"Harry?" rufe ich unsicher und trete näher zur Türe. Keine Reaktion.
Vorsichtig lege ich meine Hand auf die Schnalle und drücke sie nach unten. Ängstlich öffne ich die Türe und gucke hinein. Ich sehe nichts.
Plötzlich erscheint Harry vor mir und ruft ein lautes 'Buh' , als ich laut aufschreie.
"Oh mein Gott bist du bescheuert?" fauche ich ihn an und lege meine Hand aufs Herz. Ich atme einmal tief durch.
"Jetzt zick nicht rum, das war doch nur Spaß. Diese Hütte ist perfekt! Zwar etwas klein, aber trotzdem ein perfektes Versteck." Harry dreht sich einmal im Kreis und grinst.
Er hat Grübchen.
Das wusste ich gar nicht. Mag wahrscheinlich daran liegen, dass ich ihn noch nie lächeln gesehen habe.
"Ja, ist nett hier." gebe ich einfach nur zurück und lasse mich auf die kleine Couch auf der rechten Seite fallen.
"Aber gehört das hier niemanden?" frage ich und sehe mich um.
"Keine Ahnung. Solange hier niemand ist bleibe ich." kommt es nur von dem Braunhaarigen, der sich in das Einzelbett fallen lässt. Okay.
"U-Und was machen wir jetzt?" frage ich nach einigen Sekunden weiter.
"Schlafen. Es wird sowieso schon dunkel." murmelt der Lockenkopf und rappelt sich auf.
"Okay. Wenn du willst kannst du das Bett haben und ich bleibe auf der Couch." sage ich zu ihm und er nickt.
"Ja. Hätte ich auch vorgeschlagen." kommt es von Harry.
Oh. Nett.
Ich reagiere einfach nicht auf seine Aussage und stehe auf, um mir ein Kissen und eine Decke zu holen.
Ich bin auch schon verdammt müde.
Harry macht sich ebenfalls zum Schlafen fertig und zieht sich seine Hose aus. Mit Boxershort und seinem T-Shirt legt er sich in das Bett und ich wende meinen Blick ab.
Als ich die kleine Couch ziemlich gemütlich zum Schlafen hergerichtet habe, lege ich mich ebenfalls hin und ziehe die Decke über meinen Körper. Ich werde mich bestimmt nicht vor Harry ausziehen.
"Nacht." murmle ich leise, bekomme jedoch keine Rückmeldung. Naja.
Müde drehe ich mich auf die andere Seite und schließe meine Augen.
Ich hoffe diese Typen finden uns hier nicht so schnell. Immerhin wissen sie, dass wir hier in der Nähe sind. Aber ich denke hier sind wir erstmal in Sicherheit - beziehungsweise hoffe ich das. Es wird nicht mehr lange dauern, dann bin ich die alle los. Und dann fange ich irgendwo neu an. Hauptsache weg von hier.
...
Am nächsten Morgen öffne ich langsam meine Augen und blinzle ein paar mal. Ich sehe mich um und sofort kommen mir wieder alle Erinnerungen an gestern. Mein Blick schweift hinüber zu dem kleinen Bett, welches jedoch leer ist. Wo ist Harry?
Müde stehe ich auf und sehe mich verwirrt um. Ich bin alleine.
Plötzlich wird die Türe hinter mir aufgreissen und ich drehe mich erschrocken um. Mit großen Augen starre ich Harry an, welcher in die Hütte tritt und zwei Rucksäcke auf das Bett wirft.
"Wo warst du?" frage ich ihn.
"Ich habe die Umgebung etwas gecheckt und war drüben im Dorf. Die Typen sind verschwunden. Ich habe auch mein Auto nahe an den Waldrand gestellt und mein Geld und meine Kleidung geholt." gibt er emotionslos zurück und kramt in seinem Rucksack herum. Oh.
"Ich werde jetzt dann auch noch etwas zu essen holen." fügt er noch hinzu und ich merke wie mir das Wasser bereits im Mund zusammenläuft. Mein Magen knurrt wie wild.
"Okay gut. Weißt du wie spät es eigentlich ist?" frage ich den Braunhaarigen und er dreht sich zu mir.
"Ja, als ich im Dorf war, war es halb drei also schätze ich jetzt ist es drei Uhr." antwortert er nachdenklich.
"Was drei Uhr schon? Ich habe so lange geschlafen?" gebe ich überrascht zurück und sehe ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Er nickt. "Die letzten Tage waren ja auch ziemlich anstrengend für dich."
Ich seufze und nicke anschließend. Stimmt.
"Ist sonst irgendetwas passiert?" frage ich weiter und blicke wieder zu Harry.
Er schüttelt nur den Kopf. "Nein. Wie gesagt, Jack ist mit seinen Kumpels komischerweise verschwunden. Ich bin gespannt was sie vorhaben."
"Jack?" frage ich verwirrt und meine Stirn legt sich etwas in Falten.
"Ja, der Schwarzhaarige von den Typen. Er ist sozusagen der Anführer." erklärt mir der Lockenkopf und ich nicke verständlich.
Jack heißt er also.
"Okay. Ich geh dann mal was zu essen holen." gibt mir Harry Bescheid und geht zur Türe.
"Warte! Ich will mitkommen!" rufe ich ihm hinterher und er bleibt im Türrahmen stehen. Er dreht sich zu mir um und atmet einmal tief durch.
"Okay. Komm." murmelt er schließlich und ich gehe zu ihm.
Zusammen treten wir aus der Hütte und machen uns auf den Weg Richtung Dorf. Ich lasse Harry den Vortritt und folge ihm einfach, da ich mich nicht mehr auskenne. Für mich sieht hier alles gleich aus.
Nach einigen Minuten kann ich in weiter Entfernung auch schon den Waldrand erkennen. Der Weg ist länger als ich ihn in Erinnerung habe. Ich hoffe dieser Jack und die anderen Typen finden uns hier nicht so schnell. Wer weiß was die mir antun. Und Harry. Letztes Mal haben sie davon geredet ihn umzubringen.
Wenn meine Eltern nur wüssten, was seit ihrem Tod alles passiert ist.
"Wie geht es eigentlich deinem Bein?" frage ich an den Braunhaarigen gerichtet um mich von meinen Gedanken abzulenken.
"Gut. Ich bin doch kein Weichei. Es war ja nur ein Streifschuss." gibt er locker zurück und geht normal weiter.
Es war ja nur ein Streifschuss.
Ich belasse es dabei.
Nach weiteren Minuten kommen wir endlich in dem kleinen Dorf an und Harry steuert zielsicher in eine Richtung. Schweigend folge ich ihm.
Wir gelangen zu einem kleinen Lebensmittelgeschäft, welches am Rande des Dorfes liegt. Langsam trete ich ein und lasse meinen Blick um mich schweifen. Es befinden sich nicht viele Leute hier und es is sehr ruhig.
"So, was willst du essen?" fragt Harry neben mir und ich sehe ihn an.
"Ist mir eigentlich egal, hauptsache etwas zu essen." grinse ich.
"Okay, such dir einfach ein paar Snacks zusammen und wir treffen uns dann bei der Kassa." erklärt mir der Braunhaarige und ich nicke.
Nach ein paar Runden durch die Gänge habe ich meiner Meinung nach genug zusammen und begebe mich zur Kassa. Harry wartet dort bereits auf mich mit ebenfalls reichlich zu essen bei sich. Schließlich bezahlt er unsere Einkäufe und wir machen uns auch schon wieder auf den Weg zurück.
Endlich etwas zu essen.
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SECRET
Fanfiction"Du weißt von dem Geheimnis - also gibt es kein zurück. Sie werden dich suchen. Und sie werden dich finden." "Und wie komme ich aus der Sache wieder raus?" "Gar nicht." © Copyright 2015 cxorinna
