|History|

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,,Du weißt, dass der Mond am 29. Februar um Mitternacht violett wurde, richtig?'', fragte Katie, scheinbar darüber nachdenkend wo sie anfangen sollte.

Stumm nickte ich und wartete darauf, dass sie zu erzählen begann.

Mein Blick glitt zu dem vor sich hin knisternden Feuer im Kamin, welches den gemütlichen und kleinen Raum in eine glutähnliche Farbe tauchte.

,,Gut. Am nächsten Morgen, also am 1. März fing alles an. Wenn noch nicht bis dahin begannen sich nun die Menschen zu verwandeln. Statt ihnen standen dort riesige, monströse Wölfe.''

Katie hielt kurz inne und ein trauriger Ausdruck huschte über ihr Gesicht.

,,Ist alles-'', setzte ich an zu fragen, doch wurde unterbrochen.

Der Ausdruck war so schnell verschwunden wie er gekommen war und sie wirkte wieder glücklich, wenn auch ernster.

,,Die Menschen begannen aus Angst und Panik die Verwandelten anzugreifen. Und die Verwandelten wehrten sich natürlich, nur mit dem Unterschied, dass sie sich nicht über ihre Kraft bewusst waren die sie nun hatten. So kam es zu Massenermordungen und brutalen Kämpfen. In der Regierung suchten die Wissenschaftler die sich nicht verwandelt hatten währenddessen fieberhaft nach einem Gegenmittel, etwas was die Werwölfe stoppen und die Menschen retten würde, bevor sie noch ausgerottet würden. Und sie schafften es, ein Mittel zu erfinden, welches einem Menschen solch starke Schmerzen zuzufügen, dass er sich entweder unfreiwillig in einen Werwolf verwandelte oder aber in Ohnmacht fiel. Denn natürlich verwandelten sich einige Werwölfe zurück und taten so, als seien sie komplett normale Menschen, um nicht getötet zu werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wurde aus ihren Häusern geschleppt, ohne dass die meisten überhaupt wussten, worum es ging, unter anderem auch du.''

Kurz herrschte Stille zwischen uns, lediglich das Feuer im Kamin knisterte vor sich her.

Ich wusste nicht, was ich zu dieser Erklärung sagen sollte, als Katie bereits fortfuhr.

,,Die Menschen, zumindest die meisten wachten nach einem Monat auf und versuchten sich an das neue Leben zu gewöhnen, denn in all' dem unkontrollierten Chaos haben die Werwölfe alles an sich gerissen. Es gibt keine Regierung mehr, kein kontrolliertes Leben. Nur eins wundert mich;'', endete Katie stutzend und lehnte sich mit ihren Ellbogen auf den Tisch an dem wir saßen.

Dabei sah sie mich prüfend an.

,,Wieso warst du ganze zehn Monate im Koma?''

Ich seufzte.

So oft ich auch darüber nachdachte, ich hatte keine Antwort auf diese Frage.

,,Weil ich schwach bin?'', antwortete ich ihr ausdruckslos und zuckte mit meinen Schultern.

,,Ich weiß ja nicht einmal wo ich hinsoll, geschweige denn was jetzt mit der Schule ist.'', seufzte ich nun, fuhr mir mit meinen Händen verzweifelt durch meine Haare und blieb direkt in einigen dicken Knoten stecken.

,,Au'', entfuhr es mir und ich hörte Katie leise kichern.

Ich nahm die Hände von meinen Haaren.

,,Du kannst selbstverständlich hier blieben, Grandma wird nicht dagegen haben.'', bot mir Katie nun mit einem ehrlichen Lächeln an.

,,Und wir können dich hier mit Sicherheit in der Schule anmelden.''

Der restliche Tag verging wie im Nebel.

Nachdem ich mich ausgiebig geduscht und rasiert hatte, fühlte ich mich auf jeden Fall besser als davor.

Katie und ihre Großmutter hatten tatsächlich noch am gleichen Tag dafür gesorgt, dass ich an der Schule angemeldet wurde, auf die ich mit Katie neben mir auf direktem Weg zu lief.

Vollmond total - ViolettWo Geschichten leben. Entdecke jetzt