Der Montag begann wie ich es erwartet habe. Alle redeten darüber, dass man Justin nach der Party nicht mehr gesehen hatte und man nicht wüsste wo er sei. Einige machten sich Sorgen, Andere vermuteten, dass er einfach nur abgehauen war oder bei irgendeinem Mädchen schlafen würde. Das Verschwinden von Justin war Gesprächsthema egal wohin man ging und trotzdem war es mir egal. Sollten sich doch alle den Kopf zerbrechen, mich betrifft das Ganze ja nicht mehr. „Hey wie geht's dir?", fragte mich ein abgehetzter Jonas. „Gut und die? Warum so außer Atem?", fragte ich ihn verwundert. Er holte noch zweimal tief Luft und richtete sich dann auf: „Weil ich dir schon den ganzen Weg über den Pausenhof hinterher renne. Auf meine Rufe reagierst du ja nicht." „Du hast gerufen. Sorry, hab ich nicht mitbekommen.", entschuldigte ich mich bei ihm. „Hab ich gemerkt.", er boxte mir leicht in der Oberarm und ich zuckte zusammen. „Geht es dir wirklich gut?", er machte sich wirklich Sorgen um mich. „Ja, ich hab da nur einen blauen Fleck.", ich lächelte an und wir gingen in die Klasse. Doch als wir dort ankamen war etwas anders. Da stand eine Person zusammen mit der Lehrerin vor der Tafel, die ich noch nie hier gesehen hatte. Alle setzten sich und wieder fing das Getuschel an. „Weißt du wer das ist?", fragte mich Jonas, doch ich verneinte nur und schüttelte den Kopf. Als alle da waren und die Lehrerin die Tür schloss erfuhren wir was hier los war. Unsere Lehrerin räusperte sich und fing an: „Meine lieben Schüler. Ihr habt sicher schon mitbekommen, dass Justin verschwunden ist und niemand genau weiß wo er ist. Wegen dieses Umstandes ist nun Justins Mutter hier um einige Wort an euch zu richten:" Die beiden Damen wechselten ihr Positionen und Justins Mutter fing nun an eindringlich auf uns einzureden: „Wie ihr wisst vermisse ich meinen Sohn und ich mache mir große Sorgen wo er ist. Die Polizei hat schon alles in der Umgebung und sogar das Moor abgesucht aber ihn nicht gefunden."
Halt das Moor! Und sie haben ihn nicht gefunden? Das kann nicht sein, er war doch tot, als ich gegangen bin. Ich hab ihn doch umgebracht. Oder hat er sich nur totgestellt? Nein das kann nicht sein, ich hab es doch sogar noch überprüft. Er kann nicht einfach weg sein. Er muss da sein!
„Also wenn ihr irgendwas zu Justins Verschwinden wisst sagt mir oder der Polizei bitte Bescheid. Wir machen uns große Sorgen.", ihre Stimme wurde immer zittriger und ihr liefen die ersten Tränen die Wange runter. „Ich möchte doch nur mein Kind zurück.", das war ihr letzter Satz, danach brachen alle Dämme und sie konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Die Lehrerin gab sich große Mühe die völlig aufgelöste Frau zu beruhigen, doch so wirklich gut war sie darin nicht. Ich schaute durch die Schülerreihen und sah auch nun einige Mädchen die schluchzend dasaßen. Warum war mir völlig unbegreiflich? Meine Abscheu gegenüber diesem Verhalten äußerte ich wohl doch etwas zu auffallend, denn plötzlich tippte mich Jonas an: „Du könntest schon etwas mehr Mitleid zeigen." Da es wie ein Vorwurf klang antwortete ich entrüstet: „Warum sollte ich? Wir konnten uns noch nicht mal leiden und richtig gekannt haben wir uns auch nicht.", doch Jonas nickte nur. „Der wird sowieso bald wiederkommen.", gab ich trocken von mir. „Du weißt genau, dass das nicht passieren wird.", entgegnete mir Jonas mit starrem Blick auf die noch immer weinende Frau an der Tafel.
Mir fuhr der Schreck durch die Glieder und eine unangenehme Wärme verbreitete sich in meinem Körper. Ich wagte es nicht Jonas anzuschauen, dennoch entgegnete ich so ruhig wie möglich: „Ich weiß nicht was du meinst." Nun lehnte er sich zu mir rüber und flüsterte mir ins Ohr: „Ich weiß genau was passiert ist und du weißt es auch."
Die Wärme verwandelte sich nun in Feuer und mir wurde schlecht. Woher wusste er was ich getan hatte? Hatte er mich gesehen? Wollte mich nun an die Polizei verraten? Er musste sonst würde er sich strafbar machen, er wäre ein Mittäter. Aber es gibt doch gar keine Beweise. Justin ist weg. Einfach weg. Plötzlich ertönte Jonas Stimme laut durch die Klasse und mein Herz setzte aus. „Entschuldigung dürften wir mal kurz an die frische Luft. Das Ganze nimmt uns etwas mit." Die Lehrerin schaute hoch und nickte nur verständnisvoll. Jonas stand auf, ergriff meine Hand und zerrte mich mit nach draußen. Ohne ein Wort zu sagen lief er quer über den Pausenhof bis wir an der hintersten Ecke der Schule ankamen. Hier standen nur die Mülltonnen und die Ecke war auch nicht von den Klassenräumen her einsehbar. Auf dem ganzen Weg hatte er meine Hand nicht losgelassen und verstärkte nur seinen Griff, wenn ich langsamer wurde. In der Ecke angekommen drückte er mich gegen die Wand und schaute sich nochmal um. Aber es war niemand da außer uns. Er nahm seine Hand, die meine Schulter an die Wand pinnte, nicht weg und gab auch nicht nach. Ich schaute ihm feste in die Augen und nahm meinen ganzen Mut zusammen: „Was weißt du?"
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Revenge
Misterio / SuspensoDurch eine Wette gedemütigt, verletzt und ausgenutzt. Rächt sich Mara an ihren vier Klassenkameraden. Sie sollen den selben Schmerz erfahren den sie selbst verspürt hatte. Doch was als harmloser Streich begann gerät mehr und mehr außer Kontrolle und...
