𝐬𝐢𝐞𝐛𝐞𝐧 - 𝓔𝓲𝓷 𝓑𝓻𝓲𝓮𝓯

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Am Abend saßen sie wie so oft gemeinsam im Gemeinschaftsraum, wenn auch nicht wirklich gemeinsam. Harry und Ron versuchten, mit genügend Abstand, ihre Hausaufgaben zu machen, wobei Ron eher nur durch die Gegend starrte. Sie hatten sich immer noch nicht wieder vertragen. Harry konnte es Ron nicht verzeihen, dass er sich gegen Harry gestellt hatte und Ron fand Harry total kindisch und sah überhaupt nicht ein, etwas falsch gemacht zu haben. Hermine versuchte dem Ganzen neutral gegenüberzustehen, aber sie wusste, dass sie eher auf Rons Seite war und dass Harry ebenfalls wütend auf sie war.

Hermine saß neben Ginny auf dem Sofa und versuchte ihr alles zu der Sache mit Pansy zu erzählen, fand es aber schwer, nichts auszulassen.

Ginny hatte Hermines „Coming Out" tatsächlich ziemlich gut aufgenommen. Sie meinte, sie hätte sowas in der Art eh schon geahnt. Allerdings musste Hermine ihr erstmal erklären, was queer war und was die ganzen Begriffe bedeuteten. Ginny wusste, was lesbisch und schwul war, aber auch nicht viel mehr. Hermine konnte es ihr nicht verübeln. In der Zauberwelt hatte man da, so vermutete sie, viel weniger Zugang zu als in der Muggelwelt. Schließlich hatte man hier keine Computer, wo man so etwas nachschauen konnte. Man wusste eigentlich nur, was das alles bedeutete, wenn man es entweder irgendwo aufgeschnappt hatte oder man sich intensiv damit beschäftigte.

Wenn Hermine so darüber nachdachte, war es doch seltsam, dass sie Ron gar nichts hatte erklären müssen.

„Und jetzt?", unterbrach Ginny ihren Gedankenstrom. „Was und jetzt?", fragte Hermine zurück.

„Naja, was machst du jetzt?"

Hermine seufzte. „Ich warte ab? Ich meine, was soll ich machen? Wenn Pansy lernen will, wird sie mich schon fragen, oder nicht?"

„Aber du könntest sie auch einfach so nach einem Treffen fragen."

„Wir haben Waffenstillstand geschlossen und keine Freundschaft angefangen, Ginny."

„Na das ist doch fast das Gleiche." Hermine lachte. „Nicht ganz."

Ginny zog die Knie an und stützte nachdenklich ihren Kopf darauf. „Und wenn Pansy sich einfach auch nicht traut? Dann kriegt ihr noch in zehn Jahren nichts geschissen."

„Ich glaube nicht, dass Pansy so ist. Außerdem haben wir erst gestern Waffenstillstand geschlossen. Ich muss ihr einfach noch ein wenig Zeit lassen."

„Wenn du meinst." Ginny zuckte mit den Achseln. „Aber wenn ich Pansy wär, hätte ich direkt mit dir darüber geredet, es sei denn ich würde mich nicht trauen."

„Danke, Ginny, das macht mir richtig Hoffnung", erwiderte Hermine und verzog das Gesicht. Ginny lachte. „Ich will damit ja nur sagen, dass du dir selbst in den Arsch treten und etwas unternehmen solltest."

Bevor Hermine empört etwas erwidern konnte, hörten sie ein leises Tappen am Fenster. Eine Fünftklässlerin öffnete das Fenster und eine Schleiereule mit dunklen Federn hüpfte ins Zimmer, einen Brief im Schnabel. Hermine runzelte die Stirn. Sie hatte diesen Vogel noch nie gesehen und es war definitiv keine Schuleule. Sie war neugierig, wer der Empfänger des Briefs war.

Die Fünftklässlerin nahm der Eule den Brief ab und wollte das Fenster wieder schließen, aber die Schleiereule ließ sich nicht verscheuchen und blieb unnachgiebig auf der Fensterbank sitzen. Die Fünftklässlerin seufzte und drehte den Briefumschlag um, um den Namen lesen zu können.

„Hermine!", rief sie. Diese schaute sie verdutzt an. „Der Brief ist für dich. Diese dumme Eule erwartet vermutlich eine Antwort." Die Eule schaute sie empört an, als hätte sie die Worte genau verstanden.

Hermine schaute Ginny verwundert an, dann stand sie auf und nahm den Brief entgegen. Und tatsächlich. Da stand in kunstvoll verschnörkelter Schrift Hermines Name. Sie suchte auf der Rückseite nach einem Absender, aber es war niemand verzeichnet.

Wer bei Merlins Bart wollte ihr denn schreiben? Harry und Ron ja wohl nicht, den Tagespropheten hatte sie nicht mehr abonniert und der würde auch mit der Morgenpost kommen. Mrs. Weasley? Nein, die Eule gehörte ganz eindeutig nicht den Weasleys.

Einen kurzen Moment dachte Hermine an ihre Eltern und ein stechender Schmerz bereitete sich in ihrer Brust aus. Selbst wenn ihrer Eltern eine Eule gehabt hätten, sie würden ihr nicht schreiben. Sie wussten ja nicht mal, dass sie existierte. Hermine hatte es so gewollt, aber es tat immer wieder weh daran zu denken.

Mit dem Brief in der Hand ging sie langsam wieder zu Ginny. Vorsichtig öffnete sie schon auf dem Weg den Briefumschlag und faltete das Briefpapier auseinander. Sie blieb vor Ginny stehen und starrte auf die Wörter vor ihr.

„Was?", fragte Ginny, die neugierig geworden war. „Wer hat dir geschrieben?"

Als Hermine ihr nicht antwortete, sprang sie auf und stellte sich hinter Hermine, um mitlesen zu können.

Komm sobald du die Nachricht gelesen hast in die große Halle.

Schick mir mit meiner Eule eine Antwort, damit ich weiß, ob du kommst oder nicht.

Pansy

Ginny starrte ein paar Sekunden auf das Blatt, dann schubste sie Hermine leicht. „Na, worauf wartest du noch?"

Diese starrte sie verwirrt an. „Naja, da hast du doch was du wolltest. Los schreib ihr zurück", erklärte Ginny.

„Aber was, wenn das nur ein Scherz ist?", zweifelte Hermine. „Außerdem ist es schon Abend wir d-"

„Und wie wir noch rausdürfen. So spät ist es gar nicht. Keine Ausreden. Und jetzt schreib ihr, oder ich übernehme das für dich."

Hermine gehorchte. Sie schnappte sich einen Federkiel von Ron, der sie verdutzt ansah. „Hey, was soll das?", beschwerte er sich. „Ach, den benutzt du doch sowieso gar nicht", erwiderte Hermine und kritzelte auf die Rückseite des Briefs ein „Bin unterwegs -Hermine" Sie faltete ihn hastig zusammen und gab ihn der Schleiereule, die ungeduldig auf dem Fenstersims wartete.

Hermine lief wieder zurück zu Ginny. „Und jetzt?", fragte sie leicht panisch. Sie hatte nicht damit gerechnet Pansy so schnell allein zu treffen.

„Wie und jetzt?" Ginny schaute sie an, als hätte sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. „Na, du gehst da jetzt runter und machst dir einen schönen Abend mit deiner Geliebten." Dafür erntete sie einen Stoß in die Rippen. „Autsch", kommentierte sie.

„Kann ich so gehen?", fragte Hermine sie und wunderte sich über sich selbst. Sie machte sich doch sonst keine Gedanken um ihr Aussehen. „Du siehst fantastisch aus. Und jetzt geh!", erwiderte Ginny.

„Ist ja gut", murmelte Hermine und dann kletterte sie aus dem Porträtloch und stieg die Treppen runter in die Eingangshalle. 

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Was Pansy wohl von Hermine will?

Und ob Harry Ron und Hermine sich wieder vertragen?

Ich weiß in dem Kapitel passiert nicht sonderlich viel, es tut mir leid, aber es ist halt trotzdem wichtig für die Handlung. Ich hoffe es hat euch gefallen :)

LG Jo

forgiven -Pansmione-Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt