Es ist dunkel. Ich liege in meinem Bett. Neben mir ein Wimmern. Lavinia. Irgendetwas stimmt nicht. Da ist Rauch in der Luft. Etwas brennt. Ich kann nichts sehen. Vor unserem Fenster höre ich Schreie. Nur gedämpft. Wir sind alleine im Raum. Unter der Tür dringt Licht hervor. Es flackert. Rot und orange. Zu schwach, um das Schlafzimmer zu erleuchten. Hell genug, um meinen Blick zu fesseln.
Ich zittere. Draußen zerspringt Glas. Da sind Schüsse. Dann ein lauter Knall. Schwere Schritte. Ein Schatten vor der Tür. Lavinia hat angefangen zu weinen. Der Schatten bleibt stehen. Ich halte die Luft an. „Bitte, bitte geh weiter!“, flehe ich stumm. Meine Augen brennen von dem Rauch, der unter der Tür hervorquillt. Ich muss husten, aber ich unterdrücke es. Kein Geräusch machen. Bloß kein Geräusch machen! Ich kann nicht mehr atmen. Der Schatten steht immer noch vor der Tür.
Es sind noch mehr Leute im Haus. Ich kann sie rufen hören. Jemand schreit. Ein Junge. Lucas. Der Schrei bricht ab. Etwas fällt zu Boden. Ein Mann brüllt. Lavinia schluchzt. Die Tür geht auf.
Lavinia schreit. Ein riesiger schwarzer Schatten steht dort. Hinter ihm orangefarbener Rauch. Er kommt auf uns zu. Ich zittere. Er packt mich am Arm. Reißt mich hoch. Schleudert mich auf den Boden. In der Tür erscheint ein zweiter Mann. Er zerrt mich hoch. Ich trete nach ihm und schreie. Er schlägt mir ins Gesicht. Mein Kopf dreht sich. Lavinia schreit wieder. Ich sehe wie der erste Schatten sie packt und ihr ins Gesicht schlägt. Sie sackt in sich zusammen. Er hebt sie hoch. Ich werde nach draußen geschleppt. Auf den Straßen ist Chaos. Ich werde in den Dreck gestoßen. Ich blicke mich panisch um. Überall Feuer. Kämpfende Menschen. Schreie, Schluchzen, Flehen. Zerbrechendes Glas. Knisternde Flammen.
Liv liegt neben mir. Sie rührt sich nicht. Ich nehme sie in den Arm. Stumm blicke ich die Männer an, während sie wieder ins Haus gehen. Sie zerren meine Mutter an den Haaren heraus. Sie schreit und schlägt um sich. Die Männer lassen sie neben uns fallen. Dann treten sie sie bis sie sich nicht mehr wehrt.
Einer geht wieder rein. Der andere steht hinter mir. Ich habe Angst mich umzudrehen. Ich schluchze. Versuche Lavinia wach zu rütteln. Der Erste kommt wieder raus. Er trägt meinen Bruder. Er blutet am Kopf. Lucas wird weggebracht. Ich sehe ihn nicht mehr.
Mein Vater stürmt aus dem Haus. Er rennt hinter ihnen her. Logan wird festgehalten. Er brüllt und kämpft gegen zwei andere Schatten.
Dann ist da plötzlich noch einer. Größer als die anderen. Ein Schuss. Dann fällt mein Vater zu Boden.
Als ich aufwache ist es noch dunkel. Vor mir brennt ein Lagerfeuer. Ich zittere am ganzen Körper. Meine Kleider sind klamm und die Kälte dringt mir bis in die Kochen. Ich setze mich auf und spüre erneut meine Verletzungen. Aber der Schmerz ist nur ein dumpfes Echo. In meiner Seele sieht es da anders aus.
Seufzend sehe ich mich um. Annika liegt rechts von mir, Jack links. Terence sitzt mir gegenüber. Die Flammen werfen unheimliche Schatten auf sein Gesicht. Er spielt gedankenverloren mit einem Messer. Seine Bewegungen sind allerdings nicht fließend und elegant, sondern wirken unbeholfen wie die eines Anfängers. Im Gegensatz zu mir, hat er nicht viel Erfahrung im Umgang mit Messern.
Terr scheint noch nicht bemerkt zu haben, dass ich wach bin. Ich blicke stumm in das Feuer und versuche etwas von seiner Hitze zu absorbieren. Meine Gedanken schweifen zurück zu dem Traum.
Dieser Mann hat meinen Vater erschossen. Sein Name ist Stratton McKallen. Der Anführer der Sklaventreiber. Er hat einen Sohn. Alle nennen ihn Cutter. Er soll eine Begabung für Klingen haben. Daher der Spitzname. Keiner kennt seinen echten Namen.
Seit Jahren halte ich nach beiden Ausschau. Ich habe in dieser Nacht ihre Gesichter gesehen. Jedes Mal wenn sie nach Harlev kamen, wartete ich geduldig. Wartete auf eine Chance, sie zu töten. Sie haben mir meinen Bruder genommen. Sie haben meinen Vater ermordet. Sie haben mir meine Kindheit geraubt. Sie haben uns alles genommen.
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Die letzte Erbin
FantasySie dachte sie sei normal. Zumindest hoffte sie es. Tja, hätte Roxan ein Wort mitzureden gehabt, wäre sie es auch. Aber sie ist alles andere als normal - und das fürchten die Sklaventreiber. Rox ist die letzte Erbin, die Erbin der längst ausgestorbe...
