Elisa's P.O.V
,,Elisa-", setzte er seufzend an, als er aufgehört hatte mich zu mustern.
Ich schluckte schwer und sah auf die Bettdecke.
Seine roten Augen kamen mir wieder in den Sinn und ich schüttelte meinen Kopf hektisch.
Sie waren so bedrohlich, als hätte ich in dem Moment meinen schlimmsten Alptraum gesehen.
Hör auf daran zu denken!
So merkte ich auch erst zu spät, dass sich Hunter neben mich gesetzt hatte und seine Finger vorsichtig, als wäre ich eine Porzellan-Figur meinen Arm streiften.
Mit dem Wort ,Unsicherheit' könnte ich jetzt gerade diese ganze Situation beschreiben.
Ich wusste nicht, ob ich jetzt einfach angespannt sitzen bleiben sollte, ihm in sein Gesicht sehen oder aufstehen und Platz zwischen uns bringen sollte.
Er hat mich bedroht verdammt!
Es herrschte eine angespannte Stille zwischen uns, ich hielt diese und seine Berührung in dem Moment einfach nicht aus, sodass ich plötzlich aufstand und etwas Abstand zwischen uns brachte.
,,Es tut mir leid, Elisa. I-ich wünschte, ich könnte das rückgängig machen. Aber ich kann es nicht. Du sollst nur wissen, dass es nicht komplett meine Schuld war.'' Er betonte diese beiden Worte grimmig.
Ich sah ich verwirrt an.
,,Und wessen Schuld sonst?'', fragte ich mit einem spöttischen Blick.
Sein Blick wandte sich von mir ab und er krallte seine Finger in die Bettwäsche, als er tief einatmete.
,,Ich bin ein Werwolf, ein Gestaltwandler wenn du es so nennen möchtest. Und diese haben eine Art ,Inneres Wesen', also das Wesen in das man sich verwandeln kann, in sich.'', erklärte er und ich zog meine Augenbrauen hoch.
,,Dieser innere Wolf den ich habe, er heißt Talos kann auch die Kontrolle über meine Handlungen übernehmen. Und in diesem Moment hat er das, das hast du an den roten Augen gesehen.'', beendete er seine Erklärung und sah nun zu mir hoch.
In dem Blick, den er mir zuwarf aus seinen grünen Augen sah ich Besorgnis.
Nicht etwa, weil er einen Wolf in sich hat, welcher mit ihm redet und ihn kontrollieren kann, sondern weil er besorgt ist, was ich jetzt über ihn denke.
,,Bitte hass' mich jetzt nicht, Elisa. Ich bitte dich, flehe dich an.'', sagte er verzweifelt und fuhr sich durch seine Haare.
Er hat sich sein Schicksal nicht ausgesucht und ich meines auch nicht. Aber wir können entscheiden, was wir daraus machen.
Aber wieso auch immer bedeutete er mir mehr, als ich jemals erwartete hätte. Und seine Worte fanden immer wieder einen Weg in meinen Kopf, mein Herz und meine Seele.
Und ich werde nicht zulassen, dass ich das wegen meinem eigenen Stolz kaputt mache!
,,Ich hasse dich nicht.'', antwortete ich und sein Kopf schoss zu mir hoch.
,,Das könnte ich nicht mal wenn ich es wollen würde.'', murmelte ich hinterher.
Ich wusste nicht, ob er es verstanden hatte, doch im nächsten Moment stand er direkt vor mir und zog mich an sich.
Und ich genoss es, das tat ich wirklich.
Denn dieser Alpha hielt mein Herz in seinen Händen.
▪️
Nach einem weiteren herzhaftem Gähnen nahm ich einen Schluck des heißen Koffein-Getränks.
Es war viertel nach Zwölf und ich fühlte mich so, als hätte ich mehrere Nächte durchgemacht.
Naja, Hunter und ich haben auch bis Sechs Uhr geredet.
Bei dem Gedanken schmunzelte ich und kuschelte mich noch enger in die Decke.
Der Schnee rieselte vor mir das Dach herunter und landete auf dem bereits vorhandenen Schneebedeckten Boden.
Kampfgeräusche und Knurren drang von unten zu mir hoch und ich beobachtete die Werwölfe beim trainieren.
Wie sie sich Befehle zuriefen und sich umrundeten, bevor sie sich mit gezielten Griffen angriffen.
Alles wirkte idyllisch, doch meine Gedanken waren bei den Gefahren, hinter dieser Idylle.
Katie könnte jetzt überall sein, das Tagebuch führt mich wahrscheinlich in eine Sackgasse und im Endeffekt werde ich wahrscheinlich immernoch nicht wissen, was das alles überhaupt soll.
Ich seufzte.
Bis vor kurzer Zeit gab es Magie und Hexenkram nur im Fernsehen, und jetzt?
Es gibt Werwölfe und Hexen und das wegen dem Mond, der sich violett verfärbt hat?
Wieder einmal wurde mir bewusst, wie surreal das alles war.
Ich stellte die Tasse neben mich und griff nach dem Tagebuch, welches daneben lag.
Augen auf, sehe Licht.
Also mit geschlossenen Augen?
Die Wahrheit soll nicht schön sein.
Und das war die einzige Zeile, die mir Sorge machte.
Ich biss mir auf die Lippe und stellte mir eine Frage:
Will ich die Wahrheit überhaupt erfahren?
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Vollmond total - Violett
Kurt Adam▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
