"Entschuldige bitte die Verspätung, Hermine.“
Ron beugte sich für eine flüchtige, aber herzliche Umarmung zu ihr herunter, ehe er ihr gegenüber Platz nahm und sich im Sitzen aus seiner Jacke schälte.
Sie trafen sich regelmäßig im Tropfenden Kessel, und Hermine freute sich jedes Mal auf die Treffen.
Sofort erschien eine Bedienung an ihrem Tisch, Ron bestellte ein Butterbier und wandte sich dann fragend an Hermine.
„Essen wir auch was?“
Hermine musste schmunzeln, sie sah Ron an, dass er Hunger hatte.
„Klar.“
Nachdem die Bestellung komplett aufgenommen wurde, begannen sie sofort zu plaudern. Das war das Schöne an ihren Treffen: Sie schwiegen sich nie an, hatten immer Gesprächsstoff und konnten über alles völlig unverfänglich reden.
„Wir geht es Caren?“, fragte Hermine schließlich und war erstaunt, als sie Rons Stocken und den seltsamen Blick bemerkte. „Was ist los?“
Ron seufzte.
„Ach ich weiß auch nicht, Hermine. Ich denke, längerfristig wird das nichts mit mir und Caren.“
„Das tut mir leid, Ron.“
Ron grinste schief.
„Ach Hermine, eigentlich muss dir das nicht leid tun. Ganz ehrlich, manchmal habe ich das Gefühl, wir vergessen, wie jung wir eigentlich noch sind. Ich muss ja nicht jetzt schon die Frau fürs Leben finden, oder? Fast denke ich, die Vergangenheit hat uns so geprägt, so schnell erwachsen werden lassen, dass wir aus den Augen verlieren, was Leute in unserem Alter eigentlich für gewöhnlich tun.“
Hermine konnte ihn einen Moment nur anstarren. Merlin, wann war Ron so erwachsen geworden? Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Wie gern sie Ron doch hatte!
„Aber wenn wir schon bei dem Thema sind – bei dir und Benjamin ist alles ok?“
„Ja, alles bestens“, strahlte Hermine, um im nächsten Moment zu bemerken, dass sie es einfach so daher gesagt hatte und ein bisschen schämte sie sich dafür. Sie redete hier mit Ron, nicht mit irgendwem, und sie sollte ehrlich sein.
Ein Blick in sein Gesicht und auf seine hochgezogenen Augenbrauen sagte ihr, dass er das selbe dachte.
„Entschuldige“, sagte sie. „Ach ich weiß auch nicht. Eigentlich ist schon alles perfekt, aber... Ich kann es nicht in Worte fassen, Ron. Manchmal habe ich das Gefühl, dass... Ach, als ob ich nicht genug bin, weißt du, wie ich das meine?“
Rons Hand schnellte über den Tisch und legte sich sanft auf ihre.
„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich verstehe, was du meinst, ich kapiere es nämlich grad nicht so richtig. Aber du siehst traurig aus, wenn du so redest. Und genug bist du auf jeden Fall. Mehr als genug. Wenn er dir das Gefühl gibt, nicht genug zu sein, dann schieß ihn in den Wind.“
Sie starrte Ron perplex an.
„Nein... nein, Ronald, das... das möchte ich nicht. Ich meine, es ist alles ok mit Benjamin. Er ist klug, ich kann gut mit ihm reden, er sieht gut aus und behandelt mich liebevoll – wirklich!“, setzte sie noch hinzu, als sie Rons skeptischen Blick sah.
„Das will ich auch hoffen“, grummelte der Rothaarige und Hermine musste lächeln.
„Auf jeden Fall ist das so, Ron. Ich denke, ich habe mit ihm eine vernünftige Entscheidung getroffen.“ Hermine nickte, wie um sich selbst zu bestätigen, und ihre Locken wippten dabei.
Nun rutschten Rons Augenbrauen bis unter seinen Haaransatz.
„Eine vernünftige Entscheidung?“
Hermine blickte fragend aufgrund Rons fast entsetzten Tonfalls.
„Hermine! Hörst du dich eigentlich reden? Eine vernünftige Entscheidung! Das ist mal wieder typisch für dich. Das sagt dein Kopf dir, aber was sagt dein Herz?“
„Was meinst du?“
„Hermine“, sagte Ron, nun sehr sanft. „Natürlich ist es auch wichtig, mit dem Kopf zu entscheiden und vernünftige Entscheidungen zu treffen, aber was eine Beziehung angeht, ist das Herz wichtig, oder nicht? Du solltest in erster Linie mit jemanden zusammen sein, weil du dich verliebt hast, oder?“
Hermine zog die Stirn kraus.
„Ich... ich bin verliebt in Benjamin.“
War sie doch, oder?
Sie war sich sicher, in Ron verliebt gewesen zu sein – oh ja, daran gab es keinen Zweifel, aber es war eben eine typische Schulmädchenverliebtheit gewesen. Daher fühlte sich das Verliebtsein in Benjamin doch anders an, oder? Nicht mit so viel Bauchkribbeln und Herzflattern und so weiter. Es lag einfach daran, dass sie jetzt erwachsener war und sich nicht mehr in Schwärmereien verlor.
„Wie auch immer, du wirst die richtigen Entscheidungen treffen, daran habe ich gar keine Zweifel“, lächelte Ron. „Vergiss nur nicht, dass wir nicht alle so sein müssen wir Harry.“
„Was meinst du?“
„Nun, er und meine Schwester sind wie füreinander bestimmt, oder? Das heißt aber nicht, dass es verwerflich ist, wenn wir anders sind und uns eben noch umschauen müssen.“
Hermine lächelte.
„Du hast Recht, Ronald.“
„Aber Themenwechsel. Was gibt es sonst Neues bei dir? Was macht die Arbeit im St Mungo?“
„Ron, stell dir vor, ich habe auf der Arbeit Draco Malfoy gesehen.“ Hermine hatte ihre Stimme zu einem Flüstern gesenkt, denn natürlich durfte sie eigentlich nicht nach außen tragen, was sie auf der Arbeit sah, beziehungsweise, wer dort Patient war.
Merkwürdigerweise war es für sie überhaupt kein Problem, Ron von Malfoy zu erzählen, während sie bei Benjamin eine ziemliche Hemmschwelle gehabt hatte.
Ron hatte sich automatisch nach vorne gebeugt und senkte nun auch seine Stimme.
„Malfoy? Was hat er da gemacht?“
„Weiß ich nicht. Das war schon irgendwie seltsam. Beim ersten Mal habe ich ihn in der Cafeteria gesehen, da dachte ich noch, er wäre vielleicht als Besucher da, aber beim zweiten Mal war er auf meiner Station und wurde in das Büro eines Heilers gerufen.“
„Hm“, machte Ron. „Was ja nicht ausschließt, dass er Besucher ist.“
„Wieso?“
„Na ich meine, vielleicht besucht er jemanden, der fluchgeschädigt ist, und der Heiler hat ihn auf den neuesten Kenntnisstand gesetzt, wie es der Person geht.“
„Unwahrscheinlich“, sagte Hermine sofort. „Wir haben dort niemanden, zu dem Malfoy Verbindung haben könnte.“
„Nun, dann ist es ja ziemlich offensichtlich, dass er als Patient da ist“, sagte Ron schulterzuckend. „Habt ihr miteinander gesprochen?“
„Ja, flüchtig. Sonderlich gesprächig ist er aber nicht gerade gewesen.“
„Hm. Warum machst du dir eigentlich solche Gedanken über Malfoy?“
„Weiß nicht. Ich glaube, ich war einfach nur aus der Bahn geworfen, dass ich ihn da gesehen habe.“
Ron nickte wissend.
Er wusste, dass Hermine nach dem Krieg kaum einen Artikel im Tagespropheten gelesen hatte und erst recht nichts über die Malfoys hören und lesen wollte. Sie hatte damals ganz offen mit ihm darüber gesprochen, wie sehr das Erlebnis in Malfoy Manor sie traumatisiert hatte. Sie wollte damals nicht einmal etwas über Draco Malfoys Prozess hören, bei dem Harry für ihn ausgesagt hatte.
„Weißt du, wenn es dich wirklich interessiert, was mit dem Frettchen sein könnte, dann sprich mit Harry. Er hat damals dem kompletten Prozess beigewohnt und hat einige Details erfahren, die wir nicht wussten.“
„Ach, nein, nein.“ Hermine winkte ab. „So wichtig ist es auch wieder nicht. Wie gesagt, ich hatte nur überhaupt nicht damit gerechnet, mit ihm konfrontiert zu werden. Eigentlich ist es mir total egal, aus welchem Grund er im Mungo aufgetaucht ist.“
Genau, sie würde die Gedanken an Malfoy nun einfach zu den Akten legen.
Sie hatte schon viel zu viele Gedanken an ihn verschwendet.
Und doch musste sie an die Dinge aus ihrem letzten gemeinsamen Schuljahr denken – und daran, dass es Malfoy ihres Erachtens nach absolut nicht gut gegangen war...
DU LIEST GERADE
Happiness does not wait (Dramione Story)
FanfictionKurzbeschreibung:Obwohl Hermine sich völlig auf ihren Abschluss konzentriert, den sie nach dem Krieg nachholt, entgeht ihr nicht, dass merkwürdige Dinge rund um einen gewissen Slytherin passieren. Ziemlich schnell ist sie sich sicher, dass er Hilfe...
