Irmel und die anderen

290 19 9
                                        

Sie wusste sofort, dass es sein Haus war.
Im Vergleich zum Manor war es klein – aber das hieß natürlich, dass es trotzdem riesig war.
Der Garten, von dem sie kaum etwas wahrnahm, da Malfoy bereits die wenigen Schritte zur Haustür überwand und sie ihm rasch folgte, ähnelte eher einer gepflegten Parkanlage.
Die Eingangstür war imposant und groß.
Sie beobachtete, wie Malfoy seine Hand auf den Türknauf – einen Drachenkopf – legte und leise ein Passwort murmelte, und sofort schwang die Tür auf.
Zögernd folgte sie ihm.
Die Tür fiel hinter ihr von alleine wieder ins Schloss und Hermine fand sich in einer großen Eingangshalle wieder.
Es sah vollkommen anders aus als im Manor.
Nicht so modern wie bei Benjamin oder anderen Hexen und Zauberern, die sich immer mehr an den Muggelwelt orientierten, was Einrichtung und teilweise sogar Kleidungsstil anging, aber trotzdem sehr hell und irgendwie... freundlich.
Trotzdem fiel ihr natürlich auf, dass hier nur das Teuerste vom Teuersten gekauft worden war.
Unwillkürlich drängte sich ihr der Gedanke auf, ob er vielleicht tatsächlich nicht alleine wohnte und eine Frau für die Einrichtung verantwortlich war – fast traute sie dem immer ernsten, manchmal fast melancholisch wirkenden Draco Malfoy eine so freundliche Einrichtung nicht zu.
„Irmel!“
Sie zuckte zusammen und fühlte sich fast in ihrem Gedankengang bestätigt, obwohl ihr der Name, den er gerufen hatte, eher unpassend vorgekommen war, falls es tatsächlich seine Freundin oder Verlobte oder Merlin weiß was sein sollte. Andererseits war Draco ja auch nicht gerade ein weit verbreiteter, gewöhnlicher Name.
Als aber ein leises „Plopp“ ertönte, begriff Hermine sofort, wen Malfoy gerufen hatte.
Die Hauselfe trug ein überraschend hübsches Kleid und eine Kette aus bunten Holzperlen. Hermine, die sich über die Jahre intensiv mit Elfen beschäftigt hatte, fiel sofort auf, dass sie schon etwas älter sein musste. Sie hatte große, dunkelbraune und ziemlich kluge Augen.
„Master Draco! Wie schön, dass Sie Irmel rufen, Sir!“
Die Elfe deutete einen Knicks an und strahlte Malfoy überraschend ehrlich entgegen.
„Irmel, wir haben Besuch. Sei so gut, sag den anderen Bescheid und bereitet dann Tee vor, ja? Ihr findet uns im Kaminzimmer.“
Bei dem Wort „Besuch“ waren die Augen der Elfe noch größer geworden, fast so, als sei es recht ungewöhnlich, dass hier Besuch empfangen wurde.
Noch während Malfoy sprach, hatte der Blick der Elfe Hermine erfasst.
„Miss Hermine Granger!“, quiekte die Hauselfe aufgeregt. „Dass Irmel das erleben darf!“
Mit schlackernden Ohren kam sie auf Hermine zugetrippelt.
Dann versank sie in einen tiefen Knicks, wobei sie den Kopf senkte und ihre Nasenspitze fast den Boden berührte. Als sie sich wieder erhob, sah sie mit leuchtenden Augen zu Hermine auf.
„Was für eine Ehre! Irmel weiß alles über die Bemühungen der Miss, etwas für die Hauselfen zu verändern, oh ja! Und Irmel weiß auch, was die Miss alles erreicht hat zusammen mit Harry Potter und den anderen, die sich gegen den, dessen Name nicht genannt werden darf aufgelehnt haben. Miss Hermine Granger ist ein ganz wundervoller Mensch!“
Hermine warf einen raschen Blick auf Malfoy.
Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte – vielleicht, dass er wütend wurde über die Worte der Hauselfe, aber überraschenderweise sah sie kurz tatsächlich seine Mundwinkel zucken.
Hermine kniete sich auf den Boden, um auf Augenhöhe mit Irmel zu sein.
„Das ist ganz lieb von dir, Irmel. Ich freue mich, dich kennen zu lernen.“
„Irmel kennen zu lernen!“, quiekte die Elfe und Hermine sah Tränen in ihren Augen. „Es freut Irmel, die Miss kennen zu lernen! Eine so große Ehre ist das!“
„Irmel“, meldete sich Malfoy zu Wort. „Unser Gast benötigt etwas Ruhe. Kümmere dich um den Tee. Miss Granger hatte einen harten Tag.“
„Sofort, Master Draco, natürlich!“ Irmel tätschelte Hermines Hand. „Irmel macht einen Beruhigungstee für die Miss. Miss Granger soll es gut gehen!“
Hermine konnte einfach nicht anders, sie musste kurz lachen.
Irmel war einfach zu putzig.
Sie schmunzelte immer noch, als Irmel mit einem leisen „Plopp“ verschwand.
Hermine erhob sich wieder vom Boden und stellte überrascht fest, dass auch Malfoy leicht lächelte.
Er zuckte fast entschuldigend mit den Schultern und murmelte leise etwas, das nach „riesengroßer Fan“ klang, und wieder musste Hermine lachen.
Und plötzlich war sie unfassbar froh, mit ihm mitgegangen zu sein.

Happiness does not wait (Dramione Story) Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt