20. Kapitel

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„Moment mal!“, unterbricht Annika. „Terences Erbe?“

Jack wirft ihr einen genervten Blick zu. „Dazu komm ich gleich. Vorher muss ich euch ein bisschen was erklären.“ Meine beste Freundin schweigt daraufhin und mein Gefährte fährt fort: „Also... Roxan, du bist die letzte Erbin des Hauptgeschlechts der Magier. Es gab noch einige kleinere Familien, aber der Davis-Clan war der größte und mächtigste. Natürlich muss das Gleichgewicht gewahrt werden. Deshalb gab es auf der anderen Seite die Lavis.“

Er sieht mich an als müsste mir jetzt ein Licht aufgehen, aber ich steh total auf der Leitung. „Was meinst du mit Gleichgewicht?“, hake ich nach.

„Ich will damit sagen, die Lavis waren und sind immun gegen jegliche Form deiner Magie. Das ist auch der Grund für die Ausrottung des Davis-Clans. Sie waren Erzfeinde und die Magier quasi wehrlos gegen die gut ausgebildeten Lavis-Soldaten. Ein unbeschreibliches Blutbad war die Folge.“ Jack senkt kurz den Kopf, aber die Bestürzung in seinem Blick sehe ich trotzdem. Da fällt mir wieder ein, dass er dabei war. Er war der Gefährte eines Mädchens, das dem Tode geweiht war. „Jedenfalls“, sagt er heißer und räuspert sich kurz. „Jedenfalls konnten zwei Davis-Kinder entkommen. Lydia Davis und ihr Neffe Lex, der nur drei Monate alt war. Sie brachte ihn in Sicherheit, musste ihn aber verlassen. Es zerriss sie fast. Er war das einzige, was ihr von ihrer Schwester blieb. Lydia wusste aber, dass die Lavis sie finden würden, deshalb lockte sie sie von Lex weg, so dass wenigstens einer überleben konnte.“

Jack macht eine Pause und ich fühle mich wie betäubt. Ich höre was er sagt, aber ich kann es nicht glauben.

„Roxan?“, versucht Jack wieder meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Lex ist dein Urururururgroßvater oder so. Keine Ahnung, wer zählt da schon mit.“ Er versucht die Stimmung aufzulockern, aber nicht ein einziger von uns lacht. Seufzend fährt er fort: „Lex zeugte einen Sohn, der einen Sohn zeugte, der einen Sohn zeugte. Nicht einer von ihnen bekam mehr als ein Kind und nicht einer von ihnen zeugte eine Tochter oder hatte magische Fähigkeiten. Kein einziger. Bis Logan kam und alles auf den Kopf stellte.“ Bei der Erwähnung meines Vaters muss ich mich zwingen, nicht zusammenzuzucken. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, was an ihm so besonders war.“ Ich werfe ihm einen wütenden Blick zu. „Entschuldigung. Das kam falsch rüber. Ich meine nur, dass dein Vater einen Sohn hatte, wieso waren ihm dann noch zwei Töchter vergönnt?“ Jack schüttelt den Kopf. „Das ist das einzige, was in dieser Geschichte keinen Sinn macht.“

Es entsteht eine längere Pause in der niemand etwas sagt. Alle versunken in die eigenen Gedanken. Mein Kopf ist völlig leer.

„Das heißt“, unterbricht Terence die Stille mit belegter Stimme. Er räuspert sich kurz bevor er erneut ansetzt: „Das heiß, meine Vorfahren haben ihre abgeschlachtet?“

„Ganz genau“, entgegnet Jack entschieden.

„Und ich habe diese Immunität geerbt?“ Er klingt total verunsichert.

„Ich gehe stark davon aus“, sagt Jack schulterzuckend.

„Also gehören die Beiden eigentlich zwei verschiedenen Lagern an? Terr gegen Rox, Rox gegen Terr?“, fragt Annika und ich zucke zusammen.

Mein Blick fängt den von Terence auf. In seinen Augen spiegelt sich der gleiche innere Kampf wieder, der auch in mir tobt. So viele Emotionen gleichzeitig. Unglauben, Fassungslosigkeit, Bestürzung, Schmerz, Angst, Trauer.

Aber in einem Punkt unterscheiden wir uns. In seinen sehe ich auch Wut und Entschlossenheit. Er schüttelt den Kopf und richtet seinen zornigen Blick auf Annika. „Das waren meine Vorfahren, nicht ich!“, schreit er sie an. „Nur weil ich von ihnen abstamme, heißt das nicht, dass ich wie sie bin! Ich würde Roxan nie wehtun!“

Die letzte ErbinGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt