Schnee

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Grundsätzlich hätte Hermine den Abend als sehr gelungen bezeichnet.
Es war sehr erstaunlich, wie positiv die Öffentlichkeit auf Draco reagierte. Eigentlich war es traurig, wie beeinflussbar Menschen waren, egal ob magisch oder nichtmagisch, aber in diesem Fall war Hermine froh darüber, dass die – wenn auch vollkommen übertriebenen – Artikel von Kimmkorn dazu führten, dass Draco vielleicht wieder ein ganz normales Leben führen konnte.
Er hatte sie in das gleiche Restaurant ausgeführt, in dem sie schon einmal zusammen gewesen waren, nur, dass sie dieses Mal zwischen den anderen Gästen saßen.
Hermine war das ziemlich unangenehm, kam sie sich doch absolut underdressed vor für so eine teure, gehobene Lokalität, außerdem fühlte sie sich unwohl dabei, dass Draco wieder für sie zahlen musste, hatte sie doch mit normalen Preisen wie im Tropfenden Kessel gerechnet und nicht einmal ansatzweise genug Geld dabei.
Er bestellte sich lediglich eine Suppe und aß so verschwindend gering davon, dass Hermine anfing, sich ein wenig Sorgen zu machen. Seit ihrem Streit hatte er seine Essensportionen, die ja immer noch viel zu gering gewesen waren, noch mehr verringert.
Er war still, distanziert, und sie versuchte, so normal wie möglich mit ihm zu reden, was tatsächlich von Erfolg gekrönt war.
Er wurde etwas redefreudiger, auch wenn er die meiste Zeit ihrem Blick auswich.
Er erzählte, dass er tatsächlich vorhatte, sich mit Kimmkorn zwecks eines Interviews zu treffen. Außerdem erfuhr sie, dass sie wohl gemeinsam zu einem Gespräch bei Thornbusch gebeten wurden. Außerdem, und das war das, was Hermine am meisten interessierte, hatte er wohl noch eine Einladung ins Ministerium bekommen, und er vermutete, dass es tatsächlich sein könnte, dass seine Bewährungsstrafe noch einmal diskutiert wurde.
Als er irgendwann begann, unruhig seine Schultern kreisen zu lassen und unauffällig seine Unterarme zu massieren, wusste Hermine, dass es Zeit für seinen Trank wurde, und sie machten sich auf in sein Haus.
Als Hermine abends im Bett lag, dachte sie daran, dass er zwar nach wie vor distanziert, aber nicht unfreundlich zu ihr gewesen war.
Sie war sich also in Bezug auf zwei Dinge komplett sicher:
Erstens lag ihm tatsächlich etwas an einer Freundschaft mit ihr, sonst würde er nicht weiterhin den Kontakt zu ihr halten und freundlich zu ihr sein.
Und zweitens war ihre Beziehung tatsächlich nur freundschaflticher Natur, war sie sich doch sicher, dass jemand, der mehr für die andere Person empfand, nicht so distanziert und kühl ihr gegenüber auftreten konnte, wie er es tat.
Sie musste sich nämlich eingestehen, dass es ihr selbst unfassbar schwer fiel, weiterhin unbefangen mit ihm umzugehen, jetzt, da ihr bewusst geworden war, dass sie etwas für ihn empfand.
Und daher wurde sie sich immer sicherer, dass eine räumliche Distanz zu ihm die einzig richtige Lösung war, daher war sie beinahe froh, dass der erste Dezember immer näher rückte.


Ein paar Tage gingen ins Land, in denen ihr Alltag nur durch den Termin bei Thornbusch unterbrochen wurde, die tatsächlich Dracos Fortschritte lobte und Hermine mitteilte, dass ihr Vertrag vermutlich zum Ende des Jahres auslaufen können würde.
Außerdem erwähnte die Heilerin, dass das Ministerium ihr mitgeteilt hatte, dass grundsätzlich über den Zwang der Therapie noch einmal diskutiert werden sollte und Hermine nahm an, dass dies mit ein Punkt war, der in Bezug auf die Bewährungsstrafe gesprochen wurde.
Hermine für ihren Teil machte sich Sorgen um Draco. Er war zeitweise so still und in sich gekehrt, wie sie ihn zu Beginn ihres Aufeinandertreffens kennen gelernt hatte, und sie fragte sich, was ihn wohl bedrückte. Allerdings erwähnte sie nichts davon der Heilerin gegenüber, wollte sie ihm doch keine Steine in den Weg legen.
Der November neigte sich dem Ende zu und als Hermine eines morgens erwachte, erwartete sie eine Überraschung: Es hatte über Nacht geschneit.
Sie sah bereits vom Fenster aus, dass es keine dicke Schneeschicht war und sie vermutete, dass in den nächsten Tagen nicht mit weiterem Schnee zu rechnen war, auch war sie sich nicht sicher, wie schnell das schöne Weiß wegtauen würde, daher zog sie sich schnell dick an, schlüpfte in eine warme Jacke und steckte ihre Handschuhe in die Jackentaschen, ehe sie aus ihrem Zimmer stürmte – und fast mit Draco zusamenstieß.
Er war wie jeden morgen mit Sam laufen gewesen und musste jetzt gerade unter der Dusche gewesen sein, das erkannte sie an seinem feuchten Haar, außerdem schlug ihr eindeutig der angenehme Geruch von Shampoo entgegen.
„Draco! Es hat geschneit!“, informierte sie ihn.
„Ja, ich weiß“, sagte er und schien verwundert über ihre Aufregung.
„Ich gehe kurz in den Garten, ja? Kommst du mit?“
„Wollen wir nicht erst frühstücken?“
„Ach komm, nur kurz. Oder frühstücke du schon mal, ich gehe einen Moment raus.“
„Du meine Güte! Du freust dich ja mehr über den Schnee als Sam, und der ist eben wie ein Welpe herumgetollt, als ich mit ihm draußen war.“
Hermine stockte überrascht. Sie konnte nicht anders, als Draco einen Moment anzustarren. Das erste Mal seit ihrem Streit wirkte er nicht in sich gekehrt oder bekümmert, auch nicht ernst oder kühl, sondern ehrlich amüsiert.
Und einen Moment lang verlor sie sich in seinen Augen, die zu funkeln schienen.
„Alles ok?“
„Ja. Ich bin dann mal kurz draußen.“ Und mit diesen Worte ließ sie ihn stehen.
Sie spürte seinen Blick im Rücken, während sie zur Treppe ging.
Hermine atmete tief ein, als sie durch die Terrassentür schritt. Die kühle Luft benebelte regelrecht ihre Sinne. Sie fand, es gab nichts Schöneres als einen Aufenthalt im Schnee, und sich danach fröstelnd und mit roten Wangen vor einem Kamin wieder aufzuwärmen.
Sie war gerade erst ein Stück in den Garten gegangen, als sie Schritte hinter sich hörte.
Als sie sich umdrehte, sah sie, dass Draco ihr folgte. Er hatte sich ebenfalls eine dickere Jacke angezogen und schlenderte ihr hinterher. Sam kam zur Tür herausgestürmt und tobte im Schnee.
„Schön, nicht?“, fragte Hermine und besah sich die Landschaft, die von einer dünnen weißen Decke bedeckt war.
„Mhm.“
„Weißt du was? Ich baue einen Schneemann.“
„Was?“
„Ich baue einen Schneemann. Ohne Magie. Ganz nach Muggelart.“
Sie sah ihn nicht an, hörte ihn aber leise lachen.
„Lach nicht. Das macht Spaß.“
„Es liegt doch gar nicht genug Schnee.“
„Ach, dann wird es eben ein kleiner Schneemann“, winkte sie ab und bückte sich, um die erste Kugel zu rollen.

Happiness does not wait (Dramione Story) Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt