Kapitel 30

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Gedankenverloren ging ich zurück in mein vorübergehendes neues Zimmer. Erst als ich mich auf das Bett fallen lassen wollte, bemerkte ich, dass dort Jason hockte und mich beobachtete. Erschrocken sprang ich einen Schritt zurück. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er auf mich wartete. "Was willst du?", gab ich knapp von mir, als mein Herz wieder anfing in einem normalen Tempo zu schlagen. "Noch mal mit dir reden", beantwortete er meine Frage ganz ruhig. "Und worüber?" Erst schaute er mich nur still an, doch dann fing er doch an zu reden. "Über diese Situation. Ich weiß, dass du es scheiße findest hier zu sein, aber-" "Ich finde es scheiße eingesperrt zu sein", korrigierte ich ihn. Er nickte und setzte seinen Satz fort. "Aber ich kann daran nichts ändern. Er würde dich finden und dann würde er dir bestimmt etwas antun." "Wer ist er?", hakte ich mit hochgezogener Augenbraue nach. "Mein Auftraggeber. Wie ich gestern schon sagte, hätte er jemand anderen engagiert um dich zu entführen und jeder andere hätte das ausgenutzt um wer weiß was mit dir anzustellen." Es klang logisch, doch trotzdem war der Fakt vorhanden, dass Jason mich entführt hatte und hier einsperrte. Ich hätte schon erwartet, dass er wüsste, dass ich ihn nicht ins offene Messer rennen lassen würde. Hätte er mir alles erklärt, hätte ich doch mit mir reden lassen, wenn er mich schon verschleppt hat.

"Weißt du, Jason, du bist echt der Letzte, von dem ich sowas erwartet hätte. Das alles. Dass du Leute tötest, verletzt, entführst und so weiter. Und dass du dann auch noch mich entführst? Ich meine, ich kenne vielleicht jetzt deine Absichten, aber wie wäre es, wenn du dich vorher mal hättest blicken lassen und mir davon erzählt hättest? Ich hätte dir geholfen, egal wie, aber mich erst Todesangst haben zu lassen und mir dann auch noch K.O Tropfen einzuflößen ist mehr als dämlich von dir." Ich konnte einfach nicht anders, als meinem Frust Luft zu machen. "Es war alles nicht geplant und auch nicht meine Absicht", versuchte er sich zu verteidigen und sah zu mir, doch ich schüttelte den Kopf.

"Du hättest das alles verhindern können. Du hast unschuldigen Menschen etwas angetan und das hätte alles nicht sein müssen. Du glaubst gar nicht, wie verdammt enttäuscht ich bin." Ich wollte keinen auf Moralapostel tun, aber trotzdem sollte er wissen, wie ich darüber dachte. Mir auch egal, ob ihn das überhaupt interessierte oder nicht. Sein Blick mir gegenüber war schwer zu deuten. Es war eine Mischung aus traurig, verletzt und enttäuscht. Irgendwie tat er mir schon leid, da es ihm anscheinend wirklich leid tat, aber es war schwer ihm das zu glauben und zu vertrauen, auch wenn es den Anschein machte.

"Ich hatte einfach meine Wut nicht unter Kontrolle. Ich war sauer auf mich, auf deine Eltern, eigentlich auf die ganze Welt. Jeder der mir blöd gekommen ist musste darunter leiden. Klar weiß ich, dass das falsch war, aber ich bin da einfach reingerutscht und jetzt kann ich es nicht mehr rückgängig machen, so gerne ich es auch wollte. Ich kann mich nicht mal der Polizei stellen, denn dann bin ich schneller tot, als du 'Ich hasse dich' sagen kannst und ganz ehrlich, ich hänge irgendwie an meinem Leben, also ist das einfach keine Option. Jeder kennt mich und jeder weiß, wie ich Aussehe. Da kann ich auch nicht mal eben so abtauchen. Ich bin ja schon froh, wenn keiner weiß, wo ich lebe oder was für ein Auto ich fahre." Apropos wo er lebt, wo sind wir hier eigentlich? Ich meine, wenn er immer noch in Los Angeles lebt, sind wir aber doch niemals so weit gefahren oder? "Sind wir noch in Las Vegas?", fragte ich ihn mit hoch gezogener Augenbraue. Er nickte nur. "Und wo?", hakte ich weiter nach. "Außerhalb. Damit uns keiner findet." "Damit mich keiner findet, meinst du wohl. Damit kein fucking Cop irgendetwas merkt und mir helfen kann aus diesem Scheiß rauszukommen!" 

Mein Problem war nicht, bei Jason zu sein. Ich wollte einfach nur nicht eingesperrt sein ohne etwas machen zu können. Meine Eltern ließen sich ja eh so gut wie nie blicken, das machte also gar keinen Unterschied. Mich würde es aber mal interessieren, wann sie bemerken werden, dass ich weg bin. "Hailie, ich werde dich in Ruhe lassen solange du hier bist, wenn du das willst. Aber ich kann an der ganzen Situation nichts ändern, es tut mir leid." "Wenn du mich in Ruhe lassen willst, dann geh." Mich machte die Situation einfach fertig und ich wollte einfach meine Ruhe haben. Seufzend stand er auf und nuschelte noch ein 'Es tut mir wirklich leid' , bevor er das Zimmer verließ. Wieder einmal drehte sich der Schlüssel im Schloss. Ich ließ mich auf das Bett fallen und vergrub mich wieder unter der Decke. Wie lange würde ich wohl hier drin hocken müssen?


You found me *slow updates*Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt