Ich lag in der Sonne auf der großen, freien Fläche hinter den Sitzen auf dem Plastik des Tretboots. Das knallgelbe Boot schob sich gluckernd über das Wasser des Goldsees.
Ich hatte die Augen geschlossen, und konzentrierte mich genießerisch auf das Plätschern des Wassers, die schmetternde Musik aus meinem Smartphone und die brennende Hitze der Mittagssonne auf meiner Haut.
Plötzlich landeten eiskalte Tröpfchen auf meinen Beinen. Ich fuhr hoch.
In letzter Sekunde sah ich einen ganzen Wasserschwall durch die Luft fliegen, und ich duckte mich hinter die Sitze, um nicht getroffen zu werden.
"Schön, dass du auch wieder anwesend bist, du musst treten!", rief meine Freundin vom Sitz vor mir herüber. "Ich kann nicht mehr."
Nickend wechselte ich den Platz mit ihr und nahm mein Handy in die Hand. In der stechenden Sonne ließ sich kaum erkennen, was auf dem Display stand. Ich spielte eine andere Playlist ab, meine typische tolle Sommerplaylist, ohne die ich es gar nicht mehr aushielt.
"Hey", zischte Lilian, die neben mir in die Pedale trat, "da hinten."
Sie deutete mit dem Kopf zum Steg, der weit in den See hineinragte. Zuerst viel mir nur ein großer, grimmig schauender Schwan auf, dessen weiße Federn auf dem dunklen Wasser leuchteten. Ich verzog das Gesicht. Nachdem ich als kleines Kind mal von einem Schwan angegriffen worden bin, waren diese Tiere nicht mehr meine besten Freunde, aber bewundern tat ich sie trotzdem noch. Sie waren schön.
"Was? Oh ja... May, nicht der Schwan. Da, weiter rechts", brachte sich Susan mit ein. Ich wandte den Kopf.
Auf dem Rand des Steges saß eine kleine Gruppe, drei, vier Jungs, und unter ihnen schwamm schon einer.
Sie waren gut trainiert und braun gebrannt, und sahen einfach nur super aus. Zwei von ihnen rangelten miteinander und stürzten sich gegenseitig ins Wasser. Susan begann zu kichern.
"Los, lasst uns rüberfahren", schlug sie grinsend vor. Ich legte den Kopf schräg und beobachtete die Jungen genauer. Dann sah ich ihn.
Jace
Ich hielt den Atem an. "Was?! Nein, bloß nicht!" Hysterisch wandte ich mich ab. Nein nein, ich würde mich nur irgendwie blamieren und keine Worte finden können, wenn er vor mir stand. Oder schwamm...
"Eben, da ist Jace. Jetzt erst recht, jetzt oder nie!", erwiderte Lilian auf meine Reaktion.
Jace... der Schwarm des Jahrgangs und sogar denen unter uns. Da schwamm er, wie immer das funkelnde Goldkettchen um dem Hals, und warf einen flüchtigen Blick in unsere Richtung.
Susan hob wie paralysiert die Hand und lächelte ihn an, Lilian drehte den Steuerhebel und begann zu treten.
Ich vergrub das Gesicht in den Händen, spürte beinahe, wie mir der Schweiß ausbrach. Ich fand es dümmlich und unlogisch, keine Worte mehr zu finden und rot zu werden - wahrscheinlich, weil ich das Paradebeispiel dafür war. Im Stillen denke ich mir Szenarien aus, wie locker ich Jace ansprechen könnte, doch sobald ich ihn sah, setzte mein Herz aus, und ich drehte mich schnell weg, aus Angst, nicht hübsch genug für ihn zu sein.
Warum mochte ich ihn überhaupt? Klar sah er wirklich perfekt aus, aber letztendlich geht es doch um die Inneren Werte. Er... wie ist er eigentlich wirklich?
Allerdings war ich mir sicher, was ihn so interessant machte - dass er so ge-.
"May, hör auf und hilf mir treten, sonst kommen wir heute gar nicht mehr an! Bitte", befahl Lilian etwas jammernd. Ich seufzte ergeben und trat in die Pedale, während ich mein Haar richtete.
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Golden Fairytale
FantasyDiese fremde, neue Welt sprengte alle Grenzen der Realität. Der Wissenschaft. Der Grausamkeit. Der Wunder. Der Unendlichkeit. Meines öden Alltags. Diese Welt überstieg sogar die Ausmaße meiner eigenen Phantasie. Wie oft hatte ich hiervon geträumt? E...
