61

389 30 2
                                        

(Aylins Sicht)

Montag: 03.08.2022, 09:18

Ein leises Klopfen ertönt an der Tür. "Darf man reinkommen?", Naomi öffnet vorsichtig die Tür ein Spalt auf und blickt mich an. „Klar" murmele ich und richte mich im Bett auf. Sie betretet mein Zimmer und hält eine Kaffee Tasse in der Hand. "Hier für dich." Sie reicht mir den heißen Kaffee und ich nehme es dankend an. "Wie geht's dir?", fragt sie nach und setzt sich zu mir ins Bett. Ich bin zwar froh, dass ich und Raphael es einigermaßen geklärt haben, aber es verletzt mich trotzdem noch. Die Wahrheit tut eben weh...auch in weichen Kissen. "Es geht. Ich hoffe die Jungs schaffen es mich heute abzulenken", antworte ich ihr und ein leichtes Lächeln schleicht auf meine Lippen. "Was habt ihr geplant?", kichert sie und lehnt sich in mein Bett zurück, während ich ein Schluck von dem süßlichen Kaffee nehme. "John will es mir nicht verraten, aber er ist um 11 hier mit Maxwell", lache ich und merke, wie ihre Wangen bei Maxwells Namen erröten. "Du bist verknallt, oder?" Ich pikse sie in ihre Seite, während sie versucht von mir weg zu rollen. "Nein wir sind nur Freunde", quietscht sie und ich kichere auf. "Ist klar", gebe ich ironisch von mir und stehe vom Bett auf. Mein Blick fällt in den Spiegel und mir fallen meine lange zerzausten harre und die dunklen Augenringe auf. Leise seufze ich und greife nach dem Kamm. "Ich geh dann mal, ich habe noch ein Meeting mit meinen Chef", klärt mich Naomi auf. "Okay, viel Spaß dir", verabschiede ich mich und kriege eine leichte Umarmung. "Dir auch", und schon war sie weg, während ich mich schnell fertig mache, als würde ich mein zersplittertes Herz mit ein Fundament reparieren wollen damit die Jungs meinen Schmerz nicht bemerken. Ich schlürfe mein schon kalten Kaffee leer und gehe in die Küche, um die Tasse in die Spüle zu legen. Plötzlich vibriert mein Handy und ich erkenne eine Nachricht von John. 'Wir machen uns auf den weg Aylo :)', schreibt er und ich grinse, 'Okay, ich komme in 15 Minuten runter.' Nach meiner Nachricht bekomme ich ein Daumen nach oben zurück gesendet. Ich frage mich, was sie wohl diesmal ausgedacht haben.

(Johns Sicht)

Montag: 03.08.2022, 10:58

Mein Blick hängt an der Haustür von Aylin fest, während ich ungeduldig auf sie warte. "Hast du ihr geschrieben, dass wir da sind?", fragt Maxwell und ich nicke. "Schon vor 5 Minuten." Endlich öffnet sich die Haustür und Aylin läuft auf mein Auto zu. "Endlich man", beschwert sich Maxwell, aber lächelt sie warmherzig an, als sie sich auf den Rücksitzt fallen lässt. "Hey Jungs", begrüßt sie uns mit einem Lächeln, dennoch spiegelt sich ein Hauch von Traurigkeit in ihren Augen wider. "Hey Bienchen und bist du schon gespannt?", grinst Maxwell und sieht nach hinten zu ihr, während ich den Motor starte und los fahre. "Total" kichert Aylin und schnallt sich an. Die Trennung von Aylin und Raf ist bereits einen Monat her und es wirkt endlich so, als würde sie es einigermaßen gut verkraften. Wieso ist sie plötzlich wieder so traurig? Fährt es mir durch den Kopf, während ich durch den Rückspiegel zu ihr sehe. "Wohin fahren wir denn?", fragt sie und blickt zu meiner Seite. Maxwell und ich wollten Aylin mal einen schönen Tag bereiten, denn seit dem Raphael sie betrogen hat, ist sie wie ausgewechselt. "Wir fahren nach Potsdam zum...", beginne ich mit dem Reden, doch werde von Maxwell unterbrochen. "Go-Kart fahren", ruft er laut und hebt seine Arme in die Luft. "Joe und Alex sind auch dabei, sie sind bloß ein paar Kilometer weiter gefahren, um Hash Cookies zu kaufen", erzähle ich und ein Lächeln taucht auf ihren Lippen auf. "Danke Jungs." Sie gibt mir und Maxwell ein Klaps auf die Schulter und kichert. "Nicht dafür Aylo."

(Aylins Sicht)

Montag: 03.08.2022, 11:49

Nach einer guten dreiviertel Stunde kommen wir auf dem Go-Kart Gelände an. John parkt den Wagen vor einer großen Halle, während Maxwell nervös zappelt. Als der Wagen zum Stehen kommt, springt Maxwell bereits aus dem Wagen, was mich kichern lässt. "Er kann es nicht erwarten", kommentiert John und steigt mit mir aus. "Er ist eben wie ein kleines Kind", lache ich und laufe auf das Gebäude zu. "Joe und Alex sind schon drinnen, da ist ihr Auto", erklärt uns Maxwell und zeigt auf das schwarze Auto. "Na dann lasst uns rein gehen", fordert John uns auf und wir betreten gemeinsam die Halle. Alex und Joe sitzen mit ihren Helmen auf dem Kopf auf einer Bank und grinsen uns breit an. "Endlich seid ihr da", lacht Alex und schlägt mit Maxwell ein. "Was können wir dafür, dass ihr schon so früh los fährt", lacht John und verteilt die ganzen Helme. "Ihr könnt euch gefasst machen", kichere ich und sehe auf die kleinen Rennwagen. "Ist es eine Drohung?", lacht Maximax und setzt sich den Helm auf. "Eine Tatsache mein lieber", verspreche ich ihm und zwinkere ihm zu. "Das will ich sehen", kommt es grinsend von Joe, welcher in seine Hände klatscht. "Was wird das? Alle gegen Aylin?", witzelt John und ich sehe ihn verdutzt an. "Tja muss schon was bedeuten, wenn ihr euch so angegriffen fühlt", kichere ich wieder und renne auf den Wagen zu. Die Jungs folgen mir und hocken sich in das viel zu kleine Kart. Bei John sieht es schon fast so aus, als würde es gleich in vielen kleinen Teilen zerspringen. Bei diesem Anblick kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Plötzlich erscheint eine kleine Fahne vor uns und zu wedeln beginnt. "Auf die Plätzte! Fertig! Los!", ruft eine weibliche Stimme und ich drücke sofort auf das Gas Pedal. Schnell fahren wir alle los und lenken über die Hindernisse. Immer wieder versuche ich mich auf die Fahrt zu konzentrieren, aber meine Gedanken schweifen zu Raphael und seinen Honigbraunen Augen. Zwar habe ich ihn nichts erklären lassen, aber was soll da den anderes passiert sein? Ich hab doch gesehen wie er eine andere geküsst hat, und ich will keinen zweiten Emir haben. Trotzdem schmerzt es mehr als bei meinem Ex Verlobten. Liegt es daran, dass ich wirklich geglaubt habe er wäre anders? Dass das, was wir hatten, was Besonderes war? Ich seufze und schenke Maxwell wieder meine volle Konzentration, welcher vor mir auf die Ziellinie zufährt. Ich drücke fester aufs Gas und streife mit meinem Wagen gegen seinen, wodurch es sich verlangsamt. Ich nutze die Gelegenheit und fahre als erster über die Ziellinie. "AYLIN!", ertönt es halb lachend und halb kreischend von Maxwell, doch in meinem Kopf spielt sich gerade nur das Gespräch mit Raphael ab, als er schrie und auf den Tisch haute.

(Johns Sicht)

Lachend steigen wir alle aus unseren Karts und ziehen den Helm aus. Meine Kleidung klebt wegen dem Schweiß wie Kaugummi an mir und ich seufze. "Ach Mann! Wegen Aylin bin ich nur zweiter", beschwert sich Maxwell und verschränkt beleidigt seine Hände. "Gönn Aylin den Sieg", lacht Alex und haut auf seine Schulter. Mein Blick fällt auf das einzige Mädchen unter uns, doch sie sieht nicht aus, als hätte sie gerade gegen vier Jungs gewonnen, sondern eher, als hätte man ihr ihren Lollipop gestohlen. "Aylo?", frage ich vorsichtig nach und sie schüttelt den Kopf, als würde sie versuchen ihre Gedanken abzuschütteln. "Ja?", sie richtet den Kopf zu mir und ich sehe wieder die gleiche Trauer in ihrem Blick, wie bereits heute Morgen. "Können wir draußen reden?", ich nicke mit den Kopf zur Tür und sie sieht mich verwirrt an. "Ist was passiert?" "Nein, nein, ich will dich nur etwas fragen", beruhige ich sie schnell und sie nickt. Langsam laufen wir aus der Halle raus und ich versuche schon mal die richtigen Wörter in meinen Kopf zu bilden. "Wieso versteckst du deine Gefühle?", beschließe ich einfach die Frage auszusprechen, welche mir seit Tagen auf der Zunge brennt, und zünde mir eine Zigarette an. "Was?", entgegnet sie schockiert. "Ich verstecke gar nichts", versucht sie zu protestieren und ich seufze. Lange überlege ich wie ich den nächsten Satz formulieren soll, während wir uns verwirrt anblicken. "Aylin... Ich sehe dich...ich sehe, was in dir drinnen geschieht und wie tief du in dem Dreck stehst. Vor mir musst du nichts verstecken, denn du bist wie ein offenes Buch", erkläre ich ihr und sie seufzt. "Ich und Raphael haben entschieden nur noch Freunde zu sein", gesteht sie und lehnt sich gegen die Wand, während ihre Augen sich mit Tränen füllen. "Fuck! Das ist scheiße. Wer weiß es noch?", frage ich sie und stelle mich gegenüber von ihr hin. "Nur du." "Du hast mit keinem geredet? Alles in dich reingefressen?", durchbohre ich sie geschockt und sie nickt. "Du und Mary seit gerade auf Wolke 7. Ich will euch nicht mit meinen Problemen nerven und ihr habt mir schon mit der Trennung geholfen", erzählt sie mir ihre Sorge und ich schüttle den Kopf. "Du wirst nicht ohne Grund unsere Trauzeugin", flüstere ich, während ich sie in meine Arme nehme, um sie aufzuheitern. "Du kannst uns alles erzählen Aylo." Ein schluchzen entfährt ihr, was mich dazu bringt, mit meiner Hand vorsichtig über ihren Rücken zu fahren. "Alles wird gut Kleines, wir sind immer für dich da."

----------------------------

Zwei Fremde (Raf camora FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt