Unruhig wälzte ich mich von der einen auf die andere Seite. Mein Bewusstsein sagte mir, dass etwas fehlte. Denn ich fiel und es war kein Aufprall in Sicht. Meine Haare wehten um meinen Kopf herum, als mich ein kalter Windstoß traf.
Ich hatte nicht die geringste Ahnung wo ich war, denn alles um mich herum war schwarz. Als wäre ich schwerelos drehte ich mich um meine eigene Achse, sah jedoch nichts. ,,Hallo?", rief ich verzweifelt in die Stille, doch es antwortete niemand.
Wo war ich und was geschah hier? Plötzlich tauchte ein kleiner Lichtstrahl vor mir auf, der mit jeder Sekunde größer wurde. Das weiße, grelle Licht leuchtete plötzlich noch heller auf und blendete mich kurzzeitig.
Als ich meine Augen wieder öffnete hatte das Licht sich geformt und erschien nun in einem goldenen Ton. So wie Bernstein.
,,Der Schlüssel wird dein Herz sein. Fühle nicht den Stoff, sondern die Zeichen darunter. Lese vor und rede nicht. Mach deine Augen auf und sehe die pure Dunkelheit. Die Wahrheit ist nicht schön."
Die Stimme der Frau, die mir das zuflüsterte war rauchig und gleichzeitig sanft wie Honig. Streng und weise. ,,Was meinst du damit?", rief ich gegen den aufkommenden Wind, doch bekam keine Antwort. Stattdessen tat sich unter mir ein Feld auf, in welchem ich landete.
Ich empfand keinerlei Schmerzen und stand deshalb sofort auf, wo ich zum dritten Mal unter dem Mond auf einem Feld stand. Alles war in goldenes Licht getaucht, was nicht so bedrohlich wirkte wie das glutrot beim letzten Mal.
Mit klopfendem Herzen sah ich zum Mond hoch, welcher größer und größer wurde, bis er mein gesamtes Blickfeld einnahm. Eine riesige Windböe kam auf mich zu, riss meine Haare nach hinten und das Getreide auf den Boden.
So schnell mein Herz geschlagen hatte, verlangsamte es sich wieder, als der Mond noch näherkam. Aus Angst, dass er mich zerdrücken würde, kniff ich meine Augen zusammen. Wach auf, Elisa!
Ich hatte keine Ahnung wer das gesagt hatte oder ob ich mich selber dazu ringen wollte aufzuwachen, aber mein Körper reagierte nicht. ,,Elisa, wach auf!", hörte ich jemanden rufen, doch von hier hörte es sich leise an.
Plötzlich tauchten um mich herum drei Silhouetten auf. Der Großteil war verschwommen, doch etwas fiel mir auf. Violett, Rot und Gold. ,,Es ist noch nicht vorbei, Elisa. Deine letzte Prüfung steht noch bevor." Wie ein Chor klangen die Stimmen.
,,Elisa!" Erschrocken wachte ich kerzengerade und schwer atmend in Hunters Bett auf. Mehrmals blinzelte ich um zu realisieren, dass ich wirklich in diesem Raum war. Vor dem Bett standen Violet und Hunter, welche mich beide erleichtert ansahen.
Hunter hatte tiefe Augenringe, die nicht von nur einer schlaflosen Nacht herrühren konnten. ,,Was ist passiert?", fragte ich mit kratziger Stimme und räusperte mich. Obwohl ich geschlafen hatte, war ich müde.
,,Du warst zwei Tage bewusstlos und hast immer wieder etwas von einem Mond gemurmelt. Würdest du uns freundlicherweise mal erklären was eigentlich mit dir los ist?" Violet's Stimme und ihr Auftreten zeigten mir, dass sie mehr als nur angepisst war.
Ich zog es dennoch vor, meinen Blick auf die Bettdecke zu senken. Sie schnaubte und verließ das Zimmer. Je weniger sie wusste, desto weniger fühlte ich mich wie ein Freak. Ich war ein Mensch, kein Wolf und keine Wahrsagerin. Dieser ganze Schwachsinn musste aufhören.
Die Wut, die sich in mir breit machte zerfraß mich. Niemand hier würde es verstehen, nicht einmal Hunter. Diese Träume die ich für real hielt und der Mond- ich musste damit aufhören!
Als ob diese Welt nicht schon scheiße genug wäre. Werwölfe und Hexen, dass ich nicht lache. Hätte mir das jemand vor einem Jahr erzählt, hätte ich ihn ausgelacht und nun wollte ich mich am liebsten selbst auslachen. Meine Eltern waren tot und ich lebte bei Menschen, die sich in gigantisch große Wölfe verwandeln können.
,,Elisa-", begann Hunter, setzte sich dabei an die Bettkante. Doch ich hörte ihn nicht. Mein Blick richtete sich auf etwas hinter ihm. Das mit Stoff bezogene Buch lag auf dem Schreibtisch und mir wurde etwas klar.
Ich mochte verrückt und schwach sein, aber wenn diese seltsamen Sätze der Stimme wahr waren, dann konnte sie mit ,Stoff' nur das Buch gemeint haben.
,,Hunter, gib mir bitte das Buch." Angesprochener zog seine Augenbrauen zusammen. ,,Das ist jetzt deine einzige scheiß Sorge?", sagte er wütend und machte keine Anstalten, aufzustehen.
Also stand ich selber auf und griff stumm nach dem Buch. ,,Was ist dein Problem mit diesem Buch? Seitdem du es hast, bist du vollkommen verrückt geworden." Ich sah zu ihm auf, direkt in seine Augen, die mich müde ansahen und wieder zu dem Buch.
Mit meinen Fingern drückte ich den Stoff herunter, jeden Millimeter des Buches entlang, bis ich beim Buchrücken ankam. Dort bildeten sich dabei Buchstaben. Eingeritzt unter dem Stoff bildete sich ein Wort.
Violett. Ungerade Buchstaben, mit etwas scharfem hineingeritzt. Hunter riss mir das Buch aus meiner Hand und ich hinderte ihn nicht daran. Vielmehr war ich damit beschäftigt zu verstehen, dass es wahr war.
Alles war wahr. Die Träume, die Stimmen, einfach alles. Ich erinnerte mich an die Stimme im Auto, die mir gesagt hatte, dass ich in den Wald sollte. Das war eine der drei.
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Vollmond total - Violett
Manusia Serigala▪️ 1. Teil der Vollmond Reihe▪️ Unwissen kann dich umbringen. Elisa fürchtet sich davor. Hunter scheint dieses Wort nicht in seinem Wortschatz zu haben.
