Ein Arbeitstag mit Überraschungen

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„Du meine Güte, wie spät ist es eigentlich?“
Hermine richtete sich verschreckt auf, denn sie hatte bei einem Blick aus dem Fenster festgestellt, dass es bereits dunkel war.
Sie hatten bereits drei Tassen Tee getrunken – dieses Mal wohl keinen Beruhigungstee, denn Hermine war hellwach – und Malfoy zusätzlich seinen Trank, und sie hatte vollkommen die Zeit aus den Augen verloren.
Anders als am Abend zuvor saß Malfoy nicht in dem Sessel, sondern neben ihr auf dem Sofa, allerdings genau in der anderen Ecke des gemütlichen Mobiliars.
Er hatte irgendwann ein Bein angewinkelt und aufs Sofa gezogen, um sich mehr zu ihr drehen zu können und beim Reden direkter ansehen zu können, trotzdem hätten theoretisch noch zwei Personen zwischen ihnen sitzen können.
Sie hatten über alles mögliche geredet – über Literatur, Musik und sogar über die Schulzeit, wobei sie beide sehr bemüht darum waren, komplett das Thema auszusparen, dass sie – vorsichtig gesagt – nicht gerade den freundlichsten Umgangston miteinander hatten in dieser Zeit. Sie hatten mehr über allgemeine Dinge geredet, hauptsächlich über die Lehrkräfte und darüber, welche Fächer sie bevorzugt hatten.
Und es hatte Spaß gemacht, mit ihm zu reden.
Er konnte lange und ernst schweigen, wenn sie etwas erzählte, ließ sie dabei aber keine Sekunde aus den Augen, so dass sie sicher war, dass sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte.
Gleichzeitig mochte sie es, wenn er redete, denn es wirkte immer so, als wähle er seine Worte mit Bedacht, bevor er sie aussprach, und seine Wortwahl machte deutlich, dass er gebildet war.
Zwischenzeitlich hatte sie darüber nachgedacht, dass sein Gesicht im Schein des Kaminfeuers irgendwie anders aussah als sonst – seine Züge wirkten weicher, fast wie gezeichnet.
Ob er wohl wusste, dass das besondere Grau seiner Augen einem das Gefühl gab, er würde sein Gegenüber durchleuchten, wenn er die Person länger betrachtete? Auch fiel ihr zum ersten Mal auf, dass seine Wimpern viel länger waren, als sie dachte, man bemerkte es nur nicht sofort, da sie verhältnismäßig hell waren.
Nun blickte auch er überrascht zum Fenster.
„Ich weiß es nicht. Wir haben wohl beide nicht auf die Zeit geachtet.“
„Bei Merlin! Ich wollte doch zu Harry oder Ron. Die werden vielleicht gucken, wenn ich so spät auftauche...“
Dies wäre eigentlich der Moment, in dem sie aufstehen sollte.
Sie blieb sitzen und auch Malfoy rührte sich nicht.
„Naja“, fuhr sie, nach einem Moment unangenehmen Schweigens, fort. „Ich werde trotzdem zu einem der beiden apparieren, sie wissen durch meine Briefe ja, dass ich plötzlich vor der Tür stehen könnte.“
„Mhm“, machte Malfoy.
Wieder entstand eine kurze Pause.
„Möchtest du vorher noch etwas essen?“
„Was?“
„Hast du Hunger? Möchtest du noch eine Kleinigkeit essen, bevor du gehst?“
„Ich... ach, Malfoy, ich weiß nicht, das ist mir irgendwie unangenehm-“
Er schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab.
„Ach hör auf, Granger. Das ist kein Problem, ehrlich. Außerdem werden die Elfen sich vor Freude überschlagen, wenn sie dir noch einmal etwas zu essen machen können.“
Er lachte kurz.
Ja, er lachte. Sie hatte ihn noch nie so lachen sehen – offen und irgendwie... herzlich?
Er räusperte sich und fuhr sich mit einer raschen Geste durchs Haar, und erst da bemerkte sie, dass sie ihn angestarrt hatte.
Rasch senkte sie den Blick.
„Malfoy, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist wirklich unfassbar nett von dir. Wenn es dir wirklich nichts ausmacht, bleibe ich gerne noch.“
Sie sah wieder zu ihm auf. Er erwiderte ihren Blick ernst und mit unergründlicher Miene.


„Hast du eigentlich alle deine Sachen in deiner Handtasche?“
„Hm?“
Hermine sah Malfoy fragend an, während sie sich die letzte Gabel des Auflaufs, den die Elfen gemacht hatten, in den Mund schob.
„Hast du alles eingepackt? Oder musst du noch mal in die Wohnung von diesem... Auror?“
„Oh, ähm, nein, ich habe so ziemlich alles eingepackt. Das, was noch da ist, ist ersetzbar. Ich denke also nicht, dass ich noch mal zurück muss.“
Kurz spürte sie ein schlechtes Gewissen in sich aufkeimen, hatte Benjamin sie doch eigentlich darum gebeten, dass sie noch einmal miteinander sprachen.
Sie legte die Gabel auf ihrem Teller ab und lehnte sich zurück.
„Puh, jetzt bin ich aber satt.“
Sie hatte eine ziemlich große Portion vertilgt und nebenbei festgestellt, dass Malfoy zwar immer noch keine angemessene Portion gegessen hatte, aber zumindest etwas mehr als zum Mittagessen.
Unwillkürlich fragte sie sich, ob es ihm vielleicht gut tat, mit jemand anderes zu reden.
Hermine legte ihre Hand von der Mund und unterdrückte ein Gähnen.
Natürlich blieb ihm das nicht verborgen.
„Müde, Granger?“, fragte er amüsiert.
„Ein wenig. Malfoy, danke dir noch mal für alles, wirklich. Aber ich sollte jetzt wirklich los. Jetzt ist es so spät, und egal, ob ich Harry und Ginny oder Ron überfalle, es muss ja noch ein Schlafplatz für mich hergerichtet werden, und je später ich dort auftauche... Naja, du verstehst sicher, was ich meine.“
„Hm.“ Er drehte seine Gabel zwischen den Fingern. Bei jedem anderen hätte die Geste fast etwas Unsicheres, fand Hermine.
„Kann ja nicht jeder so ein bequemes Sofa haben wie du“, ergänzte sie noch scherzhaft, um die Situation, die ihr irgendwie plötzlich angespannt vorkam, aufzulockern.
„Ich habe noch viel gemütlichere Gästezimmer“, sagte er in dem gleichen, scherzhaften Plauderton wie sie. Sein Blick war auf die Gabel gerichtet.
Hermine räusperte sich, da sie nicht ganz sicher war, was sie dazu sagen sollte.
„Weißt du, Granger“, fuhr er fort. „Wenn du deine Freunde um diese Uhrzeit nicht mehr stören möchtest, könnte dir hier auch schnell eins der Zimmer vorbereitet werden.“
Sie starrte ihn an.
Er sah zu ihr auf und legte die Gabel mit einem lauten, klirrenden Geräusch auf seinem Teller ab.
„War eine blöde Idee, vergiss es.“
Er machte Anstalten, sich zu erheben.
„Nein! Nein, das war keine blöde Idee, ich war nur... überrascht.“
Er ließ sich wieder sinken, sah sie aber nicht an.
„Soll ich den Elfen bescheid geben?“
„Ich habe zwar das Gefühl, bis in alle Ewigkeit in deiner Schuld zu stehen, aber ja. Ja, sag ihnen bescheid“, lächelte Hermine.


Happiness does not wait (Dramione Story) Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt