Kapitel 8 - Kaya

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Die Musik dröhnte in lauten Wellen aus den Boxen am DJ-Pult und obwohl Kaya erst seit knapp einer Stunde mit Lili im Harpersclub war, brummte ihr Schädel bereits gewaltig und sie wollte einfach nur nach Hause.

Kaya hatte sich schließlich doch von Lili dazu überreden lassen, am Freitag-Abend noch mit ihr die Stadt unsicher zu machen. Maeve hatte sie über den Messenger eine kurze Nachricht zukommen lassen, aber sie hatte ihr nicht geantwortet und Kaya war sich nicht sicher, ob sie die Rothaarige heute hier antreffen würden. Ihre beste Freundin war jedenfalls der Meinung, dass sie auch ohne Maeve genug Gründe zum Feiern hatten, um sich den Abend im Club zu vergnügen.

Lili schien so fit wie eh und je und ihre mit Kajal dunkel umrandeten Augen schauten wach und aufmerksam in die Menge der Tanzfläche, während sie mit einem Lächeln auf ihren dunklen Lippen den Kopf zur Musik hin und her wippte.
Der Club war zu dieser Uhrzeit noch relativ leer oder vielleicht lag es auch daran, dass es Freitagabend war und die meisten Clubbesucher junge Schüler waren, die gerade so die Volljährigkeit erreicht hatten. An einem Samstagabend sah das sonst ganz anders aus, weil dort die arbeitende Gesellschaft viel eher die Energie für den Club aufbringen konnte.

Lili sah heute Morgen überraschenderweise bedrückt aus, hatte aber Kaya immer noch nicht verraten, was passiert war, dass sie vor einigen Stunden noch so durch den Wind war und wenn sie sie so beobachtete, komplett in der Musik versunken und ihre Miene gelassen, dann befürchte sie, dass sie es heute auch nicht mehr erfahren würde.

Aber Kaya würde alles für ihre beste Freundin und Mitbewohnerin tun, auch wenn es bedeutete sich freitags in die Menschenmengen der sonst so überfüllten Clubs zu stürzen. Wenn sie Ablenkung von was auch immer brauchte und sie den Anlass Kayas Beförderung als Deckmantel nutzen wollte, dann würde sie sie dabei unterstützen.

Kayas Blick blieb an der Bar hängen und schweifte über die Leute, die sich um die Barhocker tümmelten und sie entdeckte die schulterlangen fuchsroten Haare, die zu Maeve Treechase gehörten, ihrer neuesten Bekanntschaft und ihrer ebenso neuen Arbeitskollegin. Das musste heißen, dass sie ihre Nachricht vielleicht doch gelesen hatte und lediglich vergessen hatte ihr eine Antwort zu schicken. Oder aber es war purer Zufall, dass sie sich an diesem Abend alle drei im Harpersclub wiederfanden. Es war ja neben einigen vereinzelten Kneipen und dem kleinen Bistro, in dem sie sich letztens getroffen hatten, der einzige Club der sich in Oryon befand. Für alles Weitere war die Kleinstadt zu uninteressant.

Kaya freute sich ehrlich sie hier zu sehen, auch wenn sie ein wenig bedrückt darüber war, dass sie nicht auf ihre Nachricht geantwortet hatte. Ihr Kopf spielte ihr in solchen Situationen einfach immer alle möglichen Szenarien vor, die alle damit endeten, dass die andere Person schlichtweg kein Interesse an einer Freundschaft mit ihr hatte.

Maeve bewegte sich in der Nähe vom Thresen zum Takt der Musik, in ihrer linken Hand umklammerte sie fest eine Flasche mit einer dunklen Flüssigkeit und sie schien in ihrem Element zu versinken. Vielleicht sollte Kaya sie zu ihnen rufen, damit sie nicht so alleine an der Bar war. Kaya mochte sie, ehrlich, und hätte nichts dagegen sie etwas näher kennenzulernen. Was Kaya bereits von ihr gesehen hatte, war, dass sie eine wilde Frohnatur zu sein schien und überhaupt keine Probleme damit hatte, neue Kontakte zu knüpfen und Smalltalk zu führen, um sich nicht zu langweilen.
Eigentlich brachte sie immer etwas frischen Wind mit in ihre öden Schichten, seit sie seit wenigen Tagen im Labor unter die Arme griff.

Kaya drehte sich gerade zu Lili um, um ihr von ihrem Vorhaben zu erzählen, da drehte sich Maeve plötzlich auf ihrem Barhocker um und sah genau zu ihnen herüber. Sie schien sie auch entdeckt zu haben, denn auf ihrem Gesicht bereitete sich ein Lächeln aus und sie hob die Hand um ihnen zuzuwinken.
Kaya lächelte ebenfalls und zog Lili am Ärmel ihres schwarzen Kleids um mit ihr gemeinsam in Richtung der Bar zu gehen und Maeve Gesellschaft zu leisten, aber blieb nach einigen Schritten wie festgefroren stehen.

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