36. Kapitel

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"When the high's too high, and the low's too low
When you love someone and they let you go" don't let it break your heart, Louis Tomlinson 

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Noch einmal hole ich tief Luft, bevor ich mich durchringen kann, zu beginnen.

„Ich habe dir ja schon mal erzählt, dass ich meine Mutter vor einigen Jahren verloren habe. Ich war damals zarte 11 Jahre alt und plötzlich und vor allem viel zu früh mussten wir sie gehen lassen.

Niemand in unserer Familie konnte den Verlust wirklich verarbeiten. Dad kapselte sich von jedem ab, Zac war nur noch am saufen und Adam stürzte sich in Arbeit." Gespannt hört mir Brad zu, während ich mit den lebhaften Erinnerungen in meinem Kopf zu kämpfen habe.

„Ich mache ihnen keinen Vorwurf", flüstere ich heiser. „Doch es war schwer für mich. Sehr schwer. Und es hat etwas in mir zerstört, dass ich das alleine durchstehen musste. Immer häufiger hatte ich dunkle Gedanken und Panikattacken, es war grauenhaft.", kurz stocke ich bei der Erinnerung an meine düstere Vergangenheit.

„Die Person, die mich schließlich rettete war Jade."

Kurz lächle ich bei der Erinnerung an meine beste Freundin. „Ich hab dir von ihr erzählt", sage ich zu dem Sänger, der zustimmend nickt.

„Sie war die Einzige, die gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt. Als ich mich ihr schließlich anvertraut habe, war sie diejenige, die sich an Adam gewendet und ihn wachgerüttelt hat. Die Beiden haben mir einen Klinikaufenthalt und eine Therapie ermöglicht und danach ging es aufwärts."

Schwer schlucke ich und unterdrücke meine Tränen. „Es war eine so verdammt harte Zeit, Brad und ich bin nicht stolz auf meine damaligen Gedanken. Ich habe mich damals nicht mehr als lebenswertes Wesen gesehen. Mein Lebenssinn war mit ihr von mir gegangen, verstehst du, ich bin keine schlechte Person", schluchze ich und bin dankbar, dass der Lockenkopf mich in eine einfühlsame Umarmung zieht.

„Addy, es schmerzt mich zu hören, wie schlecht es dir ging und was du durchmachen musstest, doch es macht dich niemals, hörst du niemals zu einer schlechten Person!" Eindringlich mustert mich der Sänger nun: „Du bist eine der stärksten Personen, die ich kenne und das hat mir deine Geschichte nur noch einmal bestätigt. Und ich würde in dir deswegen nie etwas Schlechtes sehen! Es ist nicht fair, dass du so etwas durchmachen musstest, doch es hat dich wachsen und noch stärker werden lassen. Und ich bin mir sicher, dass wenn deine Mum auf dich herab guckt, sie sehr stolz wäre, was für eine tapfere Tochter sie hat."

„Danke Brad", hauche ich leise und vereine unsere Lippen zu einem kurzen Kuss.

„Das bedeutet mir so viel", murmle ich gerührt und lasse meinen Kopf gegen seine Brust sinken.

Kurz verharren wir in dieser Position, ehe Brad die Stille mit einer verheerenden Frage unterbricht.

„Addy, Josephine hatte noch etwas von deiner Angst in Fahrstühlen erwähnt und ich habe es ja selbst erlebt. Entstand diese auch durch den Verlust deiner Mom?"

Plötzlich angespannt löse ich mich wieder von Brad und rücke etwas von ihm ab.

„Indirekt schon", räuspere ich mich umständlich, nicht sicher, ob ich ihm das anvertrauen will. Doch Brad hat die ganze Wahrheit verdient, weshalb ich noch einmal meinen Mut zusammen nehme.

„Wir wussten lange nicht, dass meine Mutter so schwer erkrankt ist. Zwar klagte sie manchmal über Kopfschmerzen, doch wir dachten alle, dass es nur heimtückische Migräne Attacken wären." Erneut atme ich tief durch.

„Es war Anfang des Jahres und meine Mom und ich hatten einen Termin im Bürgeramt, für einen neuen Reisepass."

Kurz schmunzle ich bei der Erinnerung an diesen Tag. Es herrschte damals erstaunlich gutes Wetter in London und ich sehe förmlich vor meinen Augen, wie mein jüngeres Ich den sonnigen Bürgersteig neben meiner Mutter entlang hüpft. „Und danach gibt es Eis für uns Beide, ein richtiger Mädelstag", höre ich ihre sanfte Stimme in meinem Kopf rufen und es dauert, bis ich zurück in die Realität auf die Couch zu Brad finde.

Image (Bradley Simpson FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt