,,Was sollt das bedeuten, Elisa?", fragte Hunter, der das Wort gesehen hatte. ,,Mehr als du dir vorstellen kannst.", antwortete ich schlicht. Fühle nicht den Stoff, sondern die Zeichen darunter. Würde ich das Buch öffnen können, wenn ich alles herausgefunden hätte?
Es reizte mich, das musste ich zugeben. ,,Das ist mir klar, Kleine.", sagte Hunter und brachte mich damit wieder aus meinen Gedanken. Ich sah zu ihm und konnte gerade noch den Rest seiner grünen Augen sehen, bevor ein tiefes rot dieses Grün überdeckte.
Scheiße. Ich ging ein paar Schritte zurück und sah, wie er erst einer Statue glich, bevor seine roten auf meine blauen Augen trafen und er mich schneller als ich gucken konnte an meinen Armen festhielt.
,,Hunter, lass mich los!", sagte ich ernst. Nichts geschah, er sah mich einfach an, wie ich versuchte, seine Hände von meinen Armen zu lösen. Sein Geruch nach Minze und Kiefer war der Gleiche, aber seine Ausstrahlung war eine vollkommen andere. Dunkler und beinahe machthungrig wirkte es.
Ich hatte Angst und keinen blassen Schimmer was los war. Meinen Blick senkte ich, denn ich wollte ihm nicht in seine Augen sehen, als eine tiefe und laute Stimme erklang.
,,Ich weiß nicht, was du mir verschweigst, Elisa aber das hat nun ein Ende." Ich zuckte bei den kalten Worten unmerklich zusammen, meine Augen weiteten sich. Eine kurze Pause tauchte den Raum in komplette Stille.
Mein Atem verschnellerte sich. ,,Du bist mir wirklich wichtig, meine Luna. Deshalb kann ich nicht zulassen, dass du so schwach bist." Ich schnaubte laut und seine Hände umfassten meine Arme fester. Um den Schmerz zu verdecken, biss ich mir auf meine Lippe.
,,Schwach war ich schon immer. Bisher bin ich gut damit zurechtgekommen, Alpha." Seinen Titel spuckte ich verächtlich aus. Ich hatte keine Ahnung, was in ihn gefahren war, aber es tat mir weh und machte mir Angst und ließ mich nicht los.
,,Genug!" Seine Stimme hallte laut in dem Zimmer nach und ließ mich erneut zusammenzucken. Dämonisch, so klang die Stimme. Ich schluckte und verkniff mir, etwas zu sagen. ,,Du willst doch nicht, dass ich dir in deinen Hals beiße, oder?" Als Antwort versuchte ich mich von ihm loszureißen, scheiterte jedoch.
Sein Gesicht kam meinem Hals nahe, zu nahe. ,,Denk gar nicht erst dran. Solltest du das wagen..." Ich sprach nicht weiter. ,,Was dann, meine Luna?" Er lachte laut und tief. Doch so schnell wie er zu lachen begonnen hatte, so schnell hörte er auch damit auf.
,,Du wirst trainieren. Bis um Mitternacht und keine Minute früher wirst du damit aufhören. Du bist nur ein Mensch und ich bin deine Schwäche langsam leid." Bevor er mich los ließ, setzte er einen federleichten Kuss unter mein Ohr, dann war er plötzlich verschwunden.
,,Nochmal.", sagte Violet emotionslos. Keuchend stützte ich meine Arme auf die Knie und sah zu Violet. Den Blick, den ich ihr zuwarf war mehr als eindeutig. Ich war stinksauer, dass sie nicht einmal versuchte, freundlich zu sein.
In der nächsten Sekunde lag ich mit ihrer Hand an meiner Kehle auf dem matschigen, kalten Boden und sah mit zusammengekniffenen Augen zu ihr hoch. ,,Tot."
Sie ließ los und ich stand wieder auf. Seit mehreren Stunden ging was schon so. Doch viel mehr als Violet's Laune, sorgte ich mich um das, was zu mir gesagt wurde. Meine letzte Prüfung stünde mir noch bevor. Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken.
In der letzten Sekunde sprang ich zur Seite und wich einem erneuten Angriff von Violet aus. ,,Hör auf mit dem scheiß!", zischte ich sie an. Sie lachte auf. ,,Dann konzentriere dich endlich mal. Katie wird zurückkommen und das einzige, zu was du in deiner jetzigen Verfassung taugen würdest, ist sterben." Ihre kalten Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.
Sie machten mich wütend. ,,Was fällt dir eigentlich ein? Wer denkst du bist du, dass du das sagen kannst? Das Einzige was hier schwach ist, ist deine emotionale Stärke. Du denkst, dass du jetzt so toll wärst, weil du stärker als ich bist, dabei bist du von uns beiden die Schwache.", schnaubte ich und verfehlte meine Wirkung ebenfalls nicht.
,,Nochmal.", sagte diesmal ich und stellte mich richtig hin. Als wir das nächste Mal auf unsere Umgebung achteten, war es stockfinstere Nacht. ,,Es reicht für heute.", sagte Violet und drehte sich sofort um und ging.
Ich sah an mir herunter. Bedeckt von Matsch und Nadeln der Bäume musste ich aussehen wie ein Überlebender einer Zombie-Apokalypse. Doch ich dachte nicht einmal daran, in die Nähe von Hunter zu gehen. Doch wo sollte ich stattdessen hin?
,,Luna?", rief jemand und ich drehte mich zu der Person um. Adrian lief auf mich zu und ich sah ihn misstrauisch an. ,,Willst du mir jetzt auch noch sagen, was ich zu tun und lassen habe?", fragte ich ihn skeptisch. Adrian schüttelte, scheinbar verwirrt, seinen Kopf.
,,Nein, Luna. Ich wollte dich lediglich fragen, ob du die Grenzpatrouille begleiten möchtest. Abgesehen von dir und mir kommen noch etwa zehn andere mit.", erklärte er und ich sah mit einem Seitenblick zur Villa, dessen Lichter durch die Bäume schienen.
,,Ich bin dabei, Adrian."
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Vollmond total - Violett
Hombres Lobo▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
