Letztes Kapitel

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(Aylins Sicht)

Donnerstag: 29.09.2022, 17:37

Als die Glocken der Eingangstür erklingen, erhebe ich wie gewohnt meinen Blick von der Kasse, und richte diesen auf den Mann, welcher gerade eben durch die Tür getreten ist. Mein Herz beginnt wie verrückt zu rasen, und ich spüre wie sich eine Mischung aus Wut und Traurigkeit in mir anbahnt. Sofort stelle ich mich aufrecht hin und versuche, so gut wie möglich mich zu sammeln, und auf die Arbeit zu konzentrieren, während sein Anblick mich innerlich zum Erstarren bringt. "Hallo, Aylin", begrüßt Raphael mich leise, als er dem Tresen näher kommt. Vorsichtig betrachte ich ihn von oben bis unten und bemerke seine tiefen Augenringe, die einen dunkle Kontrast zu seinem sonst etwas helleren Gesicht bilden, und ihm einen müden und angespannten Ausdruck verleihen. Er trägt eine schwarze Jeans und ein enges dunkles Shirt, welches seine starken Arme umspielt. Gott wie gerne ich ihn jetzt umarmt hätte. Schnell schüttele ich den Kopf, ich sollte so nicht mehr denken. Kurz räuspere ich mich und schlucke den Kloß in meinem Hals runter. "Hallo, Raphael", erwidere ich knapp und wende meinen Blick wieder auf meine Tasse Kaffee. "Kann ich kurz mit dir reden? Es ist wichtig", bittet er mich mit seiner rauen Stimme, und ein Schauer läuft über meinen Rücken. Ich atme tief durch und versuche, ruhig zu bleiben, als sich meine Finger enger um die Kaffeetasse schlingen. "Es tut mir leid, Raphael, aber ich habe gerade keine Zeit. Ich arbeite." Erkläre ich ihm und drehe mich von ihm weg, um die einzelnen Regale weiter aufzufüllen. Raphael scheint enttäuscht von meiner Reaktion zu sein, denn er schnaubt leicht. Aber ich kann mich nicht dazu bringen, ihm eine weitere Chance zu geben. Der Schmerz seiner Untreue sitzt noch zu tief in meinem Herzen, und ich bin nicht bereit, mich erneut verletzen zu lassen. Emir und er haben mir gereicht. "Bitte, Aylin, lass es mich erklären", fleht er erneut und sieht mich mit seinen honigbraunen Augen an. Doch ich schüttle weiterhin den Kopf und halte meine Entschlossenheit aufrecht. "Es gibt nichts zu erklären, Raphael. Bitte geh jetzt", antwortete ich etwas bestimmerisch und hoffe innerlich, dass er endlich meine Grenzen respektiert. Er zögert einen weiteren Moment, bevor er schließlich enttäuscht nickt und still die Tankstelle verlässt. Erleichtert atme ich aus, dass habe ich jetzt nicht erwartet. Nach so vielen Wochen habe ich wirklich gedacht, dass ich ihn erstmal nicht mehr sehen muss, aber das Leben hat mir wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht.

(Raphaels Sicht)

Als ich die Tankstelle wieder verlasse, lasse ich enttäuscht den Kopf hängen. Aylin hat mir keine Möglichkeit gegeben, mit ihr zu reden. Auch wenn ich ihre Ablehnung förmlich spüren kann, möchte ich nicht so einfach aufgeben. Ich muss mit ihr reden, ihr meine Gefühle erklären und um Vergebung bitten. Immerhin ist sie noch immer meine Amore, fährt es mir durch den Kopf, während ich den Weg zurück zu meinem Wagen laufe. Am Auto angekommen, reiße ich die Tür auf und werfe mich frustriert auf den Sitz. Das beste wäre jetzt, in der Nähe der Tankstelle zu warten, und zu hoffen, dass ich später mehr Glück habe. Vielleicht hat sie nach ihrer Schicht Zeit, mir zuzuhören. Ich muss dass endlich tun, denn ich kann mittlerweile nachts kein Auge mehr zudrücken. Immer wieder erscheint ihr Bild vor meinen Augen, wie sie mich in der Bar angesehen hat. Ich weiß, dass alles alleine meine Schuld ist. Ich würde so gerne die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen, aber das ist leider nicht möglich. Jetzt kann ich nur noch hoffen und beten. Nervös fängt mein Bein an zu zappeln. Ich fühle mich unruhig und ungeduldig, aber ich weiß, dass ich jetzt Geduld haben muss. Ich muss endlich die Dinge zwischen uns klar stellen, bevor ich sie für immer verliere.

(Aylins Sicht)

Donnerstag: 29.09.2022, 19:06

Erleichtert atme ich aus, als die frische Luft meine Gesicht streicht. Endlich Feierabend. Mit dem Griff um meine Tasche und den Kopfhörern in der Hand, laufe ich langsam um die Ecke Richtung Bushaltestelle. Gerade als ich meine Musik starten möchte, bemerke ich einen teuren Sportwagen am Straßenrand stehen. Etwas verwirrt darüber, wie ich jetzt reagieren soll, starre ich das Kennzeichen regungslos an, während sich meine Gedanken in einen Strudel aus Fragen verfangen. Gerade als ich den nächsten Schritt machen möchte, kommt Raphael mir zuvor und steigt aus seinem Wagen. Mit großen Schritten läuft er auf mich zu, und bleibt wenige Zentimeter vor mir stehen. Mein Herz macht einen Sprung, als ich heute bereits zum zweiten Mal, in seine Augen sehe, und sich der Kloß von vorhin wieder in meinem Hals bildet. Seine Honigbraunen Augen sind fest auf meine fokussiert, was mein Herz noch verrückter schlagen lässt. "Raphael, was machst du hier?", frage ich mit zittriger Stimme. "Aylin, bitte lass uns kurz reden", bittet er mich verzweifelt und atmet tief aus, als hätte er die ganze Zeit lang die Luft angehalten. Ich schlucke nur schwer und spüre Unbehagen in mir aufsteigen. "Ich weiß nicht, Raphael. Wir haben die Dinge zwischen und doch schon klargestellt...", antworte ich ihm und wende mein Blick auf die Fahrbahn. "Bitte, Aylin, gib mir nur ein paar Minuten deiner Zeit", unterbricht er mich, während sein Blick mich fast schon anfleht. Meine Augen verengen sich und ich betrachte ihn für einige Sekunden. "Und weshalb? Um noch mehr Salz in die Wunde zu streuen? Ehrlich Raphael ich habe keine Lust drauf", schnauze ich ihn an und möchte gerade weiter laufen, als er plötzlich nach meinen Händen greift und mich enger an sich zieht. „Eine kurze Unterhaltung, mehr nicht. Sonst bleibe ich hier so lange stehen, bis du dich endlich überwunden hast, mit mir zu reden", droht er mir schon fast, während seine rauen Finger sanft über mein Handgelenk streicht. „Wir können auch in das Café gehen, wenn du nicht hier reden willst, aber bitte rede mit mir Aylin", seufzt er verzweifelt und ich schnaufe. "Aber nicht lange", warne ich ihn an und er nickt mir eifrig zu.

Zwei Fremde (Raf camora FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt