2. Kapitel

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„'Cause I Knew You Were Trouble when you walked in 

So shame on me now

Flew me to places I'd never been

'Til you put me down, oh" I knew you were trouble – Taylor Swift

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Addy P.O.V.

Genervt hetze ich durch die verregneten Gassen Londons. Während gestern noch wunderschöner Sonnenstrahlen die leuchteten Farben des Herbstes zum Vorschein gebracht hat, ähnelt London heute wieder, wie an ca. 300 anderen Tagen im Jahr, einer grauen Betonwüste.

Ein Mix aus Nieselregen und Nebel liegt über der Stadt und zu allem Übel, musste meine Bahn natürlich genau heute auch noch mit technischen Störungen zu kämpfen haben. Meine Verspätung summiert sich nun schon auf über 40 Minuten und genervt lege ich noch einen Schritt zu.

Die hohen Pumps und der enge Bleistiftrock helfen dabei nicht wirklich, doch heute ist Bürotag im Hauptgebäude und da wird nun mal auf Etikette wert gelegt.

Eine letzte Straße wetze ich noch entlang, dann habe ich endlich die große gläserne Front des Unternehmens erreicht.

„Video and Design Management by Mrs Hillery V. Southman" titelt das große silberne Schild über der automatischen Eingangstür und ich bin mehr als froh, das warme und trockene Foyer erreicht zu haben. Wie ein nasser Hund schüttle ich mich etwas, um meine braunen, langen Haare zu mindestens ein wenig von den feinen Regentropfen zu befreien, dann betrete ich auch schon den Fahrstuhl und fahre hinauf in den 10. Stock.

Dort ganz in der letzten und dunkelsten Ecke findet sich mein Büro, auch liebevoll Schuhkarton genannt.

Nur durch eine sehr erfolgreiche Kampagne mit dem weltberühmten Model Bella Hadid und den Kontakten meines kürzlich verstorbenen Onkels, hatte ich überhaupt die Möglichkeit bekommen in dem Business Fuß zu fassen. Mehr als einen befristeten Arbeitsvertrag für das nächste Jahr gab es zwar nicht, doch ich will alles daran setzen mich zu etablieren.

Gedankenverloren wie ich bin bemerke ich erst kurz vor meinem Büro, dass dort eine von Mrs. Southmans Sekretärinnen wohl schon etwas ungeduldig auf mich wartet. Hinter ihr in einen schwarzen, weiten Mantel gehüllt steht eine unscheinbare Frau, deren Mission es wohl ist, sich so unsichtbar wie möglich zu machen.

„Guten Morgen", begrüße ich die beiden Frauen.

„Guten Morgen Miss", antwortet Southmans Tippse.

„Das hier ist Miss Carten", erklärt sie mir, während sie Miss Unscheinbar vor sich schiebt.

„Sie ist die Managerin ihres neuen Auftrags. Alles Weitere können sie in Ihrem Büro besprechen. Einen schönen Tag wünsche ich."

Mit diesen Worten lässt uns die kleine Frau stehen und überfordert schaue ich die junge Frau mir gegenüber an, die scheinbar noch ein ganzes Stück nervöser als ich ist.

„Na dann guten Morgen Miss, mein Name ist Miss Adelaide Shaw", probiere ich es auf die professionelle Weise, ehe ich ihr meine Hand hinstrecke.

„Freut mich, ich heiße Miss Carten", stellt sich mir die schüchterne Dame vor, bevor sie meinen Händedruck leicht erwidert und ich sie bitte mir in mein Büro zu folgen. Ich hatte noch keinen einzigen alleinigen Auftrag von Mrs Southman bekommen, viel mehr arbeite ich als bessere Sekretärin und hefte Akten ab – ich bin also mehr als gespannt, was mich jetzt erwartet.

Nach dem ich hinter dem Schreibtisch Platz genommen habe und Miss Carten vor diesem sich auf einen der Stühle fallen lässt, eröffne ich das Gespräch:

„Miss Carten, was kann ich denn für sie tun?"

Unruhig nestelt die junge Frau an ihrer Tasche herum, die sich auf ihrem Schoß befindet, ehe sie mit leiser Stimme beginnt zu erzählen:

„Ich betreue einen jungen Musiker, der die letzten Wochen etwas in Verruf geraten. Dies ist natürlich sehr negative Publicity für ihn und die Band, bei der er Mitglied ist, weshalb sein Management sich nun gezwungen sieht, zu handeln. Ein Millionenpublikum ist an jedem seiner Schritte interessiert und es wird Zeit die Wogen wieder etwas zu glätten. Er wird verschiedene Wohltätigkeitsprojekte und Ähnliches besuchen und wir hoffen nun auf eine möglichst positive und qualitativ hochwertige Foto- und Videodokumentation dieses Projekts."

Etwas erstaunt über dieses doch eher seltenes Anliegen schaue ich sie überrascht an, fasse mich aber nach wenigen Momenten und wechsle zu einem einnehmenden Lächeln.

Je nachdem ob ihr Klient wirklich so berühmt ist, klingt das nach einem ziemlich dicken Fisch, den ich mir zu gerne für meine eigene Karriere angeln will. Dabei schaue ich auch darüber hinweg, dass ich es moralisch nicht wirklich gut finde sich selbst so in ein positives Licht zu rücken. Gute Taten sollten getan werden, weil man es will und nicht weil man damit die Öffentlichkeit beeindrucken kann.

„Das bekommen wir hin, Miss Carten", versichere ich ihr. „Können sie mir schon genauere Daten über ihren Klienten geben und die zeitlichen Planungen und Ähnliches?", möchte ich von ihr wissen.

„Aber natürlich."

Eifrig beginnt sie in ihrer Tasche zu kramen und befördert eine dicke, schwarze Mappe an die Oberfläche.

„Hier finden sie alle Informationen", erklärt sie mir, während sie mir die Mappe reicht. Dankend nehme ich diese entgegen und schlage neugierig die erste Seite auf. Dabei fällt mir sofort eine Art Deckblatt entgegen, worauf nur drei einzelne Worte stehen: Bradley Will Simpson. Mein neues Projekt.

***

Fünf Stunden später ist es dann soweit. Ich komme gerade vom Lunch mit meiner besten Freundin Jade, die ich erst mal über die neusten Entwicklungen briefen musste.

Es ist nun kurz vor 14:00 und eigentlich sollte mein Projekt in wenigen Minuten durch die Tür marschiert kommen. Er hatte bei einem gestrigen Meeting wohl von dem ganzen Projekt erfahren und nach meinem heutigen Treffen mit Miss Carten steht dem ganzen nichts mehr im Wege.

Ich hatte natürlich vorbildlich recherchiert und war nun, um die Fakten, dass es sich bei Bradley um den Leadsänger der Band „the Vamps" handelt und er wohl eine ganze Horde weiblicher Fans hat, bereichert.

Dunkel konnte ich mich dann auch nach und nach erinnern, dass diese Band bei einigen meiner weiblichen Freunden Thema war, doch mit zwei älteren Brüdern bestand meine Kindheit mehr aus taktischen Basketballanalysen, Eishockey-Livetickern und den Besuchen von Fußballspielen. Als Nesthäkchen hatte ich keine Chance gegen meine Brüder und meinen Dad und obwohl ich oft die Prinzessinnenkarte ausspielte, ging es viel öfter nach ihren Willen.

Kurz schmunzle ich noch in Gedanken an meine liebevolle Kindheit in der kleinen, englischen Stadt Bristol zurückdenkend, dann konzentriere ich mich wieder auf das hier und jetzt.

Angestrengt probiere ich noch mal das Gesicht des Sängers vor meinem inneren Auge aufzurufen. Babyface und lockige, schwarze Haare, die so perfekt gestylt sind, dass es schon wieder „unperfekt" aussieht.

Warum Babyface sein Management so in Atem hält, kann ich noch nicht ganz nachvollziehen, er erinnert mich nämlich viel mehr an ein kleines Kind dessen Milchschnitte geklaut wurde, als an einen aufreißerischen Bad Boy Londons.

Ich grinse immer noch über meinen eigenen Gedankengang, als es plötzlich leise an meiner Tür klopft. Mein Klient ist da. Ein freundliches Lächeln aufgesetzt, erhebe ich mich, streiche meinen Rock glatt und richte meine weiße Bluse, ehe ich zur Tür stöckle und diese schwungvoll öffne. Jetzt gilts. Das ist mein Fall und ich werde alles daran setzen diesen nicht zu vermasseln, dass sich meine Vorsätze so schnell ändern würden und die nun eintretende Person nichts als Ärger mitbringen würde, hatte ich dabei noch nicht auf dem Schirm. 

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Und damit ist auch unser zweiter Hauptcharakter im Spiel. Wie findet ihr Addy?

 Lasst wie immer gerne Feedback da. xx

Image (Bradley Simpson FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt