Als Hermine am nächsten Tag von ihrem Praktikum nach Hause kam – etwas durchgefroren, der Herbst kündigte sich immer mehr an - erwartete sie eine Überraschung.
Benjamin hatte gekocht, was an sich nicht ungewöhnlich war. Allerdings hatte er etliche Kerzen in der Küche angezündet und auf dem Tisch standen ein frischer Strauß Blumen und ein edler Wein.
„Oh, was ist denn hier passiert?“, strahlte Hermine.
„Einfach eine Überraschung für die schönste Frau der Welt“, flüsterte Benjamin ihr ins Ohr, als er sie in den Arm nahm.
Hermine lächelte und schmiegte sich an ihren Freund.
Mister Perfekt... Malfoy hatte es ironisch gemeint, aber eigentlich hatte er Recht, dachte sie.
Im Prinzip mochte Hermine Alkohol nicht so gerne und eigentlich fand sie auch keinen großen Gefallen an Blumensträußen – sie liebte es mehr, wenn Blumen in einem Garten blühten als langsam in einer Vase zu verwelken – und sie war sich sicher, dies Benjamin gegenüber auch schon erwähnt zu haben, aber die Geste zählte. Er hatte sich solche Mühe gegeben, und das erwärmte ihr Herz.
Sie aßen zusammen, redeten, lachten, und Hermine trank zumindest ein Glas Wein, um Benjamins Aufwand zu würdigen.
Und Merlin, ihr fiel seit Längerem wieder auf, wie gutaussehend er war!
Nachdem sie mit einem Zauber abgeräumt und abgewaschen hatten, zog Benjamin sie erneut in seine Arme und küsste sie.
Schnell wurde er leidenschaftlicher, und Hermine ließ sich bereitwillig ins Schlafzimmer bugsieren.
Neben dem Bett kamen sie zum Stehen, und Benjamins Hände wanderten unter ihr Oberteil.
Hermine versuchte, sich auf seine Berührungen zu konzentrieren, aber merkwürdigerweise schweiften ihre Gedanken zu Malfoy. Sie fragte sich, was er wohl gerade tat, und erst da fiel ihr auf, dass sie eigentlich so gut wie nichts über ihn wusste.
Sie wusste nicht, wo er lebte, ob er immer noch im Manor bei seinen Eltern wohnte oder ein eigenes Haus hatte. Und wenn ja, ob er dort alleine lebte. Warum hatte sie ihn das eigentlich nicht gefragt?
Und wie er sich wohl fühlen musste in einer Gesellschaft, die ihn komplett ablehnte?
Offensichtlich ging es ihm nicht gut damit. Und mit einigen anderen Dingen auch nicht. Und sie hatte nur über belanglose Dinge mit ihm geredet! Hatte sich nicht einmal dafür bedankt, dass er sie zum Essen eingeladen hatte!
Eigentlich, dachte sie, müsste es sie freuen, dass es dem jungen Mann, der sie jahrelang schikaniert hatte, nicht gut ging, oder es müsste ihr zumindest gleichgültig sein. Aber irgendetwas an ihm berührte sie merkwürdig, hatte sie schon in ihrem Wiederholungsjahr berührt. Und wenn sie ganz ehrlich war, schon in den Jahren davor. So gemein er auch häufig zu ihr gewesen war, in dem Jahr, als Dumbledore starb, sah er häufig so alleine und verloren aus und-
„Hermine?“
„Hm?“
„Ist alles ok?“
Erst jetzt bemerkte sie, dass Benjamin sein Tun komplett eingestellt hatte.
„Ja, alles bestens, warum?“
Benjamin löste sich von ihr.
„Lass uns... lass uns schlafen, ok?“
Hermine stockte.
„Ben, was ist los?“
Sie hörte ihn seufzen.
„Nichts, alles ist gut. Ich merke nur, dass du nicht in der Stimmung bist. Weißt du was? Leg dich einfach schon mal schlafen, ich lege mich noch etwas aufs Sofa und lese.“
Hermine wollte protestieren, aber da war Benjamin auch schon aus dem Schlafzimmer verschwunden.
Sie schämte sich, mal wieder so abgelenkt gewesen zu sein.
Leise zog sie sich um, putzte ihre Zähne und krabbelte mit einem unguten Gefühl im Bauch ins Bett.
Hermine stand am nächsten Morgen pünktlich auf – und spürte sofort, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.
In der Küche wartete Benjamin auf sie, und ihr wurde klar, dass er die Nacht erneut auf dem Sofa verbracht haben musste.
Er stand an die Küchenzeile gelehnt da, stumm, und nicht wie üblich mit einer Tasse Kaffee in der Hand, sondern mit verschränkten Armen.
„Guten Morgen“, sagte sie zögernd.
„Guten Morgen. Hermine, ich würde gerne mit dir reden.“
„Ok“, sagte sie langsam und glitt auf einen Stuhl.
Warum hämmerte ihr Herz wie verrückt in der Brust?
„Hermine, ich war gestern noch lange wach und mir ist etwas klar geworden. Es kann mit uns so nicht weitergehen. Ich... es fällt mir nicht leicht, das zu sagen, aber ich benötige ein wenig Abstand.“
„Was? Willst du... willst du die Trennung?“
Hermine hörte selbst, dass sie fast atemlos klang.
„Ich... nein... ich weiß nicht. Vielleicht ist es das Beste, ja. Genau werden wir das wissen, wenn wir ein wenig Abstand zueinander haben.“
„Das heißt, du wirfst mich raus?“
„Merlin! Nein! Hermine, sieh mal, ich kann vorerst auf dem Sofa schlafen, oder ich ziehe für ein paar Wochen zu meinen Eltern, bis wir uns über alles klar geworden sind. Ich überlasse die Wohnung dir, so lange es nötig ist.“
Es war seine Wohnung, und plötzlich hasste sie es, dass er sich so anständig benahm und ihr weiter Obdach gewährte, obwohl er sich trennen wollte. In diesem Moment wünschte sie sich, er würde sich wie ein Arschloch verhalten, dann könnte sie ihn wenigstens anschreien.
„Ich... nein, ich finde eine Lösung“, flüsterte sie. Dann, wieder etwas lauter: „Was ist der Grund?“
Benjamin seufzte und fuhr sich kurz mit der Hand über die Augen.
„Es ist nicht so einfach in Worte zu fassen.“
„Liegt es daran, dass du gestern das Gefühl hattest, ich würde nicht mit dir schlafen wollen?“
Erneut seufzte er.
„Hermine...“
„Beantworte die Frage!“
„In gewisser Weise ja. Hermine, wir sind noch nicht wirklich lange zusammen, und die Leidenschaft ist komplett weg, insofern sie überhaupt jemals existiert hat.“
„Es gibt ja wohl wichtigere Dinge in einer Beziehung als Sex!“
Der Satz war ihr einfach zu herausgerutscht und dann spürte sie sie – die dummen, albernen Tränen, die kamen und ihre Sicht trübten.
„Sicher. Aber es ist auch ein wichtiger Faktor. Und weißt du, ich habe wirklich viel versucht, wollte es irgendwie hinkriegen, dass du mich attraktiver findest, denn, bei Merlin, ich finde dich verflucht attraktiv, Hermine! Aber du-“
„Ich finde dich attraktiv, Ben! Nur ein Vollidiot würde nicht sehen, dass du attraktiv bist!“
„Hermine, darum geht es nicht. So, wie du es sagst, klingt es total verkopft. Es tut mir weh, dass du scheinbar nicht mit dem Herzen dabei bist.“
Nach diesem Satz war es einen Moment still in der Küche.
„Lass uns heute Abend darüber reden, was jetzt die klügste Lösung ist. Es tut mir leid, Hermine, wirklich. Du bedeutest mir sehr viel.“
Mit diesen Worten ließ er sie sitzen und machte sich auf den Weg zur Arbeit.
Hermine blinzelte und die Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten, kullerten ihr über die Wangen.
In diesem Moment wusste sie nur, dass sie heute Abend nicht mehr in diese Wohnung zurückkehren wollte.
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Happiness does not wait (Dramione Story)
FanfictionKurzbeschreibung:Obwohl Hermine sich völlig auf ihren Abschluss konzentriert, den sie nach dem Krieg nachholt, entgeht ihr nicht, dass merkwürdige Dinge rund um einen gewissen Slytherin passieren. Ziemlich schnell ist sie sich sicher, dass er Hilfe...
