1.42 | {Elizabeth Parker}

199 18 3
                                    

Die Wochen bis zur Spendengala vergingen und der Winter war auch schließlich in Ontario angebrochen. Die Straßen waren vereist, Gehwege spiegelglatt und alles war von einer dicken Schneeschicht überzogen.

Sehnsüchtig blickte ich von meinem Platz hinaus und beobachtete wie dicke Schneeflocken vom Himmel fielen. "Ich wäre jetzt viel lieber draußen, um dich oder Dad mit Schneebällen abzuschießen", jammerte Osten neben mir und zappelte unruhig auf seinem Stuhl herum. Ich warf meinem jüngeren Bruder einen bösen Blick zu, konnte mir danach aber mein Lachen nicht verkneifen. "Mom, würde dich umbringen, wenn du unsere Sachen nass machst", grinste ich und nahm einen Schluck aus meinem Wasserglas. Kopfschüttelnd zupfte Osten an seinem Hemd herum. "Wir sehen sowieso grässlich aus, und außerdem trockenen die auch wieder."

Auch, wenn ich Osten nicht hundertprozentig zustimmen konnte, nickte ich schweigend. Ich empfand unser Aussehen war nicht gerade als grässlich, aufgetakelt traf es eher. Unsere Mutter hatte Osten in eine dunkle Stoffhose und in ein Hemd gesteckt, das den gleichen Grauton wie ihr Kleid hatte. Dazu musste er einen Gürtel und eine Jacke passender Farbe tragen. Eine wirkliche Frechheit, wie er sich vorhin beschwert hatte. Immerhin konnte er gerade noch entfliehen bevor man ihm noch Haargel in die blonden Haare geben wollte. Mir hingegen hatte Mom keine große Vorschrift zur Kleiderwahl gemacht, solange es ein Kleid mit hohen Schuhen war, gab sie sich zufrieden.

Ich trug ein dunkelrotes Kleid, das über meine Knie reichte und dazu ein paar hohe Schuhe mit silbernen Riemchen. Meine Haare hatte ich wie immer lockig über meine Schultern fallen.

"Wann gibts eigentlich was Richtiges zu essen?", tippte mich mein Bruder an und sah mich großen Augen an. "Ich habe total hunger." Einen Moment lang musterte ich ihn, weil er zu Hause erst etwas gegessen hatte. Wie konnte er jetzt schon wieder Hunger haben?

Schließlich ließ ich mich von seinem Blick breit schlagen und versprach dem kleinen Vielfraß ihm etwas Kleines zu Essen vom Buffet zu holen. Damit er keinen Unsinn da Weile machte und beschäftigt war drückte ich ihm mein Smartphone in die Hand.

Ich drehte eine kleine Runde durch den riesigen Saal. Es waren bereits unzählige Menschen erschienen und hin und wieder entdeckte ich auch ein bekanntes Gesicht in der Menge. Dad unterhielt sich mit zwei weiteren Männern in seinem Alter, eine der Frauen vom Vorstand trank zusammen mit Mom Champagner und Jason O'Brien flirtete mit einem Mädchen in einem schwarzen figurbetonten Kleid. Ich musste mich wirklich bemühen nicht mein Gesicht zu einer Grimasse zu verziehen, wenn ich ihn sah. Er verkörperte das Klischee des Sohnes eines Politikers einfach zu gut.

Auf dem Weg zu dem kleinen Buffett das in einer Ecke aufgebaut war, kam ich auch an der Bühne vorbei, auf der später auch noch eine Band mit dem Namen Austra auftreten würde. Als Hintergrund waren die Gesichter von Kindern zu sehen, die bereits dank der Hilfe der Cardiac Kids Stiftung gerettet werden konnten. Auch einige von ihnen waren heute unter den Gästen. Aber es gab auch eine Reihe von Plakaten, auf denen Kinder zu sehen waren, die an einer Herzerkrankung oder einem Infarkt verstorben waren. Es waren zwar nicht so viele Bilder wie von den geretteten Kindern, aber dennoch konnte ich sie mir nicht lange anschauen. Besonders das Bild des blauäugigen Jungen, der mir wie aus dem Gesicht geschnitten war nur schwer zu ertragen.

Als ich schließlich das Buffet erreicht hatte, wusste ich nicht so recht, was ich Osten von alledem mitbringen sollte. Es gab viel zu viel Auswahl. „Ziemlich schwierig sich zu entscheiden, oder?" , hörte ich eine Stimme hinter mir fragen, woraufhin ich mich verwundert umdrehte.

Ein älterer Mann mit dunkelbraunen Haaren und Anzug lächelte mich an. „Mr. Mendes", brachte ich verwundert heraus und starrte Shawns Vater überrascht an. „Elizabeth" , nickte er mir zu und trat näher an mich heran. „Wir haben uns schon ein paar Wochen nicht mehr gesehen", stellte er fest, was ich nur mit einem Nicken bejahte.

Es war tatsächlich schon einige Wochen her seit dem ich das letzte mal einen Fuß über die Türschwelle der Mendes gesetzt hatte. Um genau zu sein war es bereits über einen Monat her und seit dem herrschte auch zwischen mir und dem ältesten Sohn der Familie Funkstille.

„Ich... ehm hatte viel zu tun", versuchte ich mich aus der Situation zu retten, weil ich nicht wollte, dass er auf die Sache zwischen Shawn und mir zu sprechen kam. „Bewerbungen fürs College schreiben", ergänzte ich und ließ meinen Blick über die ganzen Leckereien die auf dem Tisch standen wandern. Von süß bis salzig, alles war dabei. „Wo soll es denn für die junge Miss Parker hingehen?", fragte Manuel mich während er sich etwas Obst auf einen Teller lud.

„Besten Falls an die Standford University oder Princeton", rasselte ich die Namen herunter und beobachtete wie die Augenbrauen von Shawns Vater sich in die Höhe zogen. „Da hast du aber einiges vor, junges Fräulein", sah er mich bewundernd an, „und was sind die Ausweichmöglichkeiten?"

„Cambridge oder Oxford", lächelte ich und zupfte verlegen an dem Rock meines Kleides herum. „Alle Achtung", holte Manuel Luft, „da hast du dir aber einiges vorgenommen. Shawn hat leider mehr Musik als Bildung im Kopf."

Ich war gerade dabei zu einer Antwort anzusetzen der bemerkte aus dem Augenwinkel heraus wie sich uns eine Person näherte, woraufhin Manuel meinem Blick folgte. Scharf sog ich die Luft ein, als ich erkannte, wer da auf uns zu kam.

Dunkle, zurück gegelte Haare, ein weißes Hemd bei dem die ersten drei Knöpfe geöffnet waren, ein tadellos sitzender schwarzer Anzug und dazu ein unverschämt attraktives Lächeln.

„Wenn man vom Teufel spricht", begrüßte Mr. Mendes seinen Sohn und klopfte ihm mit seiner freien Hand auf die rechte Schulter, als er neben ihm zum Stehen kam. Grinsend schüttelte dieser seinen Kopf und drückte seinem Vater einen Autoschlüssel in die Hand. Danach wandte sich sein Vater wieder mir zu und wünschte mir viel Erfolg für meine Bewerbungen, dann verabschiedete er sich wieder und ließ Shawn und mich allein zurück.

„Hör auf mich so dämlich anzustarren", murmelte ich als ich mich wieder Ostens Essen gewidmet hatte und Shawn nichts anderes tat, als mich anzuschauen. Aus irgendeinem Grund machte es mich wütend, dass er einfach nur da stand, mich anstarrte und nichts sagte. „Ist was?", fragte ich ihn patzig nach dem ich einen Muffin auf einen Teller gelegt hatte und ich mich wieder ihm zugewandt hatte.

Seine braunen Augen wanderten über jeden einzelnen Zentimeter meines Körpers, immer wieder auf und ab. Schließlich langte sein Blick an meinen Augen kleben und ein leichtes traurig aussehendes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Du siehst hübsch aus", murmelte er leise.

Dann ging er.

Er ging einfach, und streifte dabei vermutlich mit Absicht meine Hand. Und damit machte er mich unfassbar wütend. Er hatte einen Monat lang nicht mehr mit mir geredet und das. Was war auf einmal in ihn gefahren?

Immer noch total verwirrt von Shawns Verhalten machte ich mich auf den Weg zurück zu unserem Tisch, wo Osten schon sehnsüchtig auf sein Essen wartete.

„Na Endlich", zog er mir den Teller blitzschnell aus der Hand und machte sich daran das Papier zu entfernen. Bevor er in den Muffin biss, bedankte er sich noch bei mir. Kopfschüttelnd schaute ich ihn an. Wie konnte so ein kleiner Junge nur so einen großen Appetit haben.

Gerade als ich mich zum Gehen umdrehen wollte, fiel meinem Bruder noch etwas ein. „Du sollst übrigens Mom suchen", murmelte er mit vollem Mund. „Sie braucht bei irgendetwas dringend Hilfe. Sie hat ziemlich fertig mit den Nerven gewirkt, Eli. Sie sagte redete ständig von einer fehlenden Band und einer Katastrophe."

. . .

i love you, and
it's killing me.
-Elizabeth Parker-

Twisted Fate | Shawn Mendes FanfictionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt