Ich stieg in die dunkle Kutsche, in der wir auch gestern gefahren sind, ohne den Blick von der Felswand zu wenden.
Ich stellte meine Tasche neben mir ab und zog die Beine hoch. Wenn diese Fahrt wieder so holprig und lang ablaufen würde wie gestern, konnte ich es mir wenigstens bequem machen. So konnte ich die Beine ausstrecken, seitlich zur Fahrtrichtung.
Joshua nahm gegenüber von mir platz. Unter seinen Augen sah ich die ersten Anzeichen dunkler Schatten.
"Wo hast du letzte Nacht geschlafen?", fragte ich interessiert.
"Gar nicht", seufzte er knapp.
Ich nickte skeptisch.
"Ach, bevor ich es vergesse - kannst du mir schnell ein paar Fragen beantworten?"
"Wenn's sein muss..." Langsam fuhr Joshua sich durch das dunkle Haar.
"Ja. Dann lasse ich dich auch in Ruhe, versprochen." Ich versuchte ein Lächeln. "Wo sind wir hier?"
"In Lille."
"Ist das nicht 'ne Stadt in Frankreich?"
"Frankreich? Hier gibt es kein Frankreich."
Ich seufzte. "Was ist mit... Deutschland?" Ich kannte die Antwort schon. Eigentlich wollte ich sie gar nicht mehr wissen.
"Nein. Noch nie gehört."
Ich sank zusammen. War ja klar. Wo zur Hölle war ich? Lille, toll, das brachte mich nicht weiter. Aber, noch viel wichtiger, wie kam ich zurück nachhause? Was war mit meiner Familie? Meinen Freunden? Was war mit meinem gesamten alten Leben? Ob sich wohl jemand um mich sorgte? Ratlos schüttelte ich den Kopf.
"Alles in Ordnung?", hörte ich Joshua leise fragen.
Wieder schüttelte ich den Kopf, um ein schwaches Lächeln bemüht. Er wusste doch sowieso schon alles. Ich war am Ende. Fertig. Aus. So einfach war das. Trotzdem stritten die Gefühle in mir, aber das Produktivste, was ich nun tun konnte, war Informationen zu sammeln.
Ich holte tief Luft. "Was ist Lille? Erzähl mir darüber. Und erzähl mir mehr über dich und die Garde und die Prinzessin. Und was bedeutet eigentlich dieses Wappen auf deinem Hemd?"
Joshua schloss die Augen, bevor er zu sprechen begann. "Lille ist ein Königreich. Das Wappen des Reichs besteht aus vier Blumen. Eine ist die Lilie. Auf meinem Hemd - das ist die Lilie, die Lille auszeichnet. Was gibt es noch zu erzählen? Nichts." Er gähnte.
Ich nickte. Das waren mehr als mangelhafte Informationen. Aber ich musste mich ablenken. "Doch, ein paar Sachen gibt es da noch."
"Die da wären?"
"Du hast gestern... so seltsame Dinge gesagt. Von Drachenreitern und Elben und so weiter. Das gibt es nicht. Das sind Fabelwesen aus Märchengeschichten. Wie kommst du auf sowas?"
Joshua fuhr ruckartig auf. "Sag das nochmal!", fauchte er, kam bedrohlich nah an mein Gesicht heran. Erschrocken wich ich zurück, hob abwehrend die Hände.
"Es... es gibt nicht sowas wie... wie Drachen. Oder die ganzen anderen..."
"Elben?!"
Hastig nickte ich. Er machte mich unsicher. Er machte mir Angst. Hatte ich etwas Falsches gesagt?
"Ich werde dir noch zeigen, wie sehr Elben existieren!", zischte er drohend. "Du hast wohl vergessen, wo du hier bist."
Ich richtete mich gekränkt auf. "Ich habe nicht vergessen, wo ich bin! Ich weiß nicht, wo ich bin, da ist der springende Punkt! Ich habe meine gesamte Existenz irgendwo und irgendwie verloren, verstehst du das nicht?!", verteidigte ich mich hilflos.
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Golden Fairytale
FantasíaDiese fremde, neue Welt sprengte alle Grenzen der Realität. Der Wissenschaft. Der Grausamkeit. Der Wunder. Der Unendlichkeit. Meines öden Alltags. Diese Welt überstieg sogar die Ausmaße meiner eigenen Phantasie. Wie oft hatte ich hiervon geträumt? E...
