Die Gala

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Hermine war sterbensmüde.
Sie hatte so gut wie kein Auge mehr zugetan nach ihrem merkwürdigen Zusammentreffen mit Malfoy auf dem Flur.
Das einzige, was an diesem Samstag ihre Lebensgeister weckte, war tatsächlich Tiffany.
„Hast du eigentlich schon mitbekommen, dass unsere Chefs eine neue Teilzeitkraft suchen?“
„Wie bitte?“
Hermine, die gerade ein Buch als Geschenk verpackt und einer älteren Hexe in die Hand gedrückt hatte, wobei sie immer wieder ein Gähnen unterdrücken musste, starrte ihre Kollegin an.
„Ja, ich habe gleich an dich gedacht. Wollte aber nichts Falsches sagen, als ich es gehört habe, sondern erstmal mir dir sprechen. Du suchst doch noch, oder?“
„Ja! Merlin! Tiff, das wäre großartig! Teilzeit, sagtest du?“
Tiffany nickte.
„Wow, danke, dass du mir bescheid sagst. Ich werde den Chefs heute gleich eine Eule schicken.“
An diesem Arbeitstag hatten die beiden relativ viel zu tun. Bald war November, und Hermine hatte den Verdacht, dass einige begannen, schon ihre Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Hermine war froh über die Kunden, lenkten sie sie doch von dieser merkwürdigen nächtlichen Begegnung auf dem Flur ab.
Erst kurz vor Ladenschluss kehrte wieder Ruhe ein.
„Gehst du nächstes Wochenende eigentlich zu dieser Gala?“
„Hm?“
„Die Gala, von der fast täglich im Propheten berichtet wird. Du hast doch bestimmt eine Einladung bekommen, Kriegsheldin.“
„Ja, habe ich. Aber ich werde nicht hingehen.“
„Merlin! Alles war Rang und Namen hat, wird dort sein, und du gehst schon wieder nicht hin? Warum?“
„Ich hasse diese Veranstaltungen. Man wird begafft und-“
„Aber dein Freund Harry Potter geht immer hin!“
„Ja, und er mag es auch nicht, aber er in seiner Position hat gar keine andere Wahl, als hinzugehen. Er beneidet mich immer, dass ich wegbleiben kann.“
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle.“ Tiffany tippte sich an die Stirn. „Ich würde sonstwas dafür geben, mal auf so einer Gala zu sein. Deine Eintrittskarte ist vermutlich nicht auf andere übertragbar?“
„Tut mir leid, Tiff, nein, ich würde sie dir sonst gerne geben.“
„Malfoy Senior wird ja wohl wieder was spenden, habe ich gelesen. Dass der sich überhaupt auf solche Veranstaltungen traut! Da versucht doch bestimmt jeder, ihm Gold aus der Tasche zu ziehen. Und, naja, so in der Öffentlichkeit kann er ja nicht nein sagen. Da wird ihm vor Ort bestimmt noch das eine oder andere aus den Rippen geleiert. Ich bin so gespannt auf die Bilder der ganzen Hexen, die dann nachher im Propheten zu sehen sein werden, sie tragen immer alle so hinreißende Kleider! Bei der letzten Veranstaltung war ja besonders das Kleid von-“
„Was hast du eben gesagt?“
„Wie bitte? Ich sagte, die Kleider der Hexen-“
„Nein, das über Lucius Malfoy.“
„Äh... dass er was spenden will und ihm bei solchen Veranstaltungen alles aus den Rippen geleiert werden kann, weil er in der Öffentlichkeit nicht nein sagen kann?“
„Tiffany, du bist genial!“ Hermine strahlte.
„Ok...“, sagte Tiffany langsam und sah Hermine skeptisch an.
„Tiff, du musst mir einen riesengroßen Gefallen tun! Ich muss nächsten Samstag fünfzehn Minuten früher von der Arbeit los, ja?“
„Oh, Hermine, ich wollte dich eigentlich fragen-“
„Bitte, Tiff! Ich brauche mehr Zeit! Ich werde doch zu der Gala gehen!“
Tiffany starrte sie an
„Hermine! Ich lasse dich nicht fünfzehn Minuten früher gehen! Unter diesen Umständen lasse ich dich mindestens eine halbe Stunde eher gehen!“


Als Hermine den Laden abschloss, hatte sie wieder einmal das merkwürdige Gefühl, beobachtet zu werden. Sie sah sich dieses Mal besonders aufmerksam um, konnte aber einfach nichts Verdächtiges ausmachen.
Allerdings musste sie immer wieder darüber nachdenken, dass dieser seltsame Ministeriumsmitarbeiter nicht wieder aufgetaucht war. Sie machte sich eine gedankliche Notiz, Harry zu bitten, mal im Ministerium nachzuhaken, wer sie da angesprochen hatte und ob man sie vielleicht sogar beschatten ließ. Harry hatte gute Kontakte zum Ministerium und sie wusste, dass es keiner wagen würde, ihm Dinge vorzuenthalten, wenn er konkret danach fragte.
Als sie in Malfoys Haus ankam, war dieser nicht da, ebenso war von Sam keine Spur zu sehen, und sie nahm an, dass die beiden unterwegs waren.
Das kam ihr nur entgegen, hatte sie so noch ein wenig Galgenfrist, bis sie ihm wieder in die Augen sehen musste – davor graute es ihr tatsächlich – und außerdem konnte sie sich ohne eine Ausrede schnell auf ihr Zimmer zurückziehen.
Dort angekommen schnappte sie ihre Handtasche.
Das meiste ihrer Kleidung hatte mittlerweile den Weg in den Schrank gefunden, aber gewisse Dinge waren immer noch in der Tasche.
Mit einem raschen „Accio“ holte sie ein bestimmtes Kleid hervor.
Damals, kurz nach dem Krieg, waren sie, Harry und Ron mit Einladungen nur so überhäuft worden. Natürlich hatte sie kein Kleid doppelt tragen können. Sie war damals ständig mit Ginny unterwegs gewesen, um Kleider zu kaufen. Nun gab es aber dieses eine Kleid – sie hatte es für eine Gala gekauft, zu der sie dann doch nicht gegangen war, weil ihr das ganze einfach zum Halse heraushing. Sie hatte es also noch nie getragen und es hing sogar noch das Preisschild daran.
Vorsichtig nahm sie die Schutzfolie ab und legte das Kleid auf ihr Bett.
„Perfekt“, murmelte sie, ehe sie es in den Schrank hing.


Happiness does not wait (Dramione Story) Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt