-ATERIN REILLY-

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Als unsere Tochter Talia Keitha Reilly am 14. Februar 1997 das Licht der Welt erblickt hatte, erleuchtete sie unsere Welt mit ihrem strahlenden Lächeln. Es erwärmte das Herz von uns.

Sie wuchs zu einem wunderschönen Mädchen heran und wurde jeden Tag klüger, schöner und lebensfroher. Ihr Bruder Tharin liebte sie mit einer enormen geschwisterlichen Liebe und wollte sie am liebsten vor allem Leid der Welt beschützen.

Er war es, der ihr die das Skifahren, lesen und rechnen beibrachte. Sie hatten eine seelische Verbindung, die selbst jeden Außenstehenden erstaunte.

Tharin zeigte der Kleinen, worauf es im Leben ankam und stellte für Talia die Welt auf den Kopf. Als er jung an Blutkrebs erkrankte, kämpfte er immer weiter und sorgte dafür, dass sie immer ein Lächeln auf den Lippen trug.

Mittlerweile war sie schon zu einem jungen Mädchen herangewachsen und verstand die Welt besser. Tharin war unheilbar krank und sie konnte an diesem Schicksal nichts ändern. Sie wollte es nicht verstehen, doch sie musste.

Doch der Tag, an dem unser kleine Junge Tharin für immer seine Augen schließen würde.

Es war ein unglaubliches Leid, welches auf uns traf. Jeder Tag wurde zu einem einzigen Kampf.

Mein Ehemann Raiden konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen.

Den Tod seines einzigen Sohnes machte ihn seelisch kaputt. Er verstarb, nachdem er eines Nachts eine Überdosis von Medikamenten zu sich nahm.

Er war erst dreißig Jahre, als er uns zurückließ und zu einem Engel wurde.

Talia hatte ihren Vater und ihren Bruder verloren.

Ich hatte meinen Ehemann und meinen Sohn verloren.

Es zerstörte sie. Die Schmerzen wurden unerträglich und ich sah keine Hoffnung mehr für ein glückliches Leben. Die Tage wurden durch Qualen geprägt.

Es war eine persönliche Hölle.

Doch wir mussten kämpfen. Ich musste kämpfen.

Für Talia.

Meine Tochter war alles, was mir jetzt noch blieb und ich durfte sie nicht zurücklassen.

Doch dann bekam auch ich eines Tages meinen Krebs diagnostiziert. Ich wollte ihr das Leid ersparen und entschied mich, sie gehen zu lassen.

Es war die schwerste und schlimmste Entscheidung, die ich jemals treffen musste, doch ich konnte ihr all das nicht noch einmal antun.

Sie verließ mich.

Sie baute sich ein neues Leben mit neuen Freunden und einer neuen Umgebung auf. Wir verloren unseren Kontakt nie, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ich ihr nicht mehr auf ihre Briefe antworten konnte.

Ich wünschte mir ein normales Leben für sie. Ein Leben ohne Leid.

Falls meine geliebte Tochter jemals ihren Partner fürs Leben findet oder glücklich wird, dann habe ich mein größtes Ziel erreicht und bin nicht an der Aufgabe eine gute Mutter zu sein gescheitert. Mein Krebs hat sich drastisch verschlimmert und ich werde wahrscheinlich nie wieder in die wunderschönen Augen meiner Tochter blicken können, um ihr zu sagen, dass ich sie liebe, aber ich werde nun Tharin und Raiden wiedersehen.

Talia.

Meine liebe Tochter.

Egal was du tust, tu es mit ganzen Herzen und versuche nun endlich glücklich zu werden. Du verdienst es und ich wünsche dir alles Erdenkliche auf der Welt, was dir dabei helfen wird, da wir es nicht mehr tun können.

Ich bin unglaublich stolz auf dich.

Wir lieben dich und falls es ein kleiner Trost für dich ist, Tharin, ich und Raiden werden auch bald wieder mit dir vereint sein. Wir werden dich mit offenen Armen aufnehmen, aber vorher musst du das Leben auskosten und erleben.

Wir werden immer bei dir sein.

In Liebe,

deine Mama Asterin

Geschockt legte ich den Brief zurück in die Truhe und schloss diese danach.

Ich hatte nun endlich die lang ersehnte Gewissheit und doch schmerzte es mir jetzt schlimmer als die Unwissenheit.

Der Brief hatte als Überschrift den Titel:

"Das Leben meiner Tochter Talia"

bekommen und ich war mir sicher, dass Talia ihn schon einmal gelesen haben musste, denn er war zerknittert und das Papier an manchen Stellen durch Nässe geschädigt. Wahrscheinlich musste sie von den ehrlichen, aber schmerzhaften Worten ihrer Mutter geweint haben.

Meine Hand begann bei den Gedanken an zu zittern und ich suchte Halt an dem Holzgeländer der Treppe.

Meine Finger englitten diesem und ich fiel schmerzvoll auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte ich mich davor bewahren, mit dem Kopf an der Wand aufzuschlagen.

Talia musste mich fallen gehört haben, denn sie rief panisch meinen Namen und rannte den Flur zu mir herunter. Als sie mich dort sitzen sah, atmete sie hörbar erleichtert auf und setzte sich schließlich neben mich. Lange schauten wir die kleine Truhe an, ehe sie leise sagte:

"du hast ihn gelesen, oder?" Ich nickte und wollte etwas erwidern, doch hielt mich zurück, denn sie sprach weiter.

"Es ist...natürlich haben mich die Worte verletzt, als ich sie die ersten Male las, aber ich habe die Bedeutung nun endlich verstanden."

Sie nahm den alten Zettel erneut aus der Kiste und suchte eine bestimmte Stelle auf dem Brief.

"Wir werden dich mit offenen Armen aufnehmen, aber vorher musst du das Leben auskosten und erleben, weil wir es nicht konnten"

"ich werde es für sie tun und sie stolz machen!" Ich schaute ihr tief in die Augen und schloss sie in eine tiefe Umarmung.

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heyyy

bye

THE LAST DANCEWo Geschichten leben. Entdecke jetzt