21. Kapitel (Teil 2)

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Mit jedem Schritt den ich gehe, stumpfen meine Gefühle ab. Und mit jedem Atemzug wird es mir gleichgültiger.

Bei Annika und Jack angekommen, setzte ich mich schweigend hin und schnappe mir eine der Fertigdosen. Dabei fällt mir auf, dass unsere Vorräte bereits jetzt rapide abgenommen haben. „Wenn wir uns nicht beeilen, haben wir ein Problem.“

Annika und Jack schweigen betreten. Ich ignoriere ihre Seitenblicke getrost und widme meine Aufmerksamkeit dem Essen zu. Die Minuten vergehen in betretenem Schweigen. Terence hat sich inzwischen zu uns gesellt, sagt allerdings ebenfalls kein Wort. „Wird heute wohl wieder ein ruhiger Tag“, spöttelt mein zweites Ich.

Wahrscheinlich eher eine ruhige Woche“, erwidere ich stumm und fange an, die Taschen zu packen.

Die Anderen tun es mir gleich. Wortlos machen wir uns auf den Weg. Terence vorne, Annika und Jack miteinander tuschelnd in der Mitte und ich wieder das Schlusslicht.

Mein Blick ist stur auf den Boden gerichtet, deshalb sehe ich nicht, wie die anderen abrupt anhalten. Ich stoße mit dem Kopf gegen Jacks Rücken. „Was zum...“, beginne ich, verstumme aber augenblicklich als ich die Hütte vor uns sehe.

Mein Herz stolpert über den nächsten Schlag und mein Atem setzt aus. Eine Hütte. Mitten im Wald. Einfach so. Viel zu weit weg von der Zivilisation. Das alles schreit nach Problemen.

Nach einer Sekunde handle ich instinktiv. Ich ziehe Annika hinter den nächsten Baum, der von Büschen gesäumt wird. Die Jungs gehen ebenfalls in Deckung. Wir tauschen besorgte Blicke. Jack kramt in seiner Stofftasche herum und zieht einen Langdolch heraus. Ich greife in meine Jacke und nehme mein Messer fest in die Hand. Terence hat gleich zwei. Annika wickelt sich zwei Stoffstreifen um die Knöchel. Sie ist mehr der Hau-Drauf-Typ. Die Drecksarbeit bleibt uns anderen überlassen. Sie schlägt jemanden K.O., wir machen ihn dauerhaft unschädlich. Soweit der Plan.

Annika hat vor Jahren angefangen zu trainieren. Sie ist verdammt gut. Keiner der Typen in unserer Schule hat sich je mit ihr angelegt. Naja, bis auf einen... Sagen wir es so: Sie hat ein Exempel statuiert.

Jack ist der Einzige, der keine Ahnung davon hat. Als er ihre geschützten Knöchel sieht, runzelt er die Stirn und schüttelt den Kopf. „Auf keinen Fall“, formt er lautlos mit den Lippen. Annika und ich tauschen einen Blick und grinsen. Dann schauen wir ihn an und nicken synchron. „Oh doch“, erwidert sie lautlos.

Der Gestaltwandler sieht kurz auf die Lichtung und checkt die Lage. Anschließend macht er einen Satz auf uns zu und zieht uns beide runter in die Hocke. „Nein“, zischt er meine beste Freundin wütend an.

„Glaub mir, das hat schon früher funktioniert“, flüstert sie zurück.

„Früher?“, ruft er aufgebracht, senkt aber sofort wieder die Stimme. „Was heißt da früher?! Als Kind auf dem Schulhof geprügelt zu haben, macht dich noch nicht zu Chuck Norris! Das ist ´ne Hausnummer zu groß für dich!“

„Heißt das jetzt, nur weil ich eine Frau bin, bin ich schwach, oder was?“, faucht meine beste Freundin ihn an.

„Wenn das eine Diskussion über Emanzipation werden soll, bitte ich euch, sie auf später zu verschieben!“, unterbricht Terence sie ungeduldig. „Wir haben keine Ahnung ob, und wenn ja wer, in diesem Haus wohnt!“

Für einen winzigen Moment fange ich seinen Blick auf, wende meinen aber gleich wieder ab. Es kostet mich einfach zu viel Kraft, ihn länger kalt anzusehen. „Ich schleiche mich um die Lichtung herum und sehe mir das Ganze von der anderen Seite an“, verkünde ich und will schon aufstehen, als ich wieder nach unten gezerrt werde. Erst sehe ich auf die Hand, anschließend in das Gesicht, dass zur Hand gehört.

Die letzte ErbinGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt