nächtlicher Besuch

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Den Nachmittag und den Abend verbrachten wir in einer kleinen, aber dennoch geselligen Runde. René, wie der Winzer hieß, und seine Familie begrüßten uns freundlich und es erweckte den Eindruck, dass seine Familie und die Mikaelsons sich schon eine Ewigkeit kannten. Sie sprachen von alten Zeiten und natürlich schwärmte René von seinem Wein und gab uns etliche Sorten zum probieren. Ich musste schnell feststellen, dass Vampire deutlich mehr Alkohol vertragen als Menschen. Klaus schmunzelte als ich aufstand und leicht ins Wanken geriet, allerdings hielt mich sofort leicht fest und lachte.

'Liebes, sag, hast du ein wenig zu viel von Renés vorzüglichem Wein gekostet?'

Ich verdrehte die Augen, musste aber zugeben, dass er Recht hatte.

'Klaus, du hättest mir sagen können, dass ihr den Alkohol überhaupt nicht merkt.'

lachte ich und befreite mich aus seinem Griff.

'Ich gehe mal kurz einen kleinen Spaziergang machen.'

rief ich über die Schulter und verließ die Runde. Ich wusste nicht einmal genau, warum ich losging, aber ich wollte einige Schritte gehen und etwas abschalten. Ich schätzte die nette Gesellschaft, aber ich brauchte nach der ganzen Zeit, die ich auf dem Schiff verbracht hatte oder im Auto saß auch mal wieder einige Minuten nur für mich. Ich war sicher, Klaus dachte sich etwas in der Art, da er mir nicht folgte, sondern gemütlich bei den Anderen sitzen blieb.

Die Nachtluft war immer noch angenehm warm und die Wege zwischen den Weinreben waren mit alten Laternen beleuchtet. Es sah wirklich märchenhaft aus und ich konnte nicht glauben, dass es mitten in unserer hektischen Welt auch solche Orte gab. Nichts ließ darauf schließen, dass es hier das Wort 'Stress' überhaupt gab. Jeder der Bewohner machte auf mich den Eindruck, er arbeite für sich und nicht für René. Es war einfach nur harmonisch, so etwas hatte ich noch nie gesehen.

Während ich einen der Wege entlang ging, fragte ich mich, woher die Mikaelsons René wohl kannten und ob René vielleicht von einem von ihnen in einen Vampir verwandelt wurde. Aber ich sollte meine Fantasien bremsen, zur Zeit vermutete ich nur, dass er ein Vampir war. Vielleicht irrte ich mich auch. Aber darauf konnte ich Klaus später noch ansprechen. Unbewusste entfernte ich mich weiter vom Anwesen, als es meine Absicht gewesen war und sah nur noch kleine Lichter an der Stelle, an der ich zuvor mit den anderen gesessen hatte. Ich wollte gerade umdrehen, als ich ein Rascheln hinter mir hörte und mich umdrehte. Aus dem Gebüsch starrten mich zwei dunkel gelbe Augen an und ich ging intuitiv einige Schritte zurück, ohne meinen Blick abzuwenden. Ich war unfähig zu sprechen oder wegzulaufen, diese Augen wirkten beinahe magisch auf mich und zogen mich in ihren Bann. Schließlich bewegte sich die Kreatur und trat aus dem Schatten der Hecke hervor. Vor mir stand nun ein ausgewachsener Wolf mit dunklem im Mondlicht kaum schimmernden Fell, der mich mit seinen Augen fixiert hatte. Ich war sprachlos und blieb wie angewurzelt stehen. Die Sekunden vergingen und die Zeit schien still zu stehen. Ich hatte keine Ahnung, was dieses Tier von mir wollte oder wieso es weder angriff noch weglief. Mit einem Mal war ein leises Heulen in der Ferne zu hören und der Wolf verschwand ebenso schnell, wie er zuvor aufgetaucht war im Dickicht. 

Ich stand noch einen Moment regungslos dort, ehe ich mich verwirrt auf den Rückweg machte. Ich hatte auf unserer Schifffahrt die Zeit genutzt, um mich ein wenig über das Leben in Europa zu informieren, aber von wild lebenden Wölfen, die sich in die Nähe von Menschen trauten hatte ich nichts gelesen. Es soll zwar wieder vereinzelt heimische Tiere geben, doch seien diese zu scheu um sich in bewohntes Gebiet zu verirren. Ich würde René darauf ansprechen, vielleicht war auch irgendwo ein Tier entlaufen oder ähnliches und es handelte sich lediglich um einen dummen Zufall.

Who are you Klaus Mikaelson? (Klamille FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt