36.Kapitel

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Kairo's Sicht

Die Nacht war lang. Kein Auge hab ich zubekommen. Ich musste Termine festlegen. Heute hatte ich drei.

Ich machte mich auf den Weg in die Villa. Im Kleiderschrank holte ich einen schwarzen Rollkragenpullover und einen schwarzen Blaser hervor. Ich zog sie mir an und ging zu meinen Wagen. Mit einem matten Audi TT fuhr ich zum vereinbarten Ort. Mit Maske aufgesetzt, stieg ich aus und lief in das Gebäude. An einem Tisch saß ein Russischer Dealer. Ich setzte mich ihm gegenüber und legte meine Waffe auf den Tisch. Er tat das gleiche.

"Was willst du, Kairo. Du warst wie vom Erdboden verschwunden und taucht jetzt einfach wieder auf. Du hast unser letztes Treffen verpasst.", sprach er mit bedrohlicher Stimme. "Ich brauche Waffen. Eine Menge Waffen. Mein Händler kann diese Menge nicht bieten.", antwortete ich.

Mit faltender Stirn musterte er mich. "Wieso hast du immer eine Maske auf? Ich meine die Polizei kennt sich schon. Spätestens nach dem Zusammenschluss mit Sora. Möge er in Frieden Ruhen.", "Damit du mich nicht lesen kannst, Alexej. Ich bin nicht blöd. Du versucht mich seit unserem ersten Treffen zu durchschauen und Scheiterns jedes Mal aufs Neue. Warum gibst du nicht auf? Ich bin mittlerweile Stammkunde. Mir solltest du langsam mal etwas Vertrauen schenken.", antwortete ich und lehnte mich zurück.

"Menschen sind unberechenbar und dumm. Sie lassen sich so leicht leiten. Doch wenn sie emotional werden kann sich alles ändern. Aber ihre Emotionen sind ihre Schwäche und leicht zu lesen. Bei dir kann ich nichts sehen. Dein Gesicht bleibt verborgen. Und deine Augen scheinen immer im gleichen dunklen Licht. Ich kann dir also nicht vertrauen.", sprach er und runzelte die Stirn. "Alexej, kommst du meinen Wunsch trotzdem nach?" Er nickte und gab mir seine Hand. Ich nahm sie an und so wurde der Deal besiedelt.

Ich verließ das Gebäude wieder und fuhr zum Hauptquartier. Beim Gehen durch die Gänge rief ich Rima ins Büro. Er trat ein und setzte sich auf einen der beiden Stühle vor dem Schreibtisch. "Was gibt's?", fragte er und flezte sich in den Stuhl. "Du kennst mich, oder? Ich halte es nicht mehr aus. Seit Wochen, nein sogar Monaten, planen wir nun schon das Ganze. Aber wir kommen nicht voran. Entweder ist und Steven voraus oder er macht uns einen Strich durch die Rechnung. Klar, Austin ist jetzt dort und Zayn auch. Ich halte es aber nicht länger aus. Ich werde den Krieg beginnen. Und das jetzt. Aber das Ganze machen wir kontrolliert.", sprach ich und ging im Raum hin und her.

Rima schien zu grübeln, denn seine Stirn legte sich in Falten. "Und wie willst du das bitte anstellen, Boss?" Das Boss betonte er besonders gehässig. Mit einem bösen Blick schaute ich ihn an. "Was meinst du warum du hier bist. Du bist Experte darin böse und hinterlistige Pläne zu schmieden. Ich wäre dir also sehr verbunden, wenn du dir einen Partner suchst und einen genialen Plan ausdenkst, der uns aus der Patsche hilft.", sagte ich und schaute ihn abwartend an. "Ay ay Boss.", meinte er daraufhin sarkastisch. Schnell rief ich ein: "Mit etwas mehr Professionalität bitte!" hinterher.

Ich ließ mich in den Stuhl fallen und ließ meinen Kopf in die Arme sinken. Wie es wohl Zayn geht? Ist alles okay bei ihm? Wie es ihm wohl mit Steven ergangen ist? Wie geht es Austin? Ist seine Tarnung aufgeflogen oder läuft alles nach plan? Ich hoffte den beiden ging es gut. Austin fehlt irgendwie. Alles wird so schwarz und weiß und ich hasse das große Haus. Es ist so ungemütlich und es fühlt sich irgendwie gar nicht wie ein zu Hause an. Ich hasste es dort. Ich wünschte mir die mölige Küche zurück, den staunenden Austin in seinem Zimmer, der schlafende Austin, den verkaterten Austin, den lachenden Austin. Ich vermisste einfach Austin. Er hat mein Leben einfach schöner gemacht. Gerade fühlte ich mich wieder so allein und einsam. Nach "Hause" wollte ich nicht, und nach Hause konnte ich nicht. Das ist ein echt mieses Gefühl und ich mochte das überhaupt nicht. Wie hab ich es bloß so lange allein ausgehalten?

Nach dem ganzen Nachdenken hatte ich keinen Bock mehr auf die anderen Termine. Ich sagte also die anderen beiden ab.

Mir kam in den Sinn, dass ich lange nicht mehr trainiert hatte. Vielleicht konnte es mich ablenken? Einen Versuch war es auf jeden Fall Wert. Also begab ich mich in die Trainingshalle und zog mir Bandagen über die Hände. Darüber zog ich die Handschuhe und stellte mich zu einen der Boxsäcke. Mit aller Kraft schlug ich immer wieder auf ihn ein. All meine Emotionen ließ ich an diesem Boxsack aus. Austin war weg, Zayn war weg und das machte mich so verdammt wütend, so verdammt einsam. Natürlich hatte ich auch noch die Anderen aber Austin und ich hatten eine engere Bindung in den letzten Wochen und Monaten aufgebaut. Und jetzt spürte ich, wie sehr er mir fehlte.

Irgendwann verließ ich die Halle und fuhr zu meinem Lieblings Platz. Ich setzte mich auf den Rasen und starrte in die Ferne, wo man das Wasser sehen konnte. Vor dem Wasser war die Stadt. Die Sonne ließ das Wasser glitzern und die Bote auf dem Wasser machten das ganze Szenario perfekt. Ich genoss die Ruhe und dachte nach. Was wird wohl in den nächsten Tagen passieren? Ich hoffte einfach nur, dass Austin und Zayn gut durchkommen würden.

Mit geschlossenen Augen ließ ich mich ins Gras fallen. Nach einiger Zeit döste ich ein. Schon lange hab ich meine Verteidigung nicht runter genommen. Hier lag ich also, verletzlich und ungeschützt. Und ich genoss dieses Gefühl der Verletzlichkeit. Immer stark zu sein ist anstrengend. Ich hasste dieses Leben. Aber wie kam ich hier raus? Der einzige Möglichkeit ist dieser Krieg. Ich wollte einfach glücklich sein und Austin hat mir gezeigt wie schön ein einfaches Leben ist. Man muss sich nicht immer Sorgen machen. Jedenfalls keine Sorgen zu sterben oder so etwas. Natürlich kommen dann irgendwann auch die Sorgen des normalen Lebens hinzu, jedoch sind sie nicht so schwer wie die Sorgen, die ich jetzt habe. Hoffenich ist das Ganze bald vorbei und ich kann mir meinen Traum erfüllen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 22, 2021 ⏰

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