Warum hatte sich die Frau bekreuzigt? Ich unterschied mich extrem von ihr, aber das war doch nicht gleich ein Grund... warum stempelte sie mich nicht einfach als eine Verrückte, die auffallen möchte, ab? Oder war sie die Verrückte in diesem altertümlichen Gebäude?
Ich war zurückgewichen - aber dennoch hatte ich meine Fragen zu stellen.
Vorsichtig, ganz langsam, richtete ich mich gerade und selbstbewusst auf, und versuchte so freundlich wie möglich zu lächeln.
"Entschuldigen Sie", begann ich mit kratziger, rauer Stimme, "können Sie mir sagen... wo ich hier genau bin?"
Erwartungsvoll sah ich ihr in die funkelnden Augen. Etwas blitzte unkontrolliert in ihnen auf.
"Wo sie ist? Wo sie ist?! Raus, Räubersgör! Satansbraten! Der Teufel soll dich holen kommen, welcher dich auch gesandt hatte, meinen Hausfrieden zu brechen! Lass das Gut hier! Den Schmuck!"
Überrumpelt öffnete ich den Mund. Die Hände abwehrend erhoben, fand ich meine eingerostete Stimme wieder: "Nein, nein, ich will nichts klauen... ich bin einfach hier aufgewacht! Das sind nur meine Klamotten hier, diese Tasche..." Mir fehlten die Worte. Perplex versuchte ich mich zu sammeln.
Es klang geradezu wahnsinnig, aber ich musste alle Möglichkeiten ausschließen: "Darf ich Sie fragen, welches Jahrhundert wir haben?"
"Netter Scherz! Närrin... das Jahr Zweitausendundnochwas, vielleicht auch Zweitausendundvierzehn, oder -zwölf oder -zwanzig. Was weiß ich? Niemanden interessieren die Jahreszahlen, raus hier, Hexe! Solche will ich nicht unter meinem Dach haben!"
Hexe? Zweitausendundzwölf? Zwanzig?!
"Ich habe nichts geklaut oder sonst was, okay? Ja, ich verschwinde!"
"Raus aus dem Königreich! Ihr werdet immer dreister, sogar einbrechen wollt ihr jetzt, ihr Drachenreiter!"
Kopfschüttelnd starrte ich sie an. Ihre wirren Worte brachten mich nicht weiter. Schnell packte ich meine Tasche und stapfte an der Frau vorbei, die entsetzt zurückwich. Sie reichte mir gerade bis zur Schulter, kein Wunder, dass sie plötzlich doch schnell forthuschte, als ich ihr einen letzten verstörten Blick zuwarf.
"Königreich, ich glaub's auch... und danke für die Höflichkeit, wirklich...", murmelte ich grimmig zu mir selbst, als ich aus der Tür stürmte. Ich würde auch so klarkommen, da brauchte ich keine mit Kasserollen bewaffnete Irre.
Ich hörte die Tür hinter mir mit einem Zur Hölle! ins Schloss schmettern.
Mit aller Beherrschung musste ich mir ein gereiztes Ist ja gut, verdammt! verkneifen.
Tief durchatmend kehrte ich dem großen Fachwerkhaus, vor dem ich stand, den Rücken zu.
Entgeistert hielt ich Inne.
Die Straße zu meinen Füßen war dreckig und erdig, die Häuser um mich herum bestanden allesamt aus schwarzen Balken und weißen Quadraten.
Direkt vor mir ritten drei Männer in altmodischen Uniformen den unbefestigten Weg entlang.
Wie war das möglich? War ich in irgendein Festival oder ähnliches hineingeraten? Ein Mittelaltermarkt vielleicht? Oder eines dieser riesigen Rollenspiele?
Zweitausendundnochwas, vielleicht auch zweitausendundvierzehn, oder zwölf oder zwanzig. Was weiß ich, niemanden interessieren die Jahreszahlen.
Zeitreisen? War das... nein. Aber wie konnte ich mir sonst diese Umstände erklären? Ich glaubte das alles nicht...
Wenn das hier 2012 war, ein längst vergangenes Jahr, in irgendeinem Königreich, in dem zumindest Deutsch gesprochen wurde... das gab es nicht. Das gab es auch nicht 2014, vielleicht zu Zeiten des Mittelalters, aber garantiert nicht seit der Jahrtausendwende. Und 2020 wohl erst recht nicht.
Es war schlichtweg unmöglich, und zwar auf der ganzen Welt - aber wo war ich dann?
Ja, wo wohl? ;)
Mal wieder ein riesiges DANKE an euch alle *-*
Liebste Grüße,
Eure dragon_flies_
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Golden Fairytale
FantasyDiese fremde, neue Welt sprengte alle Grenzen der Realität. Der Wissenschaft. Der Grausamkeit. Der Wunder. Der Unendlichkeit. Meines öden Alltags. Diese Welt überstieg sogar die Ausmaße meiner eigenen Phantasie. Wie oft hatte ich hiervon geträumt? E...
