.
Ich trat einen Schritt nach vorne, beinahe sofort gingen von überall Lichter an.
Die Wände, wie ich jetzt sah, waren eindeutig aus luxuriösem Gestein und hatten nicht einmal im Entferntesten etwas mit den dunklen Gängen zu tun, durch die ich gelaufen war.
Der Geruch von frisch gesägtem Holz gemischt mit dem klassischen Geruch von neuen und alten Büchern drang in meine Nase.
Warum wird so etwas hinter so vielen Gängen versteckt?
,,Wow...'', entfuhr es mir leise, doch selbst das hallte laut durch den schier unendlichen Raum.
Meins!
Ich lief einen Schritt in den Raum herein.
Hier müsste ich doch mit Sicherheit etwas über Werwölfe und ihre Traditionen erfahren können.
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Vollmond total - Violett
Hombres Lobo▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
