Hermines erste Arbeitswoche begann und es war nicht ganz so schlimm, wie sie es sich vorgestellt hatte.
Sie kam früher nach Hause als aus dem St Mungos, und die Arbeit war bei Weitem auch nicht so anstrengend.
Und ja, wenn sie Feierabend hatte, apparierte sie danach tatsächlich nach Hause. Irgendwann, ganz schleichend, hatte sie begonnen, Dracos Haus als ihr Zuhause anzusehen.
Keiner von ihnen hatte es noch einmal angesprochen, dass sie ausziehen könnte.
Sie war glücklich. Jeden Tag stellte sie dies aufs Neue fest.
Aber es machte ihr auch ein wenig Angst.
Aus irgendeinem Grund hatten Dracos Worte bezüglich ihres Jobs sie sehr zum Nachdenken gebracht.
Schon zum zweiten Mal zog sie einfach so bei einem Mann ein. Sie hatte nichts vorzuweisen. Keine Ausbildung, gar nichts. Sie jobbte als Halbtagskraft in einem Buchladen.
Nein, er hatte Recht. Das war nicht sie.
Natürlich wollte sie nicht wieder ausziehen.
Aber Draco hatte Recht – sie hatte eine großartige Schulausbildung, ein absolut vorzeigewürdiges Zeugnis und etliche Talente. Sie sollte mehr aus sich, mehr aus ihrem Leben machen.
Leise hatte sich eine Idee in ihrem Kopf gebildet, aber noch fühlte sich diese noch nicht ganz ausgereift an.
Vielleicht musste diese Idee erst heranreifen. Und vermutlich war dabei etwas im Weg.
Hermine hatte auch eine Ahnung, was.
Diese merkwürdige Distanz, die immer noch zwischen ihr und Draco herrschte, brachte sie fast um den Verstand. Einerseits musste sie sich eingestehen, dass sie ihn körperlich vermisste – bisher hielt er sich weiterhin merkwürdig ihr gegenüber zurück, was sie stutzig machte, hatte sie bei ihrer gemeinsamen Nacht doch stark das Gefühl gehabt, dass er die körperliche Nähe sehr eingefordert hatte – und andererseits hatte sie nach wie vor das Gefühl, dass er ihr Dinge verschwieg und sich ihr nicht völlig öffnete.
Dieser Gedanke beschäftigte sie sehr, und als sie eines abends in ihrem Schlafshirt aus dem Bad kam und Draco dabei beobachtete, wie er aus seinen Schuhen und Socken schlüpfte, wusste sie, es gab Dinge, die sie wissen musste und ansprechen wollte.
Sie ging langsam auf ihn zu und er guckte überrascht, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und seinen Kopf zu sich zog. Allerdings überwand er seine Überraschung schnell und erwiderte ihren Kuss nur allzu gerne.
Seine Hände schoben sich unter ihr T-Shirt, und die Berührung auf ihrer nackten Haut jagte ihr wohlige Schauer über den Rücken.
Vorsichtig griff sie den Saum seines Langarmshirts und zog es leicht nach oben.
Die Reaktion kam sofort. Sie spürte, wie er sich versteifte, und fast augenblicklich löste er sich von ihr. Als sie ihn fragend ansah, lächelte er und schob sie sanft Richtung Bett und sie setzte sich.
Dann wandte er sich, wie jeden Abend, zu seiner Nachttischlampe.
„Warte.“ Sie hatte es leise gesagt, beinahe geflüstert.
Er hielt tatsächlich sofort in der Bewegung inne.
„Warum machst du das Licht aus?“
„Weil wir schlafen wollen?“, sagte er verständnislos und mit einem leichten, fast spöttischen Lächeln.
„Es wirkte grad nicht so, als ob du schlafen möchtest“, sagte Hermine, die ihren Mut zusammen genommen hatte. „Und eigentlich bin ich auch nicht müde.“
Er lächelte wieder auf diese leicht spöttische Art.
„Naja, für andere Dinge brauchen wir ja auch nicht zwingend Licht, oder?“
„Aber es wäre doch auch nicht schlimm, wenn es an wäre, oder?“
Er zögerte.
„Nein, wäre es nicht.“
„Dann lass es doch einfach an.“
„Hermine, ist das nicht gerade ein bisschen albern? Ich werde das Licht jetzt ausmachen.“
„Nein.“
„Wie, nein?“ Er sah sie perplex an, aber sie bemerkte, dass er auch ein wenig ärgerlich wurde.
„Draco, warum ziehst du dich nicht im Hellen vor mir aus?“
„Was?“
„Du hast mich schon verstanden.“ Ihr Herz schlug schneller. Sie spürte deutlich, dass sie sich auf dünnes Eis begab.
„Das ist doch lächerlich.“
„Ist es nicht. Ich habe dich noch nie richtig gesehen, Draco.“
„Das stimmt nicht. Du hast mich gesehen an dem Abend, als-“
„Das zählt nicht wirklich, findest du nicht?“
Sie sah, wie er fest den Kiefer zusammen presste.
„Ich weiß gerade echt nicht, was der Scheiß soll. Willst du mir irgendetwas unterstellen?“
„Nein, ich möchte dich verstehen.“
„Worauf willst du hinaus?“
„Ich habe meine Frage gestellt: Warum zeigst du mir deinen Körper nicht?“
„Das ist doch lächerlich“, schnaubte er.
„Dann tu es.“
„Was?“
„Zieh dich aus. Jetzt. Und das Licht bleibt an.“
Sie sah deutlich, dass sie eine Grenze überschritten hatte.
Seine Körperhaltung veränderte sich, wurde merkwürdig steif. Sein Gesichtsausdruck ähnelte einer kühlen Maske.
„Meinetwegen, wenn du darauf bestehst“, knurrte er und sah sie so verärgert an, dass es ihr durch und durch ging.
Sie wartete.
Er starrte sie weiter an, rührte sich aber nicht.
Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell.
Und plötzlich tat sein Anblick ihr im Herzen weh.
Sie stand auf und ging zu ihm.
„Tut mir leid“, sagte sie. „Ich möchte dich nur verstehen.“
Sie machte einen weiteren Schritt auf ihn zu, bemerkte aber, wie er sich noch mehr versteifte und sogar einen halben Schritt rückwärts machte.
„Draco, bitte verschließ dich jetzt nicht“, sagte sie leise. „Rede mit mir. Ist es wegen der Narben? Sind sie dir unangenehm?“
„Nein.“
„Sie entstellen dich nicht, falls du das denkst.“
„Das denke ich nicht.“
„Was ist dann das Problem?“
Schweigen.
„Warum verschließt du dich so? Draco-“
„Ich denke, das Gespräch ist hier beendet“, sagte er kalt.
„Das ist es ganz bestimmt nicht! Draco, ist es dir ernst mit uns?“
Er sah sie fest an, immer noch atmete er schnell.
„Ja“, sagte er.
„Dann möchte ich, dass du mit mir sprichst. Was ist dein Problem?“
„Ich habe keine Probleme.“
„Draco!“
„Es ist doch alles gut zwischen uns, oder? Warum machst du das jetzt kaputt?“
„Ich mache nichts kaputt! Aber ich ertrage es nicht, wie du dich verschließt!“
„Ach, du erträgst es nicht? Willst du gehen, weil es so schwer zu ertragen ist?“
„Was? Nein!“
Sie starrte ihn einen Moment fassungslos an.
„Möchtest du etwa, dass ich gehe?“, fragte sie dann.
Sie sah an der Bewegung seines Kehlkopfes, dass er schwer schluckte und einen Moment hatte sie Angst vor der Antwort.
„Nein“, sagte er dann.
„Dann bitte – rede mit mir!“
„Was ist gerade dein scheiß Problem, kannst du mir das erklären?“
„Ich habe es dir schon erklärt! Ich möchte wissen, warum du dich vor mir versteckst!“
„Das tue ich nicht.“
„Verdammt noch mal, Draco-“
„Scheiße, was willst du hören?“
„Die Wahrheit!“
„Die Wahrheit?“, fragte er, und er wurde deutlich lauter. „Welche verfluchte Wahrheit willst du hören? Du willst wissen, was ich verstecke und warum?“
Mit einem Ruck zog er den linken Ärmel seines Langarmshirts hoch.
Sie konnte nicht verhindern, dass sie schockiert auf das Mal starrte.
„Ist es das, was du unbedingt sehen wolltest? Bist du jetzt zufrieden? Ändert das jetzt was? Macht es irgendwas besser? Meinst du, ich sehe nicht, wie du mich jetzt ansiehst?“
„Draco, ich... Es spielt keine Rolle“, sagte sie leise. „Es ist nur ein Zeichen, welches keine Bedeutung mehr hat.“
„Ach, ist es das, ja? Erzähl mir keinen Scheiß, ehrlich. Ich kenne dich mittlerweile zu gut, glaub mir.“
Und ja, er hatte Recht. Sie spürte Entsetzen, das ihr die Kehle zuzudrücken schien, wenn sie das Dunkle Mal sah.
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Happiness does not wait (Dramione Story)
FanfictionKurzbeschreibung:Obwohl Hermine sich völlig auf ihren Abschluss konzentriert, den sie nach dem Krieg nachholt, entgeht ihr nicht, dass merkwürdige Dinge rund um einen gewissen Slytherin passieren. Ziemlich schnell ist sie sich sicher, dass er Hilfe...
